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Krumbach

23.10.2016

„Gold“ für Krumbachs Hopfen

Dieses „Diplom“ ist noch immer im Besitz des Krumbacher Stadtarchivs. Es bestätigt den Krumbacher Hopfenbauern, den besten Hopfen des Jahres 1866.
Bild: Bosch

Vor 150 Jahren erhielt der Hopfenbauverein Krumbach-Hürben die Kaiser-Napoleon-Medaille in Gold. Warum das Aus gut 50 Jahre später kam.

Man schrieb den 26. Oktober 1866: Die französische Stadt Dijon war Schauplatz einer großen internationalen Hopfenprämierung, an der sich 321 Anbaugebiete aus den Ländern Frankreich, Österreich, England, Baden, Bayern, Belgien, Holland, Italien, Preußen, Sachsen, Schweiz und Württemberg beteiligten. Was niemand erwartete und glaubte, trat ein: Der Hopfenbauverein Krumbach-Hürben wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet und erhielt die Goldene Medaille mit dem Bildnis des Kaisers Napoleon III. Sie wird noch heute im Panzerschrank des Krumbacher Rathauses samt Urkunde aufbewahrt.

Erst ein Jahr zuvor war dieser Verein gegründet worden. Sein Ziel: „Verbreitung und Vervollkommnung der Hopfenkultur und insbesondere Erzielung reiner, guter Qualität bei Anlage veredelter Gewächse zu vermitteln“, wie Alfons Schmid in der Krumbacher Stadtgeschichte schreibt. So war es nicht verwunderlich, dass der Vereinsvorsitzende Anton Lipp nach Dijon geschickt wurde, um bei der eigens veranstalteten Preisverleihung die Medaille samt Urkunde in Empfang zu nehmen. Das Einladungsschreiben zu der Feierstunde vor 150 Jahren aus Frankreich ist es wert, im Wortlaut bekannt zu werden „Herr Vorstand! Ich beeile mich, Ihnen anzuzeigen, dass das landwirthschaftliche Central-Comite von der Cote d‘Or, ihrer Ackerbau-Gesellschaft die goldene Medaille, den Preis des Kaisers für den Hopfen, welchen Sie zu seiner Ausstellung geschickt haben, gewährt. Die Austheilung der Belohnungen wird am Montag, den 5. November um 4 Uhr stattfinden. Genehmigen Sie, mein Herr, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung.“ Unterschrieben ist das Schreiben vom französischen Sekretär C. Ladrey. Der zweite Preis ging übrigens an die Hopfenbauern in Tettnang/Württemberg und der dritte nach Sankt Veit in Kärnten/Österreich.

Stürmischer Applaus 

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Lipp fuhr also nach Dijon und kehrte wenige Tage später zurück. Die Vereinsmitglieder bereiteten ihm ein „herzliches Willkomm“ im Goldenen Kreuz. Am Beginn seiner Ausführungen brachte der Vorsitzende ein dreifaches Hoch auf „Seine Majestät den Kaiser der Franzosen aus“ und würdigte ihn als „Förderer der Kunst, Wissenschaft und Kultur“. Die Medaille selbst, so Lipp, sei ihm unter „stürmischem Applaus und unter den Fanfaren der Musik feierlich überreicht worden“. Noch zwei Jahre später feierten die Krumbacher diese Auszeichnung: In der Postbräu (heute Franz-Aletsee-Straße) wurde am Rosenmontag ein großes Fass Bier angestochen, ausschließlich gebraut mit dem prämierten Hopfen. Als Festessen gab es Weinbergschnecken und Heringe, wobei es Pflicht war, dass alle Geladenen als Kopfbedeckung einen Zylinder zu tragen hatten, was übrigens als Geburtsstunde der heute noch aktiven Rosenmontags-Zylinderer gelten kann. Die Geschichte des Krumbacher Hopfens geht auf das Jahr 1675 zurück, wie Walter Gleich in seiner Chronologie „Krumbach in Stichworten“ recherchierte. Es dürfte sich damals um einen Bierbrauer gehandelt haben, der ihn für die Eigenproduktion pflanzte. Ähnliches tat der Bräuer Ignaz Haug, der 1838 ein Feld mit 1400 Hopfenstöcken anbaute. 14 Jahre später wird vom Schäffler Johann de Cortins berichtet, dass er in Hürben 800 Stangen Hopfen im Besitz hat. Überall wurde anschließend Ackerland in Hopfengärten umgewandelt und so gab es 1865 in Krumbach und Hürben rund 125 000 Stöcke auf 120 Tagwerk (40 Hektar) Grund. Sie befanden sich hauptsächlich westlich der Stadt zwischen der heutigen Bahnlinie und reichten von der Nattenhauser Straße bis zum Höllgehau; deshalb auch dort der Straßenname Hopfenweg.

Höhepunkt kurz vor der Jahrhundertwende

Wo der Hopfen im damals noch selbstständigen Hürben wuchs, ist nicht bekannt, doch dürfte dies vor allem beim Wasserschloss und den angrenzenden nordöstlichen Feldern gewesen sein. Außerdem gab es größere Hopfengärten in Billenhausen, Balzhausen, Neuburg, Thannhausen und Waltenhausen. Der Anbau erreichte kurz vor der Jahrhundertwende seinen Höhepunkt, denn damals wurden auf der Stadtwaage in einer Saison bis zu 1000 Zentner gewogen. Ein Preisverfall und das Fehlen neuzeitlicher Ernteanlagen führte zum Niedergang und so nimmt es nicht wunder, dass im Jahre 1920 in Krumbach letztmals Hopfen angebaut wurde. Manche erinnern sich jedoch daran, dass es für den Eigenbedarf der Klosterbrauerei bis nach dem Zweiten Weltkrieg in Ursberg einen Hopfengarten gab. Die Verleihung der kaiserlichen Auszeichnung vor 150 Jahren war auch für Herbert Auer der Anlass, namens des Heimatvereins eine kleine Ausstellung im Eingangsbereich der Sparkasse am Marktplatz zu gestalten. Dort sind im Schaukasten in den nächsten Wochen neben der Medaille auch verschiedene Schreiben, Zeitungsausschnitte und alte Fotos zu sehen.

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