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Leipheim/Memmingen

19.01.2019

Pärchen auf Einbruchstour im Kreis Günzburg

Die Leipheimer Fußballgolfanlage war Tatort für ein Diebespaar.
Bild: Herrmann

Alleine viermal suchten die beiden den Leipheimer Fußballgolf-Kiosk heim. Welche Strafen das Gericht dafür verhängt.

Ganz schön dreist gingen die Angeklagten ans Werk: Auch als die Ermittler dem Paar schon auf den Fersen waren, begingen sie weitere Einbrüche und stahlen, was ihnen in die Finger kam. Richterin Kathrin Krempl sprach in ihrem Urteil von „erheblicher kriminelle Energie“. Der 30-Jährige und seine sechs Jahre jüngere Komplizin wollten die Beute zu Geld machen und damit ihre eigenen Finanzen aufbessern. Die juristische Rechnung stellte jetzt das Amtsgericht Memmingen aus – Bewährungsstrafen: ein Jahr und zwei Monate für die Frau, ein Jahr und sieben Monate für den vorbestraften Mann.

Das Pärchen wurde zur gestrigen Verhandlung aus der Untersuchungshaft vorgeführt, in der es die vergangenen fünf Monate verbrachte. Sechs vollendete Einbruchdiebstähle und ein versuchtes Delikt warf die Staatsanwaltschaft dem 30-Jährigen und dessen Partnerin, beide aus einer Stadt im nördlichen Landkreis, vor. Allein viermal war der Kiosk der Leipheimer Fußballgolf-Anlage das Zielobjekt des Pärchens, weitere Brüche erfolgten bei einem Gebrauchtwagenhändler in Leipheim und an zwei Zigarettenautomaten in Günzburg.

Von Automatenknackern gelesen und die Taten nachgeahmt

Dabei gingen die Angeklagten nicht zimperlich vor. Mit einem Geißfuß knackten sie die Automaten und eine Containertür. Die Tür des Kiosks trat die kräftige 24-Jährige mit einem gezielten Fußtritt auf, wodurch reichlich Sachschaden entstand. Die Diebesbeute im Kiosk der Freizeitanlage bestand beim ersten Einbruch unter anderem aus einem Laptop, Gefrierschrank, Kaffeemaschine und Mikrowellengerät. Aber auch Magermilch- und Kaffeepulver wurde mitgenommen. Was die Staatsanwältin zur Frage veranlasste, was die Angeklagten mit dieser Beute anfangen wollten. „Das haben wir ganz spontan, ohne groß nachzudenken mitgenommen“, räumte die 24-Jährige ein.

„Und wieso Zigarettenautomaten?“, wollte Richterin Krempl wissen: Die zwei Angeklagten hatten von Automatenknackern gelesen und dass dort Geld rausgeholt wurde, sagte die Frau. „Dann dachten wir, das machen wir auch.“

Bei einer Durchsuchung wurde „umfangreiches Diebesgut“ sichergestellt

Durch Videoaufzeichnungen kam die Günzburger Polizei den Tätern nach dem ersten Bruch ziemlich schnell auf die Spur. Im Laufe einer Wohnungsdurchsuchung wurde „umfangreiches Diebesgut“ sichergestellt, so der ermittelnde Beamte als Zeuge. In einem Karton entdeckte der Polizist einen blauen Geißfuß und ein Brecheisen. Am Tatort hatte er ein Abbruchstück gefunden – beides passte zusammen. Doch die Verdächtigen blieben auf freien Fuß und machten weiter.

Rache, so die Angeklagten, sei das Motiv gewesen. Noch dreimal suchten sie den Kiosk der Fußballgolfanlage heim, die Beute fiel jedoch immer kleiner aus.

Ende Mai des vergangenen Jahres testete die 24-Jährige ihr Talent in der kriminellen Branche mit einem Einbruch bei einem Leipheimer Autohändler. Dort knackte sie einen Container und holte sich neben zwei Sonnenbrillen und Taschenlampen auch noch Fahrzeugbriefe, Kraftfahrzeugscheine und Abgasbescheinigungen. „Das habe ich in der Hektik mitgenommen“, sagte die Frau. Noch in der Verhandlung entschuldigte sie sich unter Tränen beim Besitzer der Fußballgolf-Anlage. Dem Ermittler war bei der Aufklärung der Delikte Kommissar Zufall zu Hilfe gekommen. Als er die Beschuldigten nach dem letzten Einbruch in den Kiosk vernahm, behaupteten sie, sich in der Nacht lange in einer Günzburger Spielhalle aufgehalten zu haben.

Ihre markante Kleidung hatte sie verraten

Beim Abgleich der Videoaufzeichnungen wurde dem Polizisten schlagartig klar: „Hoppla, das waren die beiden.“ Ihre markanten Kleidungsstücke, die sie beim Aufbruch des Kiosks und in der Spielhalle trugen, hatten sie verraten.

Für die Einbruchserie beantragte die Staatsanwältin für die Frau ein Jahr und zehn Monate; für den Mann, der schon mal eine einschlägige Vorstrafe kassiert hatte, zwei Jahre, dazu 120 Sozialstunden. Eine Bewährung sei wegen der umfangreichen Geständnisse möglich.

200 Sozialstunden müssen die beiden leisten - jeweils

Die beiden Rechtsanwälte Alexander Kühne (Illertissen) sowie Norbert Höhn (Memmingen) plädierten angesichts der längeren Untersuchungshaft und der werthaltigen Geständnisse für eine niedrigere Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Dem folgte Richterin Krempl teilweise, verhängte jedoch 200 Sozialstunden für jeden der zwei Angeklagten. Die Urteile sind bereits rechtskräftig, da Staatsanwältin und Verteidiger auf Rechtsmittel verzichteten und die Haftbefehle gegen ihre Mandanten aufgehoben wurden.

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