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Kreis Günzburg

08.09.2017

Recycling-Spezialist kauft Rigdon

Willy Hörger (dritter von rechts) und Bernd Hörger (rechts) haben den Günzburger Reifenhersteller Rigdon übernommen. Peter Mauritz und Christoph Fluhr (Prolimity Capital Partners) hatten das Unternehmen nach der Insolvenz der Reifen Ihle Gruppe übernommen und umgebaut. Günter Ihle (Mitte) bleibt Geschäftsführer. Günzburgs Bürgermeister Anton Gollmitzer (zweiter von rechts) freut sich mit den knapp 80 Mitarbeitern, die alle übernommen werden.
Bild: Rebekka Jakob

Das Sontheimer Unternehmen Hörger ist jetzt Besitzer des Reifenherstellers. Die Firmen hoffen auf Synergien.

Eigentlich habe er sich ja nur für den Verbrennungsofen auf dem Gelände von Reifenhersteller Rigdon im Günzburger Donauried interessiert, so Willy Hörger. „Den Ofen wollte ich haben und Rigdon habe ich am Ende bekommen“, scherzte der Recycling-Unternehmer aus Sontheim gestern. Dafür gab es viel Gelächter und Applaus von den Mitarbeiten des Reifenherstellers, die im Rahmen einer Betriebsversammlung erfuhren, dass WRZ Hörger jetzt der neue Besitzer des Unternehmens ist. Alle Kollegen werden übernommen – und es sollen sogar noch mehr werden, kündigte Rigdon-Geschäftsführer Günter Ihle an.

Als die Reifen Ihle Gruppe im Februar 2014 Insolvenz anmeldete, trat Prolimity Capital Partners mit Sitz in Ummendorf als Käufer für die Fabrik im Donauried auf den Plan, die werkserneuerte Reifen herstellt. Die beiden Gründer Christoph Fluhr und Peter Mauritz machten gestern deutlich, dass sie von Anfang an ein Partner auf Zeit für das Unternehmen gewesen seien. Dabei sei es darum gegangen, Rigdon (kurz für „Reifen Ihle Günzburg Donau“) zukunftssicher aufzustellen und einen geeigneten Investor zu finden. Mauritz sagte den knapp 80 Rigdon-Mitarbeitern gestern: „Damals waren wir der richtige Käufer. Heute ist es die Firma Hörger.“ 38 Tage hätten die Verhandlungen gedauert, am vergangenen Montag fand der entscheidende Notartermin statt.

Drei Jahre Umstrukturierung und Neuausrichtung

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Dem Kauf vorausgegangen sind drei Jahre der Umstrukturierung und Neuausrichtung des Unternehmens. Teile des großen Firmenareals wurden vermietet, der Lagerbestand verkleinert, aber auch die Optik modernisiert und mit dem Label „made in Germany“ ein Zeichen gegen die Konkurrenz aus China gesetzt. Zum Zeitpunkt der Insolvenz hatte das Unternehmen 120 Mitarbeiter, nach einem zwischenzeitlichen Rückgang geht die Zahl der Beschäftigten derzeit wieder nach oben. Gerade hat Rigdon wieder Stellenanzeigen geschaltet, bereits im Februar neue Vertriebsmitarbeiter eingestellt.

Die Zeit der Neuausrichtung unter dem Stichwort „Rigdon 2020“ sei teilweise hart gewesen, sagte Geschätfsführer Günter Ihle, der das Unternehmen von Kindesbeinen auf kennt und im Haus mit einer Schlosserlehre angefangen hat. „Ich kenne hier praktisch jede Schraube persönlich“, so Ihle. Unter der Führung von Prolimity stieg er zum Geschäftsführer auf. Der Zusammenhalt innerhalb der Belegschaft sei ein wichtiger Aspekt gewesen. „Ihr alle habt Rigdon dahin gebracht, wo es heute steht“, betonte Ihle den Mitarbeitern gegenüber. Das Unternehmen sei jetzt an einem Punkt, wo nicht mehr Geld verbrannt, sondern verdient werde.

Darauf bauen auch die Käufer, Willy und Bernd Hörger. Vater und Sohn führen das 1970 gegründete Sontheimer Unternehmen WRZ Hörger gemeinsam, ihre 230 Mitarbeiter sind unter anderem seit 2015 im Landkreis Günzburg für die Entsorgung der Gelben Tonne zuständig. In Jettingen-Scheppach gibt es eine Niederlassung. Das Recyclingunternehmen ist vom Landkreis Unterallgäu im Süden bis in den Landkreis Donau-Ries im Norden, in Bayern und Baden-Württemberg in der Kommunalen Entsorgung für hunderttausende Einwohner aktiv. Außerdem ist Hörger unter anderem an einem Biomassekraftwerk in Herbrechtingen beteiligt.

Bei Rigdon in Günzburg kaufte Hörger jahrelang Reifen für seine Fahrzeuge ein – und interessierte sich eben zuletzt für den Verbrennungsofen für Altreifen, der auf dem Gelände steht. In Gesprächen sei dann die Frage nach einer möglichen Übernahme aufgetaucht, schilderte der Seniorchef.

„Wir sehen ein großes Potenzial für Wachstum“  

Bernd Hörger: „Reifenherstellung ist nicht unser klassisches Thema, aber es gibt Synergien, die wir nutzen können, und Bereiche, in denen wir unterstützend tätig sein können. Und wir sehen ein großes Potenzial für Wachstum.“ Entscheidend für den Kauf sei das Know-how vor Ort gewesen. „Hier sind viele langjährige Mitarbeiter, die Ahnung von der Sache haben. Sonst hätten wir uns nicht dafür entschieden“, sagte Hörger in der Betriebsversammlung.

Die Stadt Günzburg sei froh über die gelungene Übernahme, so Bürgermeister Anton Gollmitzer in Vertretung von Oberbürgermeister Gerhard Jauernig. „Wir kennen Hörger seit Jahren und wissen, dass das eine bodenständige Firma mit guten Geschäftssinn ist.“ Reifen Ihle sei über Jahrzehnte einer der größten Mittelständler in der Stadt gewesen. „Die Insolvenz damals hat uns wehgetan“, so Gollmitzer. Umso mehr hoffe die Stadt nun, dass sich das Unternehmen wieder zu neuen Höhen aufschwinge.

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