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Realschule Günzburg

17.10.2019

Schülermangel: Antwort des Ministeriums löst Kopfschütteln aus

Warum wird es an der Dominikus-Zimmermann-Realschule in Günzburg immer leerer? Auf diese Frage gab es im Bayerischen Landtag eine überraschende Erklärung. Grünen-Landtagsabgeordneter Max Deisenhofer wollte wissen, was das Kultusministerium für die Zukunft der Schule plant.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Das Kultusministerium liefert auf eine Anfrage des Abgeordneten Deisenhofer eine überraschende Erklärung für Probleme an der Dominikus-Zimmermann-Realschule.

Die Zukunft der Dominikus-Zimmermann-Realschule Günzburg bleibt weiter unklar. Daran ändert auch die Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage von Grünen-Landtagsabgeordneten Max Deisenhofer nichts, die dieser gestern in München erhalten hat. Stattdessen liefern das des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus eine kuriose Begründung dafür, dass die Anmeldezahlen an der staatlichen Realschule in Günzburg dramatisch eingebrochen sind: Schuld sei der demografische Wandel.

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Mehrfach haben wir über die Probleme an der Günzburger Realschule berichtet: Dieses Jahr hatten sich nur 20 Fünftklässler angemeldet, eine einzige Eingangsklasse konnte gebildet werden. Außerdem war die Schule dadurch aufgefallen, dass vor den Sommerferien zwei Abiturienten dort als Lehrer eingesetzt worden waren. (Lesen Sie dazu auch: Lehrermangel: Studenten ohne Abschluss unterrichten an Realschule ) Die Schulleiterin war dadurch öffentlich unter Beschuss geraten. In der Folge hatte es aus der Region Kritik an der schwachen Informationspolitik des Ministeriums gegenüber Vertretern der Kommunalpolitik gegeben.

Hat der Kultusminister Günzburgs Oberbürgermeister ein Gespräch verweigert?

Aus diesem Grund hatte Max Deisenhofer sich mit einer Anfrage zum Plenum jetzt an das Kultusministerium gewandt. Konkret fragte der Grünen-MdL danach, ob Veränderungen innerhalb der Schulleitung beabsichtigt seien und ob es zutreffe, dass Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig (SPD) Gespräche zu dieser Realschule verweigert habe. Außerdem wollte Deisenhofer wissen, wie das Kultusministerium die Zukunftsperspektive der Schule sehe.

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Anstatt mit der Zukunft der Realschule beschäftigte sich das Ministerium in seiner Antwort erst einmal auf den Status quo: Die Schulleiterin der Staatlichen Realschule Günzburg befinde sich derzeit nicht im Dienst, heißt es dort. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Staatliche Realschule Günzburg seit Beginn des Schuljahres ohne Schulleitung wäre. Diese Aufgabe übernehme qua Amt der Realschulkonrektor der Schule.

Der schwäbische Grünen-Landtagsabgeordnete Maximilian Deisenhofer hatte die Anfrage an das Ministerium gestellt.
Bild: Bernhard Weizenegger

„Das ist eine Selbstverständlichkeit“, sagt Max Deisenhofer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Genauso sei es auch selbstverständlich, dass die Schule im laufenden Schuljahr nach Budget mit Lehrkräften versorgt sei – auch das hatte das Ministerium in seiner Antwort ausführlich erklärt. „Das Staatsministerium nimmt diesbezüglich seine Verantwortung gegenüber der Schule und dem Kollegium selbstverständlich wahr. Ebenso findet weiterhin eine enge Begleitung der Schule durch die regionale Schulaufsicht statt.“ Von Bedeutung für die Zukunft der Schule liest sich jedoch dieser Satz: „Nach Rückkehr der Schulleiterin in den Dienst werden weitere Gespräche zwischen dieser und dem Staatsministerium stattfinden.“

Realschule: Kultusministerium verweist auf den Datenschutz

Zur Frage, ob dem Oberbürgermeister Gespräche mit dem Kultusminister verweigert worden seien, nennt das Ministerium erneut Telefongespräche der zuständigen Schulabteilung im Staatsministerium mit dem Landrat als Sachaufwandsträger und dem Oberbürgermeister der Stadt Günzburg.

Zumindest hinter dem Zaun der Dominikus-Zimmermann-Realschule ist Ruhe eingekehrt nach dem Wirbel im vergangenen Sommer. Doch hinter den Kulissen wird noch immer um die Zukunft der Schule gerungen.
Bild: Bernhard Weizenegger

„Die Weitergabe darüberhinausgehender Informationen war aus datenschutzrechtlichen Gründen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Schulleiterin nicht angezeigt.“ Außerdem schreibt das Ministerium: „Gespräche zwischen Herrn Staatsminister und dem Oberbürgermeister fanden bisher nicht statt, es wurde kein Gespräch verweigert.“ Oberbürgermeister Gerhard Jauernig sieht das jedoch ganz anders, wie er gegenüber unserer Zeitung ausdrücklich erklärt. „Ich habe bereits vor der Sommerpause in Gesprächen mit Mitarbeitern des Ministeriums um ein Gespräch mit dem Minister gebeten. Das war jedoch nicht erwünscht.“

Besonders der letzte Absatz der Antwort aus dem Kultusministerium hat in der Region Kopfschütteln ausgelöst – zumal Deisenhofer nach diesem Aspekt gar nicht gefragt hatte. Darin heißt es: „Der Demografische Wandel hat – wie an vielen weiteren staatlichen Realschulen in Bayern und damit auch in der Umgebung von Günzburg – seit mehreren Jahren einen Rückgang der Schülerzahlen zur Folge.“ Warum der zitierte Wandel allerdings auf die Maria-Ward-Realschule Günzburg mit heuer erstmals vier Eingangsklassen und die beiden Realschulen in Ichenhausen und Burgau mit tendenziell ebenfalls steigenenden Anmeldezahlen offenbar keinen Einfluss haben soll, darüber schweigt sich das Ministerium aus.

Deisenhofer: "Hört sich für mich nicht nach Unterstützung für Günzburger Realschule an"

„Ich hatte nicht das Gefühl, dass sinkende Geburtenzahlen der Grund für die Schwierigkeiten an der Schule sind“, kommentiert Max Deisenhofer. Seitens des Ministeriums heißt es weiter, es sei „Aufgabe der Schulfamilie vor Ort, das Profil der Schule so zu entwickeln, dass die Schülerzahl weitestgehend stabil gehalten wird“. Für Deisenhofer ist das zu wenig. „Das hört sich für mich nicht nach Unterstützung für die Schule an.“

Auch Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig wundert sich sehr über diesen letzten Teil der Ministeriumsantwort. „Der demografische Wandel findet im gesamten Stadtgebiet statt – nicht nur in einer Schule. Dass das Ministerium mit dieser Erklärung ankommt, führt zur großen Sorge, dass die Ursache für die Probleme der Dominikus-Zimmermann-Realschule dort nach wie vor falsch eingeschätzt wird.“

Antwort des Kultusministeriums ist unbefriedigend

Die ganze Antwort des Kultusministeriums ist für den Grünen-Landtagsabgeordneten absolut unbefriedigend. Er erwartet eine Verbesserung in der Kommunikation zwischen dem Kultusministerium und den Verantwortlichen vor Ort: „Wenn eine Schule vor Ort Probleme hat, und die Kommunalpolitik dazu Fragen stellt, muss sie auch Antworten bekommen. Bei künftigen Gesprächsanfragen aus der Kommunalpolitik im Landkreis muss das Ministerium Gesprächsbereitschaft signalisieren.“

SPD-Kreisrat Gerd Olbrich, der sich namens seiner Fraktion im August direkt an das Ministerium gewandt hatte (wir berichteten) hat nach wie vor keine Antwort aus dem Ministerium auf seine Fragen erhalten. Die Auskunft, die Max Deisenhofer in München erhalten hatte, findet er ebenfalls unbefriedigend.

Gerd Olbrich aus Thannhausen, Fraktionsvorsitzender der SPD, wartet seit August auf Antwort aus dem Ministerium - vergeblich.
Bild: Bernhard Weizenegger

„Das ist eindeutig zu wenig, das kann’s doch nicht sein. Der Befund ist schließlich nach wie vor der Gleiche: Ein Wechsel an der Spitze der Schule ist unumgänglich.“ Das Kultusministerium habe es durch seine hinhaltende Taktik verpasst, eine geräuschlose und gesichtswahrende Lösung anzubahnen, so Olbrich im Gespräch mit unserer Zeitung.

Einen Kommentar dazu lesen Sie hier: Realschule Günzburg: Demografischer Wandel nicht das Problem

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