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Günzburg

10.11.2017

Sie sind die Grünen Engel der Stadt

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Die Pflege der Dorflinde, dem Naturdenkmal mitten in Riedhausen, ist nur eine der Aufgaben, die Berta und Konrad Stempfle übernehmen. Sie sind zwei von 50 Ehrenamtlichen aus Günzburg und seinen Stadtteilen, die dafür jetzt eine Auszeichnung erhalten haben.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ehrenamtliche haben einen Preis des Umweltministeriums erhalten. Wir haben zwei von ihnen besucht.

Dieser Montag hat sich wirklich gelohnt für Günzburg: Nach dem European Energy Award, den die Stadt zusammen mit dem Landkreis Günzburg in München erhalten hat ging am Abend in Augsburg eine weitere Auszeichnung nach Günzburg: Der „Grüne Engel“ für ehrenamtliches Engagement im Natur- und Umweltschutz ging an eine Gruppe von etwa 50 Frauen und Männern, die sich auf ganz unterschiedliche Weise um den Umweltschutz in der Stadt kümmern. Alfred Buchmann beispielsweise pflegt das Sudetendenkmal im Dossenberger Hof. Christa und Josef Weißmann sorgen für Sauberkeit im Umfeld der Wertstoffstation des Sportplatzes und des Kriegerdenkmals in Nornheim. Andere der Ausgezeichneten kümmern sich um Kapellen oder Feldkreuze. Berta und Konrad Stempfle aus Riedhausen haben sich unter anderem der Dorflinde im Ort angenommen.

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„Jemand muss es halt machen“, so fasst Konrad Stempfle ganz pragmatisch seine Motivation zusammen, den nördlichsten Günzburger Stadtteil grün und schön zu erhalten. Gemeinsam mit seiner Frau Berta kümmert er sich ganz besonders um die Dorflinde, direkt neben dem Haus, in dem er schon aufgewachsen ist. 1939 ist das heutige Naturdenkmal gepflanzt worden, zu ganz anderen Zeiten als heute. Heute ist die Linde der Mittelpunkt im Dorf – dank der Pflege durch die Stempfles nicht nur für die Riedhauser. „Es kommen unheimlich viele Radfahrer her, seit der Platz um die Linde so hergerichtet ist“, freut sich Berta Stempfle. Nicht nur die von den beiden gestiftete und regelmäßig geputzte Baumbank, auch der akkurat gestutzte Rasen rund um den Stamm und die liebevoll bepflanzten Tröge machen den Ort unter dem Blätterdach zu einem begehrten Rastplatz. Der benachbarte Gasthof „Adler“ kann leider nicht mehr für eine Einkehr herhalten – seit dem Tod der Wirtin vor ein paar Jahren hat sich niemand mehr gefunden, der die Wirtschaft betreiben möchte. Auch ein Bäcker kommt schon lange nicht mehr in den kleinen Ort.

Umso wichtiger ist den Stempfles, dass es wenigstens einladend und ordentlich aussieht in dem geschichtsträchtigen Stadtteil. Zum Beispiel auch zwischen den alten Stallgebäuden aus dem Jahr 1897, die gegenüber den Wohnhäusern stehen. „Bis 1923 gehörte das ganze Dorf dem Grafen aus Niederstotzingen“, erzählt Kempfle. „Unsere Großväter haben ihm damals das Dorf abgeluchst.“ Zu einem mehr als geringen Preis durften die Bauern die Gebäude abkaufen – und fortan in eigener Regie bewirtschaften. Stempfle hat die alten Stallungen in eine Werkstatt umgewandelt, als er sich 15 Jahre vor seinem Ruhestand noch mal selbstständig machte und mit Ehefrau Berta als Betriebsleiterin Kunststoffteile herstellte. Dass der Weg, der zwischen seinem und dem Nachbargrundstück entlang aufs Feld hinaus führt, mit Brennnesseln zuwucherte, störte den Riedhausener. Also nahm er sich auch diesem Stück Grün an. Regelmäßig mäht er nun die Strecke, die vor allem Hundebesitzer im Ort gerne nehmen. Im Herbst schafft er mit seiner Frau Säckeweise das herabgefallene Laub der Linde weg, im Winter räumt Stempfle die Gehwege frei und bereitet den Platz auf dem Rasen vor der Werkstatt vor, wo der Weihnachtsbaum des Ortes aufgestellt wird. Im Mai steht hier der Maibaum – am Maifeiertag umringt von dutzenden Fahrrädern der Ausflügler.

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Es sind kleine Aufgaben, die Günzburgs „Grüne Engel“ übernehmen, die sich zu einem unübersehbar schönen Ganzen zusammenfügen. Das Aktionsbündnis dazu wurde von zehn Jahren gegründet – erst einmal als Versuch. Heute sind die ehrenamtlichen Helfer im öffentlichen Raum der Großen Kreisstadt nicht mehr wegzudenken, aus Sicht der Stadt hat sich das Projekt als beispielhaft weiterentwickelt. Und nicht nur aus Sicht der Stadt – das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat diese Initiative am Montagabend im Augsburger Rokokosaal ganz offiziell mit der Auszeichnung „Grüner Engel“ bedacht.

Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, der gemeinsam mit 15 ehrenamtlich Aktiven aus Günzburg die Auszeichnung für das städtische Ehrenamtsbündnis in der Bezirkshauptstadt entgegennahm, sieht diesen Preis als große Anerkennung für alle 50 Frauen und Männer, die sich in Günzburg im öffentlichen Raum oft schon jahrelang engagieren. Die Stempfles sind auch im Rentenalter noch fit und begeistert bei der Sache – eine Auszeit vom Ehrenamt nehmen sie nur während ihrer Reisen um die ganze Welt. Der Blick in die Zukunft macht die beiden jedoch auch ein wenig nachdenklich. „Ich frage mich manchmal schon, wer wird das alles machen, wenn wir mal nicht mehr da sind“, sagt Berta Stempfle.

Dass es im Dorf genug Leute gibt, die zusammenhalten und zusammenarbeiten, zeigt das Bürgerhaus, das unter der Regie der Feuerwehr entstanden ist. Anpacken können die Riedhauser – ganz nach den Worten von John F. Kennedy, meint Konrad Stempfle: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst.“

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