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Günzburg

06.09.2019

Sorge um Handel und Gewerbe in Günzburgs Altstadt

Blick auf die Günzburger Altstadt vom Flugzeug aus.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Die Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung schreibt einen offenen Brief an OB Jauernig. Und es gibt Beschwerden über mehr Verkehr in Seitengassen des Marktes wegen der Poller.

Eva Flemisch hat Sorgen: Sie glaubt, dass es für den Handel, für Gewerbebetriebe, aber auch Ärzte in Günzburgs Innenstadt zunehmend schwieriger wird, ein Auskommen zu haben. Ein Grund ist die schlechtere Erreichbarkeit – auch beispielsweise durch die Poller, deren Regelbetrieb nach wie vor nicht funktioniert. Bereits jetzt haben wir „viele Leerstände, Läden und Lokale, die in und um den Marktplatz nicht nachbesetzt werden können“.

Das werde sich noch verschärfen mit weiteren Einzelmaßnahmen, die wie Mosaiksteine wirkten, die nicht zusammenpassten, sagte die Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Günzburg gegenüber unserer Zeitung. Das Bemühen auf allen Seiten sieht sie wohl, aber eben kein Miteinander, sondern nur ein Nebeneinander. So bliebe alles letztlich Stückwerk. Flemisch vermisst eine gemeinsame Strategie. Die fordert sie in einem offenen Brief an Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig (SPD) und die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates.

"Da kann Günzburg mit seinem Einzelhandel nicht mithalten"

Auf der Suche nach dem nächsten Schnäppchen rund um die Uhr würden die Menschen ohnehin bequemer. Shopping im Wohnzimmer auf dem Tablet oder Handy, während der Fernseher nebenher läuft ist das Ergebnis. „Alles, was einem beliebt, kann ins Haus oder an die 24 Stunden erreichbare Packstation geliefert werden. Und wenn es nicht gefällt oder passt, ab ins Päckchen und zurück an den Verkäufer.“

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In einem realen Laden erwartet der Kunde Flemisch zufolge „das perfekte Einkaufserlebnis“. Dazu gehörten „super Beratung, günstige Preise, große Marken, modernste Läden und natürlich kurze Wege sowie eine attraktive Innenstadt“. Für einen großen Bummel geht es nach Ulm, Augsburg oder München, „wo richtig was geboten wird. Da kann Günzburg mit seinem Einzelhandel nicht mithalten.“

"Das erschwert Handel, Gewerbe und Anliegern das Leben"

Zum Arzt, Physiotherapeuten oder zur Apotheke müsse man meist, wenn es einem nicht so gut gehe. „Selbst 100 Meter zu Fuß können hier schon zum Problem werden. Ganz zu schweigen davon, wenn man gar nicht selbst betroffen ist, sondern das fiebrige Kind mit im Auto sitzt“, so die Vorsitzende. Auch wer eine körperliche Einschränkung habe oder wegen des Alters Probleme mit dem Laufen, suche sich einen Parkplatz vor der Ladentür.

Und was bietet Günzburg? Flemisch erkennt weiter werdende Wege, immer weniger Kurzzeitparkplätze (als Beispiele nennt sie die Umgestaltung des Bürgermeister-Landmann-Platzes und des Schlosshofes), Auflagen zum Schutz des Altstadtensembles (Beispiel Werbeanlagensatzung) und einen eingeschränkten Zugang für Patienten und Lieferanten (Poller). Das alles seien Maßnahmen, „die unsere Altstadt schön und liebenswert machen, aber objektiv gesehen dem Handel, den Gewerbetreibenden und den Anliegern das Leben erschweren“.

Eva Flemisch hat sich mit einem offenen Brief an den OB gewandt.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

"Es besteht die Gefahr, dass unsere Altstadt in Schönheit stirbt"

Handel und Gewerbe benötigten in der heutigen Zeit von Internet und Digitalisierung keine Innenstadt mehr. „Und unter Berücksichtigung dieser Faktoren wird sich jeder rein wirtschaftlich denkende Mensch einen anderen Standort suchen – von Dienstleistern und Ärzten ganz zu schweigen.“

Eva Flemisch stellt sich die Frage, ob das gewollt ist, ob eine Innenstadt ohne Schaufensterbummel attraktiv ist und was an Regentagen oder im Winter los ist, „wenn wir wenig Touristen und Kaffeebesucher haben“? Noch gebe es in Günzburg eine funktionierende Innenstadt und Akteure, die sich darum bemühten. „Um dies zu erhalten, brauchen wir aber gemeinsame Lösungen und Kompromisse.“

Dazu gehöre nicht nur ein schickes Stadtbild. Gerade auch die Bewohner und Anlieger seien ein wichtiger Bestandteil. „Wenn Maßnahmen wie Poller und Parkplatzreduktion die Situation verschärfen, sollte im gleichen Zuge über Ausgleichsmaßnahmen und Förderungen nachgedacht werden.“ Flemisch fordert eine konzertierte Aktion aller Beteiligten. „Sonst besteht die Gefahr, dass unsere Altstadt in Schönheit stirbt.“

Beschwerden über mehr Verkehr in den Seitenstraßen

Am Telefon und auf unserer Facebook-Seite haben sich Leser derweil darüber beschwert, dass seit der Installation der Poller der Verkehr in den Nebenstraßen des Marktplatzes und den abzweigenden Gassen stark zugenommen habe. Dort werde zudem nicht langsam gefahren, „es wird gerast ohne Ende“, schreibt jemand bei Facebook. So werde den Anwohnern in keiner Weise Entlastung oder Hilfe entgegengebracht. Da würden nur strenge Kontrollen helfen.

Bei der Polizeiinspektion Günzburg habe sich bislang niemand darüber beschwert, erklärt Dienststellenleiter Stefan Müller auf Anfrage unserer Zeitung. Die Stadt habe die Polizei zwar gebeten, stärker zu kontrollieren, wenn die Poller eingerichtet sind. Aber auch schon vorher würden die Seitenstraßen im Rahmen der normalen Streifen im Blick behalten.

Auch dem städtischen Ordnungsamt liegen aktuell keine Beschwerden vor, heißt es bei der Stadtverwaltung. Durch die Inbetriebnahme der Poller entstehe rund um den Marktplatz aber eine neue Situation. Die Verwaltung und die Polizei würden das Verhalten der Autofahrer nach einem angemessenen Zeitraum bewerten und gegebenenfalls Maßnahmen treffen. (mit cki)

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