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20.04.2016

Vereinsgründung auf der Speisekarte

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Die Bibertaler Bulldogfreunde mit ihren Oldtimern. Die Begeisterung für Traktoren ist bei Jung und Alt groß.

Die Bibertaler Bulldogfreunde gibt es seit fünf Jahren. Die Begeisterung für die alten Fahrzeuge ist so groß, dass sich sogar ein 15-Jähriger von seinem Erstkommunionsgeld einen Oldtimer-Traktor gekauft hat

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen zieht es auch die Bibertaler Bulldogfahrer wieder hinaus auf die Straßen. Ausfahrten in Lederhose oder feschem Dirndl sind wieder möglich, Oldtimertreffen oder Gartenwirtschaften werden angesteuert. Und zwar mit einem ganz besonderen Reisegenuss, der so nur bei einer gewissen Langsamkeit von zwanzig Stundenkilometer entstehen kann und den Blick auf viele Kleinigkeiten erlaubt. Allerdings beinhaltet er auch Unannehmlichkeiten bei Regenschauern oder sengender Hitze. Doch das macht den Bibertaler Bulldogfahrern wenig aus. Ihr Verein ist noch relativ jung, im Herbst 2011 gegründet.

Seither ist Ralf Thomalla 1. Vorsitzender. „Es war auf dem Schleppertreffen im Festzelt in Kirchhaslach, als wir die Vereinsgründung auf der Rückseite der Speisekarte beschlossen haben“, erzählt er. Heute zählt der Verein 65 Mitglieder, die bis aus Burgau, Ludwigsfeld oder Thalfingen kommen. Zwölf Frauen und sieben Kinder und Jugendliche sind ebenfalls dabei. Man ist sich einig: „Das Wort eines Jungen gilt genauso wie das eines Alten und das ist einfach schön.“ Dementsprechend groß ist die Hilfsbereitschaft untereinander, wenn beim Schrauben und Herumbasteln mehr als zwei Hände nötig sind.

Beim Vorsitzenden Thomalla ist die ganze Familie auf Achse: Gattin Karina, die auch die Vereinskasse verwaltet und Tochter Denise haben schon eigene Schlepper, die beiden Buben haben fest vor, wenn sie alt genug sind, einen zu kaufen. Vielleicht so wie Michael Miller, der sich als 15-jähriger vom Erstkommunionsgeld einen Oldtimer-Bulldog kaufte und eben kein Motorrad. Heute ist er gerne mit einem grasgrünen Deutz Baujahr 1951 unterwegs. Nicht frisch in Originalfarbe lackiert, sondern mit einer seit 1954 in und um Kissendorf erworbenen Patina begeistert der 14 PS-starke Bautz von Florian Rüggenmann. „Mein Opa hat ihn gekauft und ihn unter anderem auch bei seiner Arbeit als Totengräber benutzt“, sagt er. Und fügt eine Anekdote an: „Die Kinder kannten früher den Opa und seinen Bautz am Motorgeräusch und liefen schnell zur Straße, wenn der Duplo-Opa seine Schokoriegel verteilte.“

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Die Bibertaler Bulldogfahrer sind aber nicht nur zu Ausfahrten unterwegs, sondern lassen die Landmaschinen aus vergangenen Zeiten gerne noch arbeiten. Wenn es in den Wald geht oder zum Komposthof, wenn etwas transportiert werden muss oder beim jährlichen vereinsinternen Pflügen. Für heuer laufen schon die Planungen zum Feldtag am 11. September in Opferstetten, wenn die alten Gerätschaften einem großen Publikum in Aktion präsentiert werden sollen.

„Dieses Wissen um die Mühsal der Feldarbeit soll nicht verloren gehen“ betont Ralf Thomalla. Zu erzählen hat die Runde der Bulldogfahrer im Obstgarten von Gründungsmitglied und Beisitzer Leopold Sellner vieles. Vom Pokal für die weiteste Anreise, den Josef Mißbach aus Thalfingen gewonnen hat, als er mit seinem Deutz D4006 gute 1100 Kilometer bis in die Eifel auf Achse war. Oder wie Sarah, Denise und Iris auf einem Deutz D15 in der Zeitschrift Oldtimer Traktor in der Rubrik Traktor des Monats abgebildet waren. Oder von den elf Bulldogs, die Vereinsmitglieder 2015 wieder zur Zulassung und damit zurück in den Verkehr gebracht haben.

Oder von dem eher nicht so begehrten Wanderpokal, den der bekommt, der mangels Sprit irgendwo liegenbleibt. „Das Tanken muss man im Gefühl haben. Es hat nur einen Öldruckanzeiger, das war es“, so Zweiter Vorsitzender Werner Miller. Also kein Tacho und eben keine Tankanzeige. Auf die Frage, ob die alten Trecker ein teures Hobbys seien, nicken alle. Restaurieren beinhalte immer investieren. Und selbst wenn alles läuft und tuckert, steht Ludwig Mayer durchaus vor seinem großen MAN-Nutzfahrzeug und überlegt, wo noch etwas verbessert werden kann. Man ist eben nie fertig. Und immer in Aktion, wenn man den Terminkalender auf der informativen Vereinshomepage anschaut. Wiederholt werden soll auf jeden Fall das Fahrertraining für Frauen und Jugendliche, das allen richtig Spaß machte. Schließlich reicht der normale Autoführerschein, um die Heimat mit einem Oldtimer-Bulldog zu erkunden und Neues zu entdecken.

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