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Feuerwehr

22.01.2020

Warum und wie die Feuerwehr im Landkreis Günzburg ausrückt

Wie die Feuerwehr ausrückt, wissen die meisten nicht.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Kreisbrandrat Stefan Müller erklärt den genauen Ablauf. Anlass war ein Leserbrief in unserer Zeitung.

Der neue Günzburger Kreisbrandrat Stefan Müller hat am Dienstag eine beachtliche Anzahl an Telefongesprächen entgegen genommen und geführt, um die Wogen wieder zu glätten. Anlass war ein in unserer Zeitung abgedruckter Leserbrief, in dem moniert wurde, dass die Feuerwehren mit einer überzogenen Anzahl an Kräften für harmlose Vorgänge, wie die Löschung eines Fett-Topfes in Offingen oder den Aufbruch einer Wohnungstür eingesetzt würden. Die Darstellung der Taten der ehrenamtlichen Wehrmänner und -frauen bezeichnete der Schreiber als Wichtigtuerei.

Müller, 52, seit gut acht Wochen im Amt, erläuterte am Mittwoch bei einem Besuch unserer Redaktion, dass hier nicht Feuerwehren willkürlich oder nach dem Motto „Viel hilft viel“ losgeschickt würden. In der Alarmierungsbekanntmachung des Innenministeriums sei klar geregelt, wie beispielsweise mit Bränden unterschiedlicher Größenordnung umzugehen sei.

Was bei B 3 alles zu tun ist

Die Leitstelle nimmt die Angaben des Melders als Maßstab für die Entscheidung. Der Disponent der Leitstelle ordnete den brennenden Fett-Topf als „B 3“ ein. Nach der Darstellung am anderen Ende der Telefonverbindung musste der Profi davon ausgehen, dass Personen in Gefahr sind. Genau das besagt die Kurzmeldung „B 3“. Als „B 7“ wäre beispielsweise ein großer Brand in einem Industriebetrieb klassifiziert worden.

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Der neue Günzburger Kreisbrandrat Stefan Müller.
Bild: Kreisfeuerwehrverband

Dann werden nicht einzelne Feuerwehren alarmiert. Es geht vielmehr um die Einsatzmittel, die benötigt werden – hier im Falle des Fett-Topfes, der in einer Bäckerei Feuer gefangen hatte. Über alle Einsatzmittel verfügt aber nicht jede Feuerwehr. Für den konkreten Fall sind unter anderem 1600 Liter Löschwasser, acht Pressluftatmer und es ist eine Drehleiter „hinterlegt“, die vor Ort sein müssen.

Offingen hat keine Drehleiter

Da die Feuerwehr in Offingen aber nicht über eine Drehleiter verfügt, sind die Kollegen in Burgau verständigt worden. Deshalb haben sich zwei Löschgruppenfahrzeuge (auf jedem ist die Besatzung mit neun Kräften definiert), das Fahrzeug der Einsatzleitung und die Drehleiter aus Burgau mit einem Begleitfahrzeug in Bewegung gesetzt. „So kommt dann auch die Zahl der Beteiligten zusammen: 26 waren von den Wehren Offingen und Schnuttenbach vor Ort und zwölf von Burgau.

Wir waren für den gemeldeten Brand bestens ausgerüstet und froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist“, sagt Müller, der eine Tätigkeit als Kreisbrandrat im Gegensatz zu seinem Vorgänger ehrenamtlich ausübt.

Müller: Besser nachfragen anstatt vorschnell zu schreiben

Mit dem brennenden Fett-Topf habe man „richtig Glück“ gehabt. Wenn die Betroffenen ein falsches Löschmittel verwendet hätten, dann hätte das Gebäude auch in Vollbrand stehen können, gibt Müller zu bedenken. Und von sich selbst ausgehend sagt er: „Bevor ich mich hinsetze und so einen Brief schreibe, werde ich lieber bei der örtlichen Feuerwehr vorstellig und frage nach, wenn mir Zusammenhänge nicht bekannt sind. Wer weiß: Vielleicht macht’s dem Kritiker am Ende noch Spaß und er schließt sich der Feuerwehr an.“

Knapp 4100 Aktive versehen in 108 Freiwilligen Feuerwehren, sechs Werks- und zwei Betriebsfeuerwehren im Kreis Günzburg ihren Dienst. Im vergangenen Jahr haben die Feuerwehrleute insgesamt 49.067 Einsatzstunden geleistet.

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