Jettingen-Scheppach: Nach Überschwemmung in Jettingen-Scheppach läuft die Hilfe an
Jettingen-Scheppach
Nach Überschwemmung in Jettingen-Scheppach läuft die Hilfe an
Verzweiflung und Hoffnung liegen in Jettingen-Scheppach nahe beieinander. Nach der Überflutung ist für die Bewohner der Hammerschmied-Siedlung Hilfe in Aussicht.
Aus der Luft ist gut zu sehen, welchen Weg die braune Wasserbrühe von der Mindel über die Felder in die Straßen genommen hat.Foto: Bernhard Weizenegger
"Ich möchte den Menschen helfen", sagt Landrat Hans Reichhart, der selbst am Tag der Flut vor Ort war und danach viele Gespräche mit Betroffenen geführt hat. Reichhart ist in Jettingen aufgewachsen, wohnt dort und kennt viele der Bewohner in "Korea", wie die Hammerschmied-Siedlung im Volksmund genannt wird. Die Schilderungen von Menschen berühren, deren Häuser frisch saniert waren, die viel Geld in ihr Eigentum investierten und nun viel verlieren. Denn von Versicherungen sei wenig zu erwarten, berichten Geschädigte nach ersten Telefonaten. Deshalb will sich die Bürgerschaft formieren und schnell ein gemeinsames Vorgehen abstimmen.
Kostenfreie Müllentsorgung am Wertstoffhof
Inzwischen versucht die Kriminalpolizei Neu-Ulm die Ursachen der Überschwemmungen am Montagmorgen zu ermitteln. Denn Versicherungen werden versuchen, finanzielle Entschädigungen von verantwortlichen Personen einzufordern. Doch das kann dauern. Und noch viel länger, bis die Bewohner mit Zahlungen rechnen können. Das stimmt Landrat Hans Reichhart traurig: "Die Leute brauchen einen langen Atem", sagt er aus Erfahrung.
Daher hat die Kreisverwaltung in Absprache mit der Kreisabfallwirtschaft schnell entschieden, den Menschen zumindest die Entsorgung ihres Flutmülls zu erleichtern. "Der Abfall kann kostenfrei bei der Wertstoffsammelstelle in Burgau an der ehemaligen Pyrolyse abgegeben werden", informiert der Landrat. Die Maximalmengen wurden aufgehoben, um eine unkomplizierte Schadensbeseitigung zu ermöglichen. Auch die Gemeindeverwaltung hat große Container bereitgestellt, die von den Betroffenen schnell gefüllt wurden.
In der Not helfen alle in Jettingen-Scheppach zusammen
Zwei Tage nach der Flut ist Bürgermeister Christoph Böhm noch begeistert vom Zusammenhalt der Bürger: "In der Not helfen alle zusammen, da ziehen alle an einem Strang", da gebe es kein böses Wort oder Schuldzuweisungen. Böhm lobt den großen Einsatz der Ortsfeuerwehren und der Feuerwehr Burgau. Sie ist nachalarmiert worden und hat mit einem speziellen Container mit Pumpen wertvolle Hilfe leisten können. Burgaus Bürgermeister Martin Brenner machte sich am Montagnachmittag selbst ein Bild, wo "seine" Wehr im Einsatz war.
Zwei Tage nach der Überschwemmung der Hammerschmied-Siedlung in Jettingen-Scheppach sind die Spuren noch immer sichtbar. Keller wurden von einer braunen Wasserbrühe überschwemmt, die von der Mindel über die Felder in die Straßen gelaufen war. Die Polizei hat mit der Ermittlung der Ursachen begonnen. Luftaufnahme Luftbild FlutFoto: Bernhard Weizenegger
"Ohne die Hochleistungspumpen aus Burgau hätten wir den Wasserpegel nicht so schnell absenken können", sagt Markus Schmucker, Kommandant der Feuerwehr Jettingen. Die Kräfte aus Burgau rückten mit einem Fahrzeug des Katastrophenschutzes an, auf dem sieben Rollcontainer mit je einem Notstromaggregat und zwei sogenannten Chiemseepumpen für große Einsatzlagen transportiert werden. Zusätzlich verstärkt wurde die Pumpleistung von einer Hochleistungspumpe mit Dieselaggregat der Burgauer Kläranlage. Mit weiteren 12 Tauchpumpen der Jettinger Wehren war es möglich, die vielen Keller bis zum Montagabend leer zu pumpen.
Das ist inzwischen geschehen: Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zu den Ursachen und Verantwortlichen für die Überflutung ist laut Bürgermeister Böhm noch nicht abgeschlossen. Das Wasserwirtschaftsamt hat eine fachliche Stellungnahme abgegeben. Böhm ist beeindruckt und dankbar für die große Hilfsbereitschaft der Bürger. Viele Vereine und Gruppierungen haben für die Flutopfer Geld gesammelt. Allein beim Benefiz-Fußballspiel kamen 6500 Euro zusammen. Aber auch etliche Einzelpersonen zeigen sich mit Geldspenden solidarisch. In der Gemeindeverwaltung liegen Antragsformulare für Hilfesuchende bereit.