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Burgau

28.02.2018

Kegeln in Burgau: Eine unterschätzte Sportart

Auf die richtige Wurftechnik kommt’s an. Daran muss Redakteur Christian Kirstges noch arbeiten.
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Auf die richtige Wurftechnik kommt’s an. Daran muss Redakteur Christian Kirstges noch arbeiten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Wer Kegeln als Sportart belächelt, hat es noch nie ausprobiert. Hier sind Konzentration und Kondition gefragt – und einen Muskelkater gibt’s auch.

Es muss als Kind gewesen sein, als ich zum bis jetzt letzten Mal eine Kegelkugel in der Hand hatte. Im Österreich-Urlaub mit meinen Eltern. Da gab es im Keller des Hotels eine gar nicht kleine Bahn, auf der die Gäste um die Wette spielten. Auch bei Familienfeiern im Gasthaus war es ein beliebter Zeitvertreib vor und nach dem Essen. Aber seither waren es die Pins, die ich beim Bowlen mit mehr (oder eher weniger) Glück im Wettkampf mit Freunden von der Bahn fegte. Nun wage ich mich nach vielen Jahren wieder ans Kegeln. Und ich will die Kugel nicht irgendwie rollen lassen, sondern das in einem Verein tun, der es sportlich macht.

Ausgesucht habe ich mir dafür als der für Burgau zuständige Redakteur dieser Zeitung natürlich den örtlichen SKC, den Sportkegelclub, Mitglied im Bezirk Schwaben des Bayerischen Sportkegler- und Bowlingverbands. Außer Sportschuhen brauche ich nichts, hatte mir der Vize-Vorsitzende Walter Czech vorab am Telefon gesagt. Aber sicher ist sicher, neben den Turnschuhen komme ich mit Sporthose und passendem Shirt in Wendel’s Keglerhof. Das war die richtige Entscheidung, die Experten sind auch im Sportdress erschienen.

Mehr als Glück ist der erste Versuch nicht

Bevor es richtig losgeht, versuche ich einfach mal mein Glück und räume auf Anhieb fünf Kegel ab. Dass es mehr als Glück nicht ist, zeigt sich bei den nächsten Würfen. Die Kugel verabschiedet sich links und rechts ins Aus. Also lasse ich mir lieber mal erklären, wie es richtig geht. Mit drei Schritten wird angelaufen, die Kugel pendelt dabei dicht neben dem Körper und beim Wurf soll ich sie etwas nach vorne drücken. Je näher sie am Boden losgelassen wird, desto besser. Wenn ich den ersten Kegel anvisiere, sollte es am ehesten funktionieren. Ich laufe also an, und konzentriere mich jetzt so auf diese drei Schritte, dass ich nicht mehr richtig auf den Rest achte. Mit der Zeit wird es zwar besser, die Kugeln mit Löchern machen es leichter als die durchgehend runden, aber da ist noch viel Luft nach oben.

Die Spieler geben mir immer wieder Tipps; ich soll mich gerade halten, und ein Ausfallschritt soll die Gelenke schonen. Klingt in der Theorie einfach, aber in der Praxis... Also schaue ich lieber mal den Profis zu. Konstantin Wiesner, 23, ist die Konzentration vor seinem Wurf anzusehen. Und dann läuft er an, lässt die Kugel über die Bahn gleiten – und trifft. Die meisten Kegel fallen um. Er ist in der Zweiten Mannschaft. Weil er in München Ingenieurwesen studiert, ist er aus zeitlichen Gründen nur Ersatzspieler. Als er mit seiner Familie nach Burgau zog, nahm ihn sein Vater mit in den Verein und so fand er schnell Anschluss. Direkt neben Wendel’s Keglerhof zu wohnen, wo auf vier Bahnen gespielt wird, war da praktisch. „Wenn ich jemandem erzähle, dass ich Sportkegler bin, reagieren die meisten verwundert“, sagt er. „Aber immer mal wieder treffe ich auf jemanden, der auch kegelt.“

Hier kann man gut vom Alltag abschalten

Der weiß dann, dass es um Konzentration und Kondition geht, und dass man gut vom Alltag abschalten kann. Der ein Jahr ältere Robert Zahn, Student der Fahrzeugtechnik, spielt in der Ersten Mannschaft, die in der Kreisklasse West auf Platz acht steht, Tabellenführer ist Ichenhausen/ Günzburg. Er ist seit 2006 dabei und der beste Spieler im Verein, sagen Walter Czech und der Vorsitzende Franz Schuster. Auch Zahn sagt, dass nur wenige wüssten, dass man hier ins Schwitzen kommt. Ich kann es nachvollziehen. Ohne große Pausen wird trainiert, Kugel um Kugel wird geworfen, Schübe nennen die Profis das. Es geht ungezwungen zu, wer kommt, ist da. Beim Fußballverein wäre er rausgeflogen, wenn er mal keine Zeit zum Trainieren hat, sagt Zahn. Ein Spieltag kann gut zweieinhalb Stunden dauern, danach weiß man, was man gemacht hat. Im Radius von etwa 60 Kilometern tragen die zehn Vereine der Liga die Duelle aus.

Gespielt werden kann aber nicht mehr überall. So muss man etwa aus Günzburg nach Burgau kommen, weil es in der Kreisstadt keine Kegelbahn mehr gibt. Und generell sei es schwierig, Vier-Bahnen-Anlagen wie im Keglerhof zu finden, viele hätten nur zwei. Und wie in Günzburg sind in vielen Orten in den vergangenen Jahren die Bahnen stillgelegt oder gar abgerissen worden. „Es gibt zu wenige Hobbykegler, deshalb wird für die Sportkegler ungern investiert“, sagt Karlheinz Musikant, der Vorsitzende des Bezirksverbands. Wenn gebe es nur noch in Sport-, Dorf- und Vereinszentren Kegelbahnen, in Gasthäusern kaum noch. Von der Entwicklung hat der Keglerhof in Burgau durchaus profitiert, sagt Maria Offenwanger, die Ehefrau des Inhabers Wendelin. Er sei gut ausgelastet. Im September 1991 wurden die Bahnen eröffnet, erst im nächsten Jahr folgte dann auch die Wirtschaft.

Die Jugendarbeit funktioniert hier gut

In den vergangenen Jahren sei bei der Nachwuchswerbung auch viel verschlafen worden, räumt Musikant ein, aber seit einiger Zeit werde versucht, das aufzuholen. Auch an einer eigenen App wird gearbeitet, mit der sich die Wettkämpfe live verfolgen lassen. Und die Jugendarbeit zu stärken ist natürlich das A und O. Die funktioniere gerade im Kreis IV, zu dem der Landkreis Günzburg, Teile des Landkreises Neu-Ulm und der Nordosten des Kreises Unterallgäu gehören, sehr gut. Im Gegensatz zu anderen Regionen gebe es hier noch einen Zuwachs. Aber im Bezirk sind nur 3000 Kegler registriert, vor 30 Jahren seien es doppelt so viele gewesen. Jeder habe weniger Zeit und viele wollten sich nicht mehr binden. Aber das Wirtshaussterben und das Verschwinden der Kegelbahnen aus den Gasthäusern sei schon das Hauptproblem, denn dadurch komme kaum noch jemand mit diesem Sport in Berührung. Beim Bowlen gebe es zwar dieselben Probleme, aber das sei medienwirksamer.

Der Geschäftsführer des Bahnenbauers Pro-Tec Kegelsport aus dem oberfränkischen Waischenfeld, Reiner Rost, bestätigt das. „Bowlen ist Show.“ Dafür müsse man mehr zahlen. Kegeln sei dann gefragt, wenn die Wirtschaft schlecht läuft und die Leute mehr aufs Geld schauen. Er ist mit seinem Geschäft ganz zufrieden, auch wenn die Preise stark gesunken seien, „aber man kann davon leben“. Vor allem, weil die Zahl der Bahnenbauer stark abgenommen habe. Und vor allem, weil im benachbarten Ausland, etwa in Niederösterreich, Kroatien oder Tschechien, Kegeln stark gefragt sei. In Deutschland gebe es ein Überangebot an Bahnen, auch im Bereich Bowlen, sodass vor allem im Osten viel abgerissen werde. Zumindest gebe es eine leichte Trendwende.

Immerhin acht von neun Kegel fallen um

Von der würde ich auch gerne sprechen. Ich bin nun wieder dran. Nachdem Robert Zahn in einem Zehner-Schub 64 Punkte erzielt hat, will ich versuchen, es ihm zumindest ansatzweise gleich zu tun. Der erste Wurf ist ziemlich gut, acht von neun Kegeln fallen um. Der zweite ist auch nicht schlecht – bloß hüpft die Kugel über die Lichtschranke. Der Wurf zählt nicht. Dann geht es ein paar mal ins Aus, bevor die letzten Versuche wieder besser sind. Am Ende komme ich auf 32 Punkte. Immerhin. Den SKC Burgau gibt es übrigens seit mehr als 30 Jahren, erzählt Walter Czech, seit Bestehen des Keglerhofs wird hier gespielt.

Es gibt 16 aktive erwachsene Spieler und sechs Jugendliche; drei Erwachsenen-Mannschaften sind gemeldet sowie eine Mädchen- und eine Jungs-Mannschaft, bei der mit zwei anderen Vereine eine Spielgemeinschaft gebildet wurde, um genug Spieler zusammenzubekommen. Aufgestellt werden immer vier Leute plus zwei als Ersatz, früher waren es sechs Spieler. Aber um angesichts weniger Vereinsmitgliedern genug Mannschaften zusammenzubekommen, wurde vor einiger Zeit das Spielsystem geändert, erklärt der Vorsitzende. Alles in allem sind sie hier noch in einer guten Situation, woanders kämpft diese Sportart gerade ums Überleben.

Vereinsabteilungen sollen sich nicht als Konkurrenz sehen

Kreissportwart Roland Ochs betont wie der Bezirksvorsitzende die Bedeutung der Jugendarbeit, um die er sich auch verstärkt kümmert. Im Alter von acht Jahren werde mit der Keglerausbildung begonnen. Wichtig dabei sei, dass die Vereinsabteilungen zusammenarbeiten, also die Fußballer nicht in Konkurrenz zu den Keglern stehen, „und zum Teil sind Fußballer auch Kegler“. Im Kreis IV sind 18 Vereine registriert, „und wenn ein Verein es will, stirbt er auch nicht“, ist Ochs überzeugt.

Wenn ich hier professionell mitspielen wollte, müsste ich auf jeden Fall ein halbes Jahr regelmäßig trainieren, sagt Walter Czech. Der 74-Jährige ist der Älteste im Verein und hat viel Erfahrung. Gerade für die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur sei der Sport sehr gut, auch wenn viele irgendwann Probleme mit den Knien hätten. Und ohne einen ordentlichen Muskelkater gehe es auch nicht, werde ich von den Spielern noch gewarnt. Wohl wahr.

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