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Fairplay-Liga

11.09.2014

Kleine Kicker entscheiden nun selbst

Viele kleine Kicker, kein Unparteiischer: So soll die Fairplay-Liga funktionieren. Einige heimische Vereinsvertreter melden Zweifel an dieser Idee an.

Bei den Bambini und F-Schülern gibt es bayernweit keine Schiedsrichter mehr. Doch was passiert, wenn sich die Minis nicht einigen können?

Ab der nun beginnenden Saison gibt es bei Fußballspielen der G- und F-Junioren keine Schiedsrichter und auch keine Tabellen mehr. Die jungen Fußballspieler sollen die Regeln selber überwachen und bei Verstößen dagegen selber entscheiden. Anlässlich einer Informationsveranstaltung im Sportzentrum Burgau informierten nun der kommissarische Kreisvorsitzende Helmut Schneider und Jugendspielleiter Jürgen Friedrich die Funktionäre der heimischen Vereine über die Fairplay-Liga in Bayern. Die anwesenden Vereinsvertreter waren nicht alle vom neuen Konzept überzeugt.

In verschiedenen Fußball-Kreisen wurde bei den G- und F-Junioren schon in der abgelaufenen Saison ohne Schiedsrichter gespielt. Im Kreis Augsburg zum Beispiel gab es dabei schon einen Spielabbruch – genau der wurde auch in Burgau diskutiert und bot einen Grund für die Skepsis der Anwesenden. Im Fußball-Kreis Augsburg forderten auch schon einige Trainer und Eltern: „Gebt den Kindern den Schiedsrichter zurück.“ Anlass für diesen Wunsch war nicht nur der beschriebene Spielabbruch, sondern auch eine befürchtete Überforderung der jungen Kicker. Viele Fouls – so die Argumentation – passieren bei den Nachwuchsspielern aus Versehen und viele dieser Regelverstöße werden von ihnen noch gar nicht erkannt. Ein weiteres Problem könnte auch die Spielfortsetzung nach einer Unterbrechung werden. Wann geht’s mit einem direkten Freistoß und wann mit einem indirekten Freistoß weiter? Wie weit muss die Mauer entfernt sein? Wann war es ein absichtliches Handspiel? Was passiert, wenn keiner der Spieler einen Regelverstoß erkennt? Was ist, wenn sich die beiden Mannschaften nicht einigen können?

Ein Beispiel: In der Regel hat nach einem Foul im Kampf um den Ball die foulende Mannschaft den Ball. Ein Teil der Spieler der gefoulten Mannschaft moniert dann „Foul“. So weit die Theorie. Aber was passiert, wenn kein Kind den Mut und die Möglichkeit hat, den Ball in die Hand zu nehmen, um das Spiel zu unterbrechen? Gewinnt in dieser Situation dann der schüchterne Spieler oder der durchsetzungsstarke?

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Kritiker der Fairplay-Liga führten diese Probleme in Burgau an. Aber es bleibt dabei, dass es in der kommenden Saison auf Kleinfeldern keine Schiedsrichter mehr geben wird. Die Fairplay-Liga wurde vom Bayerischen Fußballverband (BFV) flächendeckend eingeführt.

Der Verband nimmt dabei Spieler und Trainer in die Pflicht. Sollte es auf dem Spielfeld keine Einigung geben, sind die Erwachsenen gefordert. Sie müssen sich dann einigen.

Ein kleines Hintertürchen in Richtung Unparteiische haben sich die Regelmacher offen gehalten. Vor einem Spiel können sich die Coaches auf einen sogenannten Fairplay-Leiter einigen. Er kann im Streitfall Entscheidungen treffen. Der Fairplay-Leiter darf nicht auf dem Spielfeld stehen, sondern er agiert in einer Coaching-Zone, in der sich auch die Trainer aufhalten. In diesem Bereich am Spielfeldrand dürfen sich nur die beiden Trainer, der Fairplay-Leiter und die Auswechselspieler befinden. Zuschauer dürfen sich nur in einem sogenannten Fanbereich aufhalten. Dieser sollte sich mindestens 15 Meter von den Außenlinien entfernt befinden. Durch diesen räumlichen Abstand soll den Kindern nach Aussage des BFV „das Spiel zurückgegeben“ werden. Das Motto lautet: „Anfeuern ja – Steuern nein“.

In den Fairplay-Ligen wird es auch keine Tabellen geben. Grund dafür ist laut BFV, Rahmenbedingungen für die Jugendlichen zu schaffen, ohne Druck von außen zu spielen und so noch mehr Spaß am Fußball zu bekommen. Doch Kritiker führen an, dass auch bei Kindern der Wunsch besteht, sich zu informieren, auf welchen Tabellenplatz ihre Mannschaft denn steht.

In der Info-Broschüre werden Trainer und Eltern in die Pflicht genommen: Sie sollen selbst den Fairplay-Gedanken leben und sich als sportlich faire Partner verstehen.

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