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Vöhringen

27.11.2018

Die flotte Reporterin von Vöhringen

Ohne Block und Stift geht es nicht: Unsere Mitarbeiterin Ursula Balken berichtet seit bald fünf Jahrzehnten aus Vöhringen. Jetzt wird sie für ihr Wirken von der Stadt mit der Bürgermedaille in Silber geehrt. Mit ihrer Arbeit ist sie auch eine Botschafterin der Stadt.
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Ohne Block und Stift geht es nicht: Unsere Mitarbeiterin Ursula Balken berichtet seit bald fünf Jahrzehnten aus Vöhringen. Jetzt wird sie für ihr Wirken von der Stadt mit der Bürgermedaille in Silber geehrt. Mit ihrer Arbeit ist sie auch eine Botschafterin der Stadt.
Bild: Sammlung Balken

 Unsere Mitarbeiterin Ursula Katharina Balken bekommt die Bürgermedaille in Silber verliehen.

Meistens schätzen es Journalisten nicht so sehr, wenn sie selber zum Gegenstand der Berichterstattung werden. Sie reportieren eben gerne über andere, wie es ihr Beruf verlangt. Manchmal jedoch muss es sein, dass doch über sie geschrieben wird, auch mal ausführlich – so wie in diesem Fall: Ursula Katharina Balken, seit bald fünf Jahrzehnten Mitarbeiterin unserer Zeitung, bekommt am heutigen Dienstag die Bürgermedaille der Stadt Vöhringen in Silber verliehen. Ihrer Ansicht nach genügt es eigentlich, dieses Ereignis mit einem Bild und ein paar Zeilen Text in der Zeitung zu erwähnen. So zumindest teilte sie es uns mit. Natürlich genügt das nicht. Weshalb dieser Text ein wenig länger ausfällt, als von ihr gewünscht.

Wenn das Wort „Institution“ nicht so uncharmant altbacken und museal klingen würde, wäre es sicherlich ein passender Begriff, um Ursula Balken und ihr Wirken zu charakterisieren. Denn das ist sie tatsächlich, eine Person, die zum öffentlichen Leben seit den frühen Siebzigerjahren ebenso dazu gehört wie Pfarrer und Bürgermeister. Sie ist immer da, wo etwas passiert, wo berichtet werden muss, wo es Menschen gibt, deren Geschichte unbedingt in der Zeitung erzählt werden sollte. Die klassische Lokalreporterin eben, stets mit Block und Kamera ausgerüstet. Ursula Balken war sich für keinen Auftrag zu schade, berichtete über den Stadtrat ebenso wie über Vereine oder Kirchenkonzerte, ging ins Kulturzentrum oder zur Caritas, stiefelte über Baustellen und anderes unwegsames Gelände.

Die Feuerwehr hält Stiefel bereit - nur für Ursula Balken

Wobei das mit den Stiefeln so eine Sache war: Lange besaß sie keine, weshalb die Vöhringer Feuerwehr stets ein Paar in Reserve hielt, das mit der Aufschrift „Für die Presse, Frau Balken“ versehen war. Meist bevorzugt sie eher hochhackige Schuhe, mit denen aber auch unerschrocken auf Stühle und Tische stieg, um von oben herab besser fotografieren zu können.

Ursula Balken, geboren in Leverkusen, war mit ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann Gerd D. Balken aus dem Rheinland nach Schwaben gekommen. Er leitete lange Jahre die Redaktionen der Illertisser und der Neu-Ulmer Zeitung. Sie berichtete als freie Mitarbeiterin zunächst aus Senden, dann für Jahrzehnte aus Vöhringen.

Sie tut es immer mit viel Liebe zu den Menschen, die ihr rasch ans Herz gewachsen sind, wie sie sagt. Dazu mag ein Erlebnis aus den frühen 70er Jahren beigetragen haben. Ein junger Mann war tödlich verunglückt, wenig später starb der Vater sprichwörtlich am gebrochenen Herzen. Ursula Balken besuchte die Familie, um über ihr Schicksal zu berichten – und wurde von der Witwe eingeladen, doch erst mal eine kräftige Hühnersuppe zu essen, mit einem ordentlichen Schlegel drin. Trotz all der Trauer kümmerte sich die Frau fürsorglich auch um die Journalistin, die bei dieser schwierigen Reportage mit ihren eigenen Gefühlen zu kämpfen hatte. Das hat Ursula Balken das Herz geöffnet für die Schwaben, wie sie erzählt. Die Menschen an Iller und Donau hätten sich als längst nicht so unzugänglich erwiesen, wie sie in anderen Regionen Deutschlands gerne gesehen werden.

Keine Hemmungen vor Ministerpräsident Seehofer

In Vöhringen sind sie auch zurechtgekommen mit Ursula Balkens Selbstbewusstsein, das sie ihr „rheinisches Temperament“ nennt. Das macht auch vor dem Ministerpräsidenten nicht halt. Als Horst Seehofer 2010 zum Bezirksparteitag der CSU ins Wolfgang-Eychmüller-Haus kam, wollte die Reporterin gewohnheitsmäßig ihr Auto neben dem Kulturzentrum abstellen, wurde aber von einem eifrigen Sicherheitsmann daran gehindert, also parkte sie den Wagen etwas weiter weg, doch auch das wollte der Personenschützer nicht dulden. Ihren Unmut darüber tat sie anschließend mit kräftigen lauten Worten im Foyer des Eychmüller-Hauses kund: „Ich wähle nie wieder CSU, wenn ich noch einmal meinen Wagen wegstellen muss. Auch der Herr Seehofer kann um mein kleines Auto herumlaufen.“ Der hatte den kurzen Auftritt tatsächlich mitbekommen und sorgte dafür, dass das rote Gefährt stehen bleiben konnte.

Wer mit solch einem Temperament gesegnet ist, besitzt keinen Hang zur Hofberichterstattung. Ursula Balken hat die Geschehnisse in Vöhringen zwar immer kritisch begleitet, aber auch mit Sympathie. Sie war und ist eine ebenso entschiedene wie hartnäckige Lobbyistin dieser Stadt. Sie hat stets dafür gesorgt, dass Vöhringen den Raum in der Zeitung einnahm, den es ihrer Meinung nach verdient hatte – also möglichst viel. Insofern ist sie nicht nur eine Chronistin, sondern auch eine Botschafterin Vöhringens.

So jemanden darf man nicht mit nur wenigen dürren Zeilen beschreiben. Da müssen es auch mal ein paar mehr sein.

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