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Tiefenbach/Wallenhausen

04.06.2019

In Tiefenbach und Wallenhausen brechen die Maibaumspitzen ab

Die Spitze des Tiefenbacher Maibaums ist oberhalb des Sicherungsseils entzweigebrochen und auf die Straße gestürzt.
Bild: Wilhelm Schmid

In zwei Orten im Landkreis Neu-Ulm ist am Montagabend die Spitze des Maibaums abgebrochen. Nun stellt sich die Frage: Wie steht es um die Sicherheit bei diesem Brauch?

Es war ein kurzer Schockmoment für eine Tiefenbacher Bürgerin, die am Montagabend gerade dann aus dem Fenster blickte, als die Spitze des Maibaums plötzlich abbrach und auf den Boden krachte. Schließlich steht der Baum an einem zentralen Platz im Ort, nahe der Kirche und einer Bankfiliale. Dort sind häufig Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer unterwegs, die von der herabstürzenden Spitze hätten getroffen werden können. In diesem Fall ist zum Glück nichts passiert. Es waren keine Personen in der Nähe, auch Autos oder andere Gegenstände wurden nicht beschädigt.

In Wallenhausen war die Feuerwehr mit Drehleiter im Einsatz

Genauso haben Windböen im Weißenhorner Stadtteil Wallenhausen am Montagabend so sehr am Maibaum gerüttelt, dass die Spitze abbrach. Glücklicherweise fiel diese jedoch nicht zu Boden. Um einen Absturz zu verhindern, war die Feuerwehr mit einer Drehleiter vor Ort. Gerufen wurden die Einsatzkräfte vom Bürgermeister persönlich. Wolfgang Fendt hatte in Wallenhausen die herabhängende Spitze gesehen. Bevor er am Abend in den Bauausschuss ins Weißenhorner Rathaus ging, schaute er im Feuerwehrmagazin vorbei, um seine Beobachtungen zu schildern.

Wallenhauser Bürger nahmen in der Zwischenzeit den Maibaum in den Blick, wie Feuerwehr-Kommandant Wilhelm Schneider im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. „Das war nichts Dramatisches“, sagt er. Aus Sicherheitsgründen kappten die Feuerwehrleute die Spitze vollends und entfernten sie. „Der Mai ist rum“, sagt Schneider und ergänzt: „In den kommenden Tagen wird der Baum ohnehin abgebaut.“ Dass eine Maibaum-Spitze abbreche, komme immer wieder einmal vor.

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Wallenhausen und Tiefenbach waren in diesem Jahr nicht die ersten Fälle in der Region: Bereits Anfang Mai brach in Klosterbeuren im Landkreis Unterallgäu die Maibaumspitze ab. Auch dort ist der Vorfall glimpflich ausgegangen.

Tragisch endete ein solcher Fall vergangenes Jahr in Mittelfranken

Wie gefährlich so eine Situation aber werden kann, zeigte sich vergangenes Jahr im mittelfränkischen Treuchtlingen (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen). Eine Windböe hatte die Spitze abgerissen, die eine junge Mutter am Kopf traf. Die Frau starb noch am Unfallort.

Der Neu-Ulmer Kreisbrandrat Bernhard Schmidt erklärt, wie es dazu kommen kann, dass die Spitze eines Maibaums so unvermittelt abbricht: Wenn, wie in vielen Orten üblich, auf einen alten Stamm eine frisch gefällte Fichtenspitze aufgesetzt wird, gebe es dort, wo die Holzteile miteinander verbunden sind, eine Art Sollbruchstelle. Dass der Baum dort auseinanderreißen kann, ist also bekannt. Um zu verhindern, dass die Spitze auf den Boden kracht, werde in den meisten Fällen ein Sicherungsseil angebracht.

Während diese Sicherung in Wallenhausen gut funktioniert hatte, ist der Baumwipfel in Tiefenbach doch auf die Straße gestürzt – obwohl auch dort ein solches Seil angebracht war, wie Michael Kienast vom Bauhof Illertissen sagt. Die Spitze ist jedoch nicht als Ganzes abgebrochen, sondern wurde durch eine starke Windböe – oberhalb der Sicherung – zweigeteilt. Das Risiko, dass so etwas passiere, sei eher gering, so Kienast. Die frisch gefällten Baumspitzen brechen eigentlich nicht, weil sie nicht so trocken und daher elastischer sind.

Experten begutachten die Baumstämme

Zur Sicherheit würden in Illertissen und den Ortsteilen vor dem Aufstellen alle Bäume von Holzexperten – einem Zimmermann und einem Schreiner – begutachtet, die auch eine Klopfprobe machen, sagt Kienast. Kreisbrandrat Schmidt weist aber auch die Schwierigkeit solcher Sichtproben hin. Von außen könne niemand erkennen, ob das Holz nicht doch durch Blitzschlag, Schädlinge oder Pilze geschwächt sei. Andere probate Methoden gebe es aber schlicht nicht. Das Baumstück, das in Tiefenbach auf dem Boden landete, war ungefähr 1,20 Meter lang.

Bei der Feuerwehr in Tiefenbach, die mit Unterstützung des Bauhofs, dort für das Aufstellen des Maibaums verantwortlich ist, macht man sich bereits Gedanken, wie der Baum im kommenden Jahr eventuell noch sicherer gemacht werden könnte. Wenn der Baum abgebaut wird, soll erst einmal genau inspiziert werden, warum er gebrochen ist, sagt Kommandant Stefan Winkler. Wann es soweit ist, steht noch nicht fest. Die Tiefenbacher warten darauf, dass der Kran, der von der Stadt gestellt wird, wieder verfügbar ist. Eigentlich, so Winkler, wäre der Termin Montagvormittag gewesen. Doch da konnten sich nicht genügend Helfer der Freiwilligen Feuerwehr frei nehmen.

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