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Vöhringen/Wiesbaden

07.12.2019

Nach Giftanschlag auf Vöhringer Ehepaar: Mann soll erneut zugeschlagen haben

Ein Mann ist erneut wegen versuchten Mordes angeklagt. Er saß bereits im Gefängnis, weil er ein Vöhringer Ehepaar versucht hatte zu vergifte.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Ein Mann hatte vor 18 Jahren einem Vöhringer Ehepaar Gift ins Essen gemischt. Dafür musste er ins Gefängnis. Nun ist er wegen einem ähnlichen Fall erneut angeklagt.

Er soll einem Ehepaar Gift in die Nudelsuppe gemischt haben: Ein 49-Jähriger muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Nach monatelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Wiesbaden Anklage erhoben.

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Es handelt sich um den Mann, der vor 18 Jahren schon einmal wegen versuchten Mordes in Vöhringen zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden war. Der Fall hatte damals in der Region für großes Aufsehen gesorgt. Mehrfach soll der damals 30 Jahre alte Mann das tödliche Gift Arsen in die Speisen eines Vöhringer Ehepaars gemischt haben. Es überlebte die Anschläge wohl nur durch einen glücklichen Zufall, hieß es in dem Prozess im Oktober 2001 vor dem Landgericht in Memmingen.

Mann saß bereits jahrelang in Haft

Als Motiv für die Giftattacken wurde Eifersucht angeführt. Der Mann, der an einer psychischen Erkrankung leidet, habe sich vor den Kopf gestoßen gefühlt, weil ihm sein damaliger Arbeitskollege – das spätere Opfer – die Freundschaft aufgekündigt hatte. Zwar sagte der Angeklagte damals vor Gericht, er habe die Eheleute nicht töten wollen und es tue ihm leid. Doch der Richter attestierte dem Mann eine einzigartige, kriminelle Energie und sprach von einem „teuflischen Plan“. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine lebenslange Freiheitsstrafe, das Urteil lautete: 13 Jahre und sechs Monate Haft.

Nach Giftanschlag auf Vöhringer Ehepaar: Mann soll erneut zugeschlagen haben

Inzwischen hat der Mann seine Haftstrafe abgesessen und soll erneut zugeschlagen haben – aus ähnlichem Motiv. Diesmal traf der Giftanschlag ein Ehepaar im hessischen Rüdesheim. Wie Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt, soll der 49-Jährige homosexuell sein und sich zu seinem späteren Opfer – einem beleibten, bärtigen Mann – hingezogen gefühlt haben. Die beiden hatten sich im Tennisverein kennengelernt, dem der Angeklagte nach seiner vorzeitigen Haftentlassung im Jahr 2011 beitrat. Doch das spätere Opfer soll den 49-Jährigen zurückgewiesen haben. Daraufhin griff dieser zum Gift.

Ein Zufall brachte die Ermittler auf die Spur des 49-Jährigen

Wie Oberstaatsanwalt Kuhn erklärt, soll sich der Angeklagte im Februar dieses Jahres unbemerkt Zutritt zum Haus der Eheleute verschafft haben. Dort mischte er Blauen Eisenhut, eine der giftigsten Pflanzen Europas, in einen Topf voll mit Nudelsuppe. In vollem Bewusstsein darüber, dass dies tödliche Folgen haben könnte, wie Kuhn bemerkt. Nur durch einen glücklichen Zufall überlebte das Ehepaar den Giftanschlag. Denn sie aßen die Suppe nicht selbst, sondern gaben sie ihren Hunden zu fressen. Diese litten kurz darauf an Erbrechen und Krämpfen und wurden in eine Tierklinik eingeliefert. Dass die Symptome vom Gift in der Suppe herrührten, wurde erst im Laufe der Ermittlungen klar.

Ein Zufall führte die Kriminalbeamten auf die Spur des Mannes, der Jahre zuvor dem Vöhringer Ehepaar bereits Gift ins Essen gemischt hatte. Denn der 49-Jährige verschaffte sich nach seinem Giftanschlag im Februar dieses Jahres erneut Zugang zum Anwesen des Rüdesheimer Ehepaars. Er wollte die Überwachungskamera zerstören, doch der Versuch misslang. Anhand der Aufzeichnungen erkannte das Opfer den vermummten 49-Jährigen und verständigte die Polizei. Nur so kamen die Ermittler dem Angeklagten auf die Spur.

Im Frühjahr soll der Prozess beginnen

In seiner Wohnung seien giftige Substanzen gefunden worden. Im Rahmen der Ermittlungen wurden auch die alten Unterlagen zu dem Giftanschlag auf das Vöhringer Ehepaar angefordert. Im April dieses Jahres wurde der Mann schließlich in Rüdesheim festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Wie die Staatsanwaltschaft Wiesbaden mitteilt, sind die Ermittlungen abgeschlossen. Es wurde Anklage gegen den Mann wegen versuchten Mordes erhoben. Er habe heimtückisch, grausam und aus niedrigen Beweggründen gehandelt, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Im kommenden Frühjahr soll der Prozess gegen den 49-Jährigen beginnen.

Die Vorgeschichte in Vöhringen spielte für die Ermittler in Hessen eine große Rolle. Und möglicherweise auch bei der juristischen Aufarbeitung des mutmaßlichen Giftanschlags. Da der Mann zum zweiten Mal zuschlug, könnte eine besondere Schwere der Schuld zum Tragen kommen, erklärt Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn auf Nachfrage. Dann komme eine Haftentlassung nach 15 Jahren – wie bei lebenslang üblich – nicht infrage. Auch könnte eine Sicherungsverwahrung vor Gericht diskutiert werden. (mit caj)

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