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Landkreis Neu-Ulm

21.10.2020

Polizei gibt Tipps: So wappnen Sie sich gegen Einbrecher

Einbrecher halten Ausschau nach Fenstern, die nicht richtig verschlossen sind.
Bild: Alexander Kaya

Plus Der 25. Oktober gilt als Tag des Einbruchschutzes. Wir haben den Landkreis Neu-Ulm unter die Lupe genommen: Wie oft kommt es vor, dass Unbekannte in Wohnungen einsteigen – und was wirkt geradezu einladend auf sie?

Ein Lichtkegel durchdringt die Nacht. Ein Kratzen und Knacken, das Fenster springt auf. Schon huscht ein dunkler Schatten durchs Zimmer. Szenen wie diese, die in einen Krimi passen würde, spielen sich wohl täglich in Deutschland ab, in Wohnungen, aber auch Firmen, Kindergärten, Vereinsheimen. Im Kreis Neu-Ulm ereigneten sich 2019 mehrere Hundert Einbrüche. „Sorgen Sie vor“, rät die Polizei gerade jetzt, zu Beginn der dunklen Jahreszeit. Wie das geht.

Corona hat Einfluss auf Zahl der Einbrüche

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei im Landkreis rund 450 Einbruchsdelikte, davon etwa 85 sogenannte Wohnungseinbruchdiebstähle. Das sind jeweils etwas weniger als 2018. Für das aktuelle Jahr kann die Polizei eine Tendenz abgeben: Von Januar bis September zeigte der Trend im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr „stark nach unten“. Das hängt mit Corona zusammen: „Während des Lockdowns wurde ausgesprochen wenig eingebrochen, weil viele Menschen zu Hause blieben und reisende Tätergruppen durch die Regeln zum Infektionsschutz gehemmt waren“, berichtet Dominic Geißler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West.

Ein Brennpunkt im Landkreis Neu-Ulm ließe sich nicht ausmachen, aber: „Tendenziell wird in Ballungsräumen vermehrt eingebrochen.“ Auch die Nähe zur Autobahn spiele eine Rolle, da sich reisenden Tätergruppen so ein schneller Fluchtweg erschließt.

Die Entwicklung im Landkreis gleicht derjenigen im gesamten Zuständigkeitsgebiet des Präsidiums: Wohnungseinbruchdiebstähle sind demnach rückläufig. 2016 war mit insgesamt 503 registrierten Fällen der vorläufige Höhepunkt des Phänomens erreicht. 2019 nahmen die Beamten noch 273 Einbrüche in Privathaushalte auf. In den vergangenen vier Jahren sank deren Zahl somit um rund 45 Prozent.

Psychische Folgen oft gravierender als materielle Schäden

Trotzdem bleibe die Verhütung und Aufklärung von Wohnungseinbrüchen ein Schwerpunkt in der kriminalpolizeilichen Arbeit. „Eingriffe in den höchst persönlichen Lebensbereich der Menschen hinterlassen, nebst den Beuteschäden, oft auch tief greifende emotionale Spuren bei den Opfern“, weiß der leitende Kriminaldirektor Michael Haber. Für die Betroffenen seien die psychischen Auswirkungen oftmals viel gravierender als materielle Schäden. Das könne sogar so weit gehen, dass sich Menschen nach einem Einbruch eine neue Wohnung suchen, weil sie sich in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen.

Jetzt beginnt die "Einbruchssaison"

Erfahrungsgemäß schlagen Kriminelle im Winterhalbjahr häufiger zu: Fast die Hälfte der Wohnungseinbrüche wurden 2019 in den Monaten Oktober bis Februar gezählt, so das Präsidium. Michael Haber rät deshalb zur Prävention: „Je mehr Zeit die Täter brauchen, um in ein Haus einzudringen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es beim Versuch bleibt.“ Unterm Strich würden mehr als 40 Prozent der Einbruchsversuche scheitern. Die Polizei gibt Verhaltenstipps, für zu Hause und unterwegs, damit ungebetene Gäste nicht weit kommen:

  • Unauffällig sein. Erregen Sie kein Aufsehen, wenn Sie das Haus verlassen. Informieren Sie vertrauenswürdige Personen, dass und wie lange Sie weg sein werden.
  • Richtig absperren. Ziehen Sie die Haustür nicht nur ins Schloss, sondern sperren Sie zweifach ab. Schließen Sie auch Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Für Gartentore empfiehlt sich ein Kettenschloss. Abgesperrt werden sollten auch Autos und Fahrräder, Letztere an einem unbeweglichen Gegenstand.
  • Schlüssel sorgsam aufbewahren. Lassen Sie keine Schlüssel in Schlössern stecken. Auch Verstecke im Freien sind nicht sicher, denn Einbrecher wissen womöglich aus Erfahrung, wo sie suchen müssen. Stattdessen: Schlüssel mitnehmen oder einer Vertrauensperson geben.
  • Verunsichern. Es gibt sogenannte Klingelunterbrecherschalter. Sind sie eingeschaltet, verhindern sie das Läuten, wenn jemand die Klingel drückt. Ein Einbrecher kann dann nicht einschätzen, ob niemand zu Hause ist oder ob der Bewohner die Klingel nur nicht gehört hat.
  • Vortäuschen, zu Hause zu sein. Das geht zum Beispiel mit einem Fernseh- oder Schattensimulator. Letzterer erzeugt Schatten, die sich bewegen – als wäre jemand im Raum. Das Fake-TV wiederum erzeugt Lichteffekte. Per Zeitschaltuhr oder Smart-Home-Steuerung lässt sich in Räumen hin und wieder das Licht ein- und ausschalten. Auch elektrische Rollladen können so morgens hoch- und abends heruntergefahren werden. Es gibt aber auch analoge Möglichkeiten. Bitten Sie Nachbarn, Freunde oder Familienangehörige, den Briefkasten regelmäßig zu leeren, die Blumen zu gießen oder ab und an in Ihrer Einfahrt zu parken, während Sie verreist sind.
  • Infos zurückhalten. Leiten Sie Anrufe auf das Handy um, statt eine Abwesenheitsnotiz auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen. Bringen Sie auch keine solche Notiz an der Tür an. Wer ein Paket erwartet, kann den Nachbarn informieren. Es empfiehlt sich zudem, für den Zeitraum der Abwesenheit Lieferdienste abzubestellen. Außerdem: Niemals Kontaktdaten auf den Schlüsselanhänger und das Gepäck schreiben, mit denen man unterwegs ist.
  • Keine Aufstiegshilfen anbieten. Leitern und Gartengeräte gehören ins Haus oder in einen verschließbaren Schuppen. Auch Mülltonnen sollten nicht im Freien stehen.
  • Wertvolle Gegenstände sicher aufbewahren. Wertgegenstände wie Bargeld und Schmuck sollten in einem polizeilich empfohlenen Safe oder bei der Bank deponiert werden. Die Polizei rät auch, eine Liste zu führen und diese ebenfalls im Safe oder in der Bank aufbewahren. Für Einbrecher verführerische Dinge wie Handys oder Kameras sollten so im Haus platziert werden, dass sie von draußen nicht sichtbar sind.
  • Auf Technik setzen. Neben Achtsamkeit empfiehlt die Polizei einen „soliden Grundschutz von Fenstern und Türen“, bestenfalls ergänzt durch Meldetechnik. Aktivieren Sie, wenn vorhanden, die Alarmanlage und unterrichten Sie einen vertrauenswürdigen Nachbarn, was bei Alarm zu tun wäre.

Bei all den bedrohlich wirkenden Szenarien gibt es auch beruhigende Nachrichten zum Thema Einbrüche – dann, wenn die Polizei Täter dingfest macht. Im April beispielsweise wurden zwei Männer erwischt, nachdem sie in eine Neu-Ulmer Firma einsteigen wollten. Bei der Festnahme hielt einer sogar noch ein Brecheisen in der Hand. Zuvor war den Dienststellen in Neu-Ulm, Burgau und Günzburg aufgefallen, dass sich Einbrüche in Gewerbegebieten gehäuft hatten, den Ermittlungen zufolge begangen von ein- und denselben Tätern. Insgesamt wurden den 26- und 51-Jährigen 24 Einbrüche in Betriebe in den Kreisen Neu-Ulm und Günzburg zur Last gelegt.

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