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Illertissen

19.11.2018

Profimusiker gibt Konzert: Wenn eine Harfe ein Orchester ersetzt

Xavier de Maistre gilt weltweit als Harfenvirtuose und hat auch in der Illertisser Kollegskirche begeistert.
Bild: Regina Langhans

Xavier de Maistre spielt in Illertissen alte und neue Musik aus Spanien. Das Publikum ist begeistert.

Es bedarf einigen Aufwands, um 600 Menschen zusammenzutrommeln. Für Xavier de Maistre war das in Illertissen ein Leichtes: Er brauchte dazu nur die Saiten seiner Harfe zum Klingen zu bringen. Zum sechsten Mal innerhalb von zehn Jahren gastierte der auf internationaler Bühne bekannte Künstler in der Vöhlinstadt. Und die Besucher kamen von links und rechts der Iller zum Konzert in die Kirche des Kollegs. Zum Beispiel auch Ilse Speck mit 45 Harfenschülern aus der Musikschule Ulm.

Der Künstler hatte mit seiner Harfe vor dem Altar Platz genommen und alte wie neue Musik spanischer Komponisten zu Gehör gebracht. Sein Spiel füllte den großen Raum. Bis auf die Empore war jede einzelne Saite des Instruments zu hören, das den Tonumfang eines Klaviers beinhaltet. Wer die Augen schloss, konnte sich inmitten der Tonfülle eines Orchesters wähnen. Dabei verstand es der Harfenist virtuos, die meist für eine andere Besetzung verfassten Stücke so zu spielen, als mache sich die Harfe wie selbstverständlich den Ausdruck und Klangcharakter der ursprünglich damit betrauten Instrumente zu eigen.

Auf der Harfe erklangen feurige und orientalische Passagen

Der Konzertabend begann mit der Sonate in D-Dur für Cembalo von Mateo Pérez de Albeniez (1755 bis 1831), wofür der Meister kraftvoll die Saiten anriss. Es folgte der akzentuiert vorgetragene alte baskische Tanz „Viejo Zortzico“ von Jesús Guridi (1886 bis 1961). Sodann führte de Maistre mit dem Komponisten Isaac Albeniez (1860 bis 1909) gleich einer Reise durch Spanien dessen charakteristische Musikformen vor. Die mit den Titeln „Torre Bermeja“, „Granada“, Zaragoza“ und „Asturias“ verbundenen Vorstellungen wurden nicht enttäuscht: Auf der Harfe erklangen mal feurig-temperamentvolle, mal orientalisch anmutende Passagen.

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Dazu wusste der Künstler seine Hände virtuos einzusetzen, die Finger für große Tonumfänge weit zu spreizen oder sie zwischen eng gespannten Saiten sekundenschnell tanzen zu lassen. Mit der dem späten Barock zuzuordnenden Sonate in D-Dur für Harfe von Antonio Soler (1729 bis 1783) bot der Künstler ein einziges Mal ursprünglich für sein Instrument komponierte Musik. Beim Tanz „Andaluza“ von Enrique Granados (1867 bis 1916) klang die spanische Seele besonders durch, ebenso wie „Recuerdos de la Alhambra“ von Franzisco Tárrega (1852 bis 1909) den Flair der berühmten Stadtburg im andalusischen Granada vermitteln konnte. Anklänge an klassisches Gitarrenspiel und den Gebrauch eines Plektrums für harte Anschläge unterstützten solche Eindrücke. Mit den „Valses poéticos“ – auch von Enrice Granados – brachte der Solist acht Tänze vieler Stilrichtungen effektvoll zu Gehör. Einen mitreißenden Abschluss inszenierte Xavier de Maistre mit einem spanischen Tanz aus der Oper „La vida breve“ von Manuel de Falla (1876 bis 1946). Dabei steigerte er sich im Spiel bis zum schönen theatralischen Schluss.

Das Publikum in Illertissen war begeistert

Der Solist hatte bis auf zwei der Stücke alle selbst für sein Harfenspiel arrangiert. Dies mag dazu beigetragen haben, dass an dem Konzertabend – ausschließlich mit Harfe – keineswegs nur dessen charakteristische Klänge zu hören waren. Vielmehr schienen eine ganze Reihe von Saiteninstrumenten mitzumischen. Tonleiterserien erinnerten an perlendes Klavierspiel. Und wenn der Künstler mit der flachen Hand einen Schwall von Tönen erzeugte, hätte auch der Zitherspieler über alle Bassseiten streifen können, nur leiser. Das Publikum gab reichen Applaus und wünschte eine Autogrammstunde, die der Musiker gerne gewährte.

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