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Region
11.03.2020

Langjährige Lokalpolitiker plaudern aus dem Nähkästchen

In Sitzungssälen wie diesem in Babenhausen treffen Bürgermeister und Gemeinderäte richtungsweisende Entscheidungen für ihren Ort. Manche der engagierten Kommunalpolitiker bleiben über mehrere Jahrzehnte und Wahlperioden im Amt. Fünf davon berichten über ereignisreiche Jahre.
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In Sitzungssälen wie diesem in Babenhausen treffen Bürgermeister und Gemeinderäte richtungsweisende Entscheidungen für ihren Ort. Manche der engagierten Kommunalpolitiker bleiben über mehrere Jahrzehnte und Wahlperioden im Amt. Fünf davon berichten über ereignisreiche Jahre.
Foto: Sabrina Schatz

Einige altgediente Kommunalpolitiker treten nicht mehr an. Wir haben mit fünf gesprochen - etwa über Entscheidungen, die im Gedächtnis bleiben.

Es war eine schwere Entscheidung, heuer nicht mehr für den Stadtrat zu kandidieren, sagt Gabriele Weikmann-Kristen. Ihr geht es wie vielen altgedienten Kommunalpolitikern, die bei der Wahl am kommenden Sonntag nicht mehr antreten. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.

Martin Gleich

Martin Gleich ist seit mehr als vier Jahrzehnten Marktrat in Babenhausen – nun hört er auf. „In den 42 Jahren habe ich viele wichtige Entscheidungen mit getroffen“, erzählt er. „Eine der wichtigsten war sicherlich die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets am Schöneggweg.“ Längere Zeit sei darum gekämpft worden, als er recht neu im Marktrat war. „Wir haben letztendlich circa 400 Arbeitsplätze geschaffen“, erzählt der 72-Jährige. Heute geht es um die Erweiterung eben dieses Gewerbegebiets. Weitere Projekte, die Gleich erwähnt: der Neubau der Kläranlage, die Erweiterung der Realschule und die Ausweisung mehrerer Baugebiete im Ort. „Es ist viel passiert.“

Auch das Ehrenamt veränderte sich seiner Meinung nach. Zu Beginn habe der Marktrat nur 16 Mitglieder gehabt, er tagte nicht im heutigen Sitzungssaal, sondern ein Stockwerk tiefer, ohne Zuschauerplätze. „Man durfte rauchen. Und nach der Sitzung ist man zusammen zum Dämmerschoppen gegangen. Das waren andere Zeiten.“ Heute, so Gleichs Eindruck, sind die Meinungen unterschiedlicher, was zu mehr Diskussionen führe. Nach so vielen Jahren als Marktrat ist freilich Wehmut dabei. Aber: „Ich habe viel Zeit für Babenhausen geopfert. Jetzt sind die Jüngeren dran.“ Er freue sich, dass bei der Wahl am Sonntag einige junge Leute kandidieren. „Wir haben damals die Junge Wähler Union in Babenhausen gegründet. Ich bin stolz, dass es immer noch funktioniert.“ Langweilig wird es Martin Gleich künftig nicht werden: Er ist weiterhin Vorsitzender des TSV Babenhausen.

Erwin Lang

24 Jahre lang war Erwin Lang Mitglied des Altenstadter Marktrates. „Insgesamt war das eine ganz kurzweilige Zeit“, sagt der Filzinger. Auch wenn es neben seiner Arbeit beim Raiffeisen-Markt manchmal etwas hektisch war, pünktlich zur Sitzung zu kommen. Seit zwei Jahren ist Lang nun in Rente. Berufsbedingt habe sein Politikerherz immer für die Landwirtschaft geschlagen, erzählt er. Besonders gern denkt er an die Fraktionssitzungen der CSU zurück, die in der Backstube des damaligen Fraktionsvorsitzenden und Bäckermeisters Maximilian Merkle stattgefunden hatten. „Der Kollege Merkle war bis zu seinem tragischen Unfalltod 1999 eine Institution in Altenstadt“, sagt Lang. In guter Erinnerung bleibt auch die nun zu Ende gehende Wahlperiode, während der der Umgang im Marktrat immer wertschätzend und respektvoll war. Die „alten Haudegen“, mit denen es früher ab und zu etwas schwierigere Diskussionen gab, waren aus dem Gremium ausgeschieden.

Die Themen, die ihn als Marktrat am meisten beschäftigt hatten, waren der Schmutzwasserkanal und in den vergangenen Jahren nun die Neue Mitte in Altenstadt und die Feuerwehrhäuser in Filzingen und Illereichen. In seinem letzten Amtsjahr gelangte Lang sogar noch unverhofft ins Bürgermeisteramt. Im Juni vergangenen Jahres wurde im Marktrat beschlossen, zwei weitere Stellvertreter für Bürgermeister Wolfgang Höß zu benennen: Für das knappe Jahr bis zur Kommunalwahl einigte man sich darauf, dass das die beiden ältesten Gremiumsmitglieder übernehmen sollen. Lang wurde so Vierter Bürgermeister der Marktgemeinde.

Werner Weiss

Mit Stolz blickt Werner Weiss (Weißenhorner Überparteiliche Wähler) auf seine Amtszeit als Stadtrat zurück, die nun nach 36 Jahren zu Ende geht. Die Fuggerstadt habe sich in der Zeit außerordentlich gut entwickelt und er sei froh, als Kommunalpolitiker einen Teil dazu beigetragen zu haben, sagt der 71-Jährige.

Er kann sich noch gut an das große Diskussionsthema erinnern, als er 1984 in den Stadtrat kam: die Gestaltung des Kirchplatzes und des Brunnens. Ein Künstler habe einen schönen Entwurf für ein Nachfolgemodell des früheren gusseisernen Brunnens vorlegt, erzählt Weiss. Doch die Mehrheit entschied sich anders. Rückblickend spricht der derzeit noch dienstälteste Stadtrat von einer Fehlentscheidung: „Dieses Röhrengestell heute passt nicht zu dem Platz.“ Trotz dieser und anderer kontroverser Diskussionen im Gremium bilanziert Weiss, der nur noch für den Kreistag kandidiert: „Es war eine sehr schöne Zeit, ich habe es sehr gerne gemacht.“

Josef Walz

Josef Walz ist seit 30 Jahren Bürgermeister in Pfaffenhofen. Doch Ende April wird er sich im Rathaus verabschieden und den Bürgermeistersessel einem Nachfolger überlassen. Er blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf seine Amtszeit zurück: „In den vergangenen 30 Jahren hat sich viel getan und auch einiges verändert. „Als ich angefangen habe, musste noch viel in der Infrastruktur gemacht werden“, sagt Walz. Weitere Themen, die ihn und den Marktgemeinderat lange beschäftigt haben, waren die städtebauliche Entwicklung und die Ortskernsanierung. Bei den meisten Themen waren sich die Räte nicht einig: „Es gab immer wieder einzelne, die gegen die Beschlüsse waren, aber solange die Diskussion sachlich verlief, hatte ich kein Problem damit“, meint der Bürgermeister. Er habe seine Arbeit mit viel Herzblut gemacht und einiges in der Gemeinde voranbringen können. Doch so manche Sitzungen wird er nicht vermissen.

Gabriele Weikmann-Kristen beim Neujahrsempfang mit drittem Bürgermeister Wolfgang Ostermann (links) und Bürgermeister Jürgen Eisen (rechts).

Gabriele Weikmann-Kristen fällt es schwer, sich aus dem Illertisser Stadtrat zu verabschieden. Den Ausschlag dazu gab letztlich ihre Familie: Die Unternehmerin aus Au will künftig mehr Zeit für ihre Enkel, ein und drei Jahre alt, haben. 24 Jahre lang war Weikmann-Kristen nun Stadträtin, zwölf davon auch stellvertretende Bürgermeisterin. „Irgendwann muss man den Absprung schaffen“, sagt sie. Obwohl ihr die politische Arbeit immer viel Spaß gemacht hat: „Das liegt mir einfach im Blut. Mein Vater war ja auch schon Bürgermeister.“ Besonders die Termine, bei denen sie mit den Leuten zusammenkam, hätten ihr viel Freude bereitet, seien es Vereinsversammlungen oder die Gratulationsbesuche bei runden Geburtstagen oder hohen Ehejubiläen. Als stellvertretende Bürgermeisterin durfte sie Paare auch standesamtlich trauen: „Das ist auch etwas, das ich sicher sehr vermissen werde. Am 20. April ist meine letzte Trauung.“

Das Thema, für das Weikmann-Kristen während ihrer gesamten Amtszeit brannte, war die Kinderbetreuung. Deswegen sei sie damals überhaupt in die Politik gegangen. Schlimm hingegen sei für sie die Zeit gewesen, als in Au über das Thema Stromleitungen hitzig debattiert wurde. Dass ihr Heimatdorf so gespalten war, habe ihr sehr weh getan, sagt Weikmann-Kristen. Auch wenn sie nun aufhört: Das politische Geschehen in der Stadt will sie weiterhin fest im Blick behalten.

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