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Kirchberg an der Iller

03.08.2020

Suchaktion am Sinninger Badesee: Einsatzkräfte fuhren bis zu 60 Kilometer

Bei der Suchaktion im Sinninger Badesee in der Nacht zum Samstag waren auch Einsatzkräfte der Feuerwehr Ummendorf im Einsatz – 25 Kilometer von Kirchberg entfernt.
Bild: Wilhelm Schmid

Plus Zur Suchaktion nach einem vermeintlichen Badeunfall wurden Helfer aus weiter Entfernung nach Kirchberg gerufen. Warum hat man nicht nähere Standorte alarmiert?

Die Suche nach einem möglicherweise in Not geratenen Schwimmer im Sinninger Badesee hat in der Nacht zum Samstag zahlreiche Einsatzkräfte beschäftigt. Für Erstaunen hat in der Region allerdings der Umstand gesorgt, dass die Helfer aus bis zu 60 Kilometer Entfernung nach Kirchberg an der Iller anrückten – die deutlich näher liegenden Dienststellen in Altenstadt oder Illertissen aber gar nicht alarmiert wurden.

Auch auf der Facebook-Seite unserer Zeitung hatten Nutzer ihrer Verwunderung Ausdruck verliehen. „Hätte es da nicht Rettungskräfte gegeben, die einen kürzeren Anfahrtsweg gehabt hätten?“ haben uns Nutzer gefragt. Wir sind dieser Frage nachgegangen – und haben erstaunliche Antworten erhalten.

Bei einem Brand oder schweren Verkehrsunfall kommt die Feuerwehr, und bei einem Badeunfall rücken Wasserwacht oder DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) aus. Um diese zu alarmieren, gibt es die Notrufnummer 112, die jedes Kind schon im Kindergarten lernt. Auch die Polizei ist im Notfall schnell vor Ort. Dafür sind in allen Bundesländern Hilfsfristen vorgeschrieben. Darin ist genau festgelegt, wie viel Zeit vom Eingang eines Notrufs in der Integrierten Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte an der Brand- oder Unfallstelle vergehen darf. Diese Zeiten liegen zwischen zehn und fünfzehn Minuten.

Einsatzkräfte fuhren 25, 50 und sogar 60 Kilometer bis Kirchberg

Die meisten Helfer, die Freitagnacht zum Sinninger Badesee ausrückten, dürften aber deutlich länger gebraucht haben: Tauchergruppen aus dem DLRG-Bezirk Federsee kamen aus Ummendorf mit einem Anfahrtsweg von mehr als 25 Kilometern, aus Bad Buchau mit knapp 50 Kilometern und sogar aus Ertingen mit mehr als 60 Kilometern. Sie wurden mit Mannschaftswagen der dortigen Feuerwehren nach Sinningen gebracht. So dauerte es natürlich entsprechend lange, bis die Helfer am Badesee vor Ort waren und mit der Arbeit beginnen konnten. Die Taucher suchten, geführt von Booten und auch unter Einsatz von Sonargeräten, nach der vermeintlich vermissten Person.

Das sei auch tatsächlich planmäßig so vorgesehen, wie die zuständige Integrierte Leitstelle Biberach auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt. Diese Einheiten sind in der „Alarm- und Ausrückeordnung“ des Landkreises Biberach so eingeplant. Wesentlich näher liegende Einsatzkräfte – wie zum Beispiel die Wasserwacht aus Illertissen mit nur knapp zehn Kilometern Anfahrtsweg – kämen laut Leitstelle, erst zum Einsatz, wenn sie ausdrücklich angefordert würden. Zuerst, so hieß es weiter, werden die einheimischen Feuerwehren des Landkreises alarmiert, die den Ersteinsatz bis zum Eintreffen der Tauchergruppen abarbeiten müssten.

Helfer gingen von einem Badeunfall mit tödlichem Ausgang aus

Zwar sei die Suchaktion am Samstag kein akuter Rettungseinsatz gewesen. Angesichts der herrenlosen Luftmatratze und anderer gefundener persönlicher Gegenstände am See war man eher davon ausgegangen, dass sich ein Badeunfall mit tödlichem Ausgang ereignet haben könnte. Aber auch im Fall eines möglichen Rettungseinsatzes werde so verfahren, wurde ausdrücklich bestätigt.

Feuerwehrleute aus dem benachbarten Alb-Donau-Kreis und dem Landkreis Neu-Ulm berichten, dass nicht nur bei der Wasserrettung, sondern auch bei Bränden der Landkreis Biberach praktisch eine eigene Welt darstelle. Es habe schon Brandfälle gegeben, beispielsweise in Hörenhausen, wo die Wehren aus Dietenheim und Illertissen trotz ihrer kurzen Wege nicht eingesetzt wurden. Dafür wurden aber Einsatzkräfte aus wesentlich größerer Entfernung, dafür aus dem eigenen Landkreis Biberach, alarmiert.

Anderswo klappt die grenzübergreifende Zusammenarbeit

Im Gegensatz dazu arbeiten die Wehren der beiden Landkreise Alb-Donau und Neu-Ulm bestens über die Landesgrenze zusammen, sowohl, was Einsätze als auch Übungen betrifft. Hier gibt es diverse interkommunale Vereinbarungen, beispielsweise auch für Einsätze auf der Autobahn A7. Diese Zusammenarbeit wird von den Innenministerien in Stuttgart und München als vorbildlich bezeichnet.

Der Landkreis Biberach dagegen legt Wert darauf, dass sein Kreisfeuerlöschverband vorrangig mit eigenen Kräften arbeitet. Von der Feuerwehrführung aus Biberach war dazu am Montag keine Stellungnahme zu erhalten. Deswegen gibt es bislang auch keine Antwort auf die Frage, warum als Ablösung für die Kräfte aus Baden-Württemberg im Morgengrauen des Samstag mit der DLRG aus Memmingen sowie die BRK-Wasserwacht aus Mindelheim dann doch noch bayerische Kräfte an die Einsatzstelle in Baden-Württemberg gerufen wurden.

Weiterhin unbeantwortet ist außerdem die Frage, wer denn nun die Gegenstände am See liegen gelassen hat. Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass sie von einem Badegast vergessen wurden. Gefunden haben die Taucher in dem See niemanden.

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