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Osterberg

04.12.2020

Warum ist Osterberg als einziger Ort im Kreis Neu-Ulm noch coronafrei?

Der kleine Ort Osterberg kann mit einer Besonderheit aufwarten: Er ist die einzige Kommune im Landkreis Neu-Ulm, in der sich nach Angaben des Landratsamts noch niemand nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt hat.
Bild: Regina Langhans

Plus Seit Beginn der Pandemie wurde in Osterberg im Landkreis Neu-Ulm von den Behörden noch keine Corona-Infektion gemeldet. Da staunt sogar eine Ärztin.

Nichts los in Osterberg? Mitten in der Pandemie macht die kleine Gemeinde im Süden des Landkreises Neu-Ulm genau mit diesem Punkt von sich reden. Den offiziellen Zahlen aus dem Landratsamt zufolge ist das Dorf mit gut 900 Einwohnern die einzige Kommune im Kreis Neu-Ulm, in der es seit Beginn der Pandemie noch keinen bestätigten Corona-Fall gab. Zwar hatten um die 20 Osterberger Kontakt zu Corona-Erkrankten, doch kein Bewohner des Ortes wurde nach Angaben der Behörden bislang positiv getestet.

Woran liegt das? Sind die Osterberger von so guter Gesundheit? Oder gar immun gegen das Virus? Martin Werner, der Bürgermeister der zweitkleinsten Kommune im Landkreis, kann beim besten Willen keine Erklärung liefern, nur Erklärungsansätze. „In erster Linie wird es an der Lage liegen“, sagt er. Osterberg und der dazugehörige Ortsteil Weiler befinden sich bekanntlich auf dem Land, große Firmen und andere Einrichtungen mit vielen Menschen gibt es nicht, wohl aber eine Schule. Dort treffen sich täglich immerhin 37 Kinder aus Osterberg und Weiler, plus Lehrer.

Die Größe von Osterberg ist kein entscheidender Faktor

Die Grundschule Osterberg ist eine Zweigstelle der Grundschule Altenstadt. Schulleiter Markus Reiter betont, dass nichts anderes gemacht werde als an anderen Schulen. „Wir halten uns an den Hygieneplan“, sagt er. Möglicherweise sei es an einer kleineren Schule einfacher, Abstände einzuhalten, beispielsweise auf dem Pausenhof. „Vielleicht können sich die Schüler hier besser aus dem Weg gehen.“

Die Größe des Ortes ist wohl nicht der entscheidende Faktor. Im benachbarten Oberroth, das Mitte 2020 gerade mal 29 Einwohner mehr als Osterberg hatte, gab es bislang mehr als zehn bestätigte Corona-Fälle. Markus Reiter geht auch nicht davon aus, dass die coronafreie Schule ausschlaggebend ist. Andere Faktoren seien maßgeblich dafür, dass das Virus den Ort noch nicht erreicht hat.

Bürgermeister Martin Werner lobt in dem Zusammenhang die ganze Bevölkerung: Die Bürger halten sich offenbar erfolgreich an die Vorgaben zur Eindämmung der Pandemie. „Wenn man die gesetzlichen Regelungen einhält, dann kann das ja nicht so falsch sein“, sagt der Rathauschef. Schmunzelnd schiebt er nach: „In Osterberg hat man ja nicht viele Möglichkeiten. Und die Häuser stehen so weit auseinander, dass man den Abstand einhält, selbst wenn man mit dem Nachbarn spricht.“ Dann wird Werner wieder ernst. „Wir haben wahrscheinlich einfach nur Glück gehabt“, sagt er.

Die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sitzen hinter Panzerglas

Eine Besonderheit fällt dem Bürgermeister dann doch ein: die Gemeindeverwaltung im ehemaligen Raiffeisen-Gebäude. „Wir haben noch überall Panzerglas“, sagt Werner. Das sei nicht schön, aber coronakonform. „Die Scheiben sind nicht nur schusssicher, sondern bieten auch einen Spuckschutz.“ So könne das Rathaus nach wie vor für Besucherverkehr geöffnet bleiben, ergänzt Werner und verabschiedet sich mit „bleiben Sie gesund“.

Stichwort Gesundheit: Eine Hausarzt-Praxis gibt es in Osterberg nicht. Wenn die Bürger zum Arzt gehen, dann nach Altenstadt oder Babenhausen. Die Allgemein- und Palliativärztin Jutta Rothmund betreut in ihrer Praxis im Fuggermarkt Patienten aus Osterberg. Sie hat sich auch schon gewundert, warum Osterberg coronafrei ist. Eine wirkliche Erklärung dafür hat auch die Medizinerin nicht. „Es ist einfach ein kleiner Ort“, sagt sie. Dass die Osterberger durchaus von guter Gesundheit sind, kann Rothmund bestätigen. „Es gibt dort einen sehr aktiven Sportverein.“ Doch Fitness allein schützt nicht vor Corona. Bekanntlich haben sich auch schon erfolgreiche Profisportler mit dem Virus infiziert. Was auch immer das Erfolgsrezept in Osterberg ist: Die Bürger hoffen, dass seine Wirkung nicht nachlässt.

Nach der ersten Veröffentlichung dieses Artikels auf unserer Internetseite meldete sich jedoch ein Leser per E-Mail und stellte die Lage ganz anders dar. Der Mann teilte unserer Redaktion mit, dass seine Bekannte in Osterberg vor einigen Wochen vom Gesundheitsamt positiv getestet worden sei. „Die ganze Familie war in Quarantäne“, schreibt er.

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