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Illertissen

16.04.2019

Was tun in einem medizinischen Notfall in Illertissen?

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Was tun bei einem medizinischen Notfall in Illertissen? Diese Frage stellen sich in diesen Tagen zahlreiche Bürger. Im Hintergrund stehen die Debatten um die finanzielle Misere der drei Kreiskliniken.
Bild: A. Kaya

Die Debatte um das Defizit der Kreiskliniken scheint viele Bürger zu verunsichern. Deshalb informierte die Illertalklink über ihre Angebote - der Andrang war riesig.

Was tun bei einem medizinischen Notfall in Illertissen? Diese Frage stellen sich in diesen Tagen zahlreiche Bürger. Im Hintergrund stehen die Debatten um die finanzielle Misere der drei Kreiskliniken. Viel wird über die Defizite und die strategische Neuausrichtungen gesprochen. Offenbar so viel, dass die Bürger verunsichert sind: Was wird an der Illertalklinik überhaupt noch angeboten, fragen sie sich. Manche wollten gar gehört haben, das Krankenhaus müsse schließen. Oder sind sich nicht mal sicher, ob es noch in Betrieb ist. Das ist es - und es hat viel zu bieten: Auch abseits von Schmerztherapie und Altersmedizin, auf die sich das Krankenhaus spezialisiert hat. Darum ging es am Montag bei einem Infoabend in der Schranne.

Chirurg, Internist, Altersmediziner, Gynäkologin und Schmerztherapeut stellten die Abteilungen und Angebote der Illertalklinik vor. Und welche Krankheiten dort untersucht und behandelt werden. Das Interesse war groß. So groß, dass die Stühle in der Schranne für die zahlreichen Besucher zunächst gar nicht ausreichten.

Schließlich waren es rund 150 Menschen, die sich über die medizinische Versorgungsmöglichkeiten an der Illertalklinik informierten. Ihr Interesse galt auch den Notfällen. Das Fazit: Schnittwunden, Schul- dun Sportunfälle, kleinere Brüche oder Störungen des Herz-Kreislauf-Systems sind an der Illertisser Klinik gut aufgehoben - es gibt auch Röntgenapparate und ein Labor. Schwere oder gar lebensbedrohliche Verletzungen sind es allerdings nicht. Bei gravierenden Fällen steuerten Rettungsdienste ohnehin das Weißenhorner Krankenhaus an. An dieser Verfahrensweise habe sich nichts geändert, betonten die Mediziner. Auch nicht dadurch, dass die Illertalklinik seit Januar nicht mehr offiziell als "Notaufnahme" geführt wird. "Wir versorgen weiter Notfälle", sagte Klinikdirektor Marc Engelhard. Zumindest im Rahmen der Möglichkeiten vor Ort.

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Die Illertalklinik beteiligt sich am Dienstag, 5. Juni, am bundesweiten „Aktionstag gegen den Schmerz“: Die ambulante Station (im Bild) gibt Einblicke in ihre Arbeit.
Bild: Alexander Kaya (Archiv)

Und die sind auch ohne einen OP-Saal und Intensivstation beachtlich: Chirurg Dietmar Häußler zählte auf - beispielsweise könnten Wunden versorgt, akute Schmerzen und Freizeitunfälle behandelt, Spritzen in Gelenke verabreicht, kleinere Abszesse entfernt oder eingewachsene Zehennägel behandelt werden. Der Arzt ermutigte die Zuhörer, mit derartigen Beschwerden in das sogenannte Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) an die Illertalklinik nach Illertissen zu kommen. Dieses biete Vorteile gegenüber großen Häusern, wo man (anders als in Illertissen) auf Assistenzärzte treffen könne und stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen müsse. Häußler warb: "Für kleinere Dinge muss man nicht nach Memmingen oder Ulm, bei uns sind Sie schnell drin und wieder draußen." Geöffnet ist das MVZ montags, dienstags und donnerstags von 8 bis 12 und von 13 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr.

Wie es nach dem Aus der Geburtenstation weiter geht

Auch wenn in Illertissen seit dem Aus der Geburtenstation keine Babys mehr zur Welt kommen können - Vorsorge, Betreuung und begleitende Untersuchungen wie Ultraschall werden weiterhin angeboten (als MVZ Donau - Iller - Günz). Gynäkologin Susanne Dotterweich sieht es als ihre Aufgabe, Frauen medizinisch durch "alle Phasen des Lebens zu begleiten". Themen seien etwa Verhütung, Krebsvorsorge, Wechseljahrbeschwerden und unerfüllte Kinderwünsche.

Was die Innere Medizin in Illertissen leistet

Auch auf Herz und Nieren kann man sich an der Illertalklink untersuchen lassen - gleiches gilt für Leber, Galle, Darm und Bachspeicheldrüse: In der Abteilung für Innere Medizin stehen 41 Betten zur Verfügung, geleitet wird sie von Chefarzt Michael Glück. Fünf Patienten würden im Schnitt pro Tag aufgenommen und versorgt. Zu den häufigsten Diagnosen gehörten Störungen im Herz-Kreislauf-System mit Bluthochdruck, Schmerzen in Brust und Magen, Blutungen oder Entzündungen. Akute Herzprobleme würden dagegen an das Herzkatheter-Zentrum nach Weißenhorn verwiesen, so Glück. Patienten mit Schlaganfällen kämen an große Kliniken mit sogenannten "Stroke-Units" wie Memmingen oder Ulm.

Zur Entbindung sollen Frauen wieder nach Schwabmünchen gehen, fordert eine Bürgerinitiative.
Bild: Alexander Kaya

Die Gesellschaft werde immer älter - weshalb die Altersmedizin viel zu tun hat, stellte Internist und Geriatrie-Arzt Steffen Breitweg fest. In Illertissen würden zu 90 Prozent Erkrankungen des Bewegungsapparats behandelt, dazu gehören Brüche nach Stürzen. Bei der Rehabilitation seien die Patienten gefordert: "Sie müssen schon ein bis zwei Schweißtropfen vergießen", so Breitweg. Die Mühe lohne sich meist: Ein Großteil könne danach wieder "glücklich und zufrieden" nach Hause. Das Einzugsgebiet der geriatrischen Station mit 49 Betten reiche von Ulm bis Memmingen. Ob sie für Patienten in Frage kommt, prüfe zuvor die Krankenkasse. Die stationäre Behandlung dauere in der Regel drei Wochen.

Wenn Schmerzen zur Krankheit werden

Wenn Schmerzen so stark sind, dass sie selbst zur Krankheit werden - dann bieten Gerhard Hege-Scheuring, Facharzt für Schmerztherapie, und sein Team Hilfe an. Mit Medikamenten und viel Bewegung, aber auch mit Gesprächen. Es sei wichtig, sich geistig mit der eigenen Krankheit auseinanderzusetzen, sagt Hege-Scheuring. Durch diese "multimodale Therapie" ließen sich moderate Veränderungen bewirken und die Lebensqualität der Betroffenen steigern. Eine Behandlung dauere für gewöhnlich vier Wochen. In Illertissen hätten Patienten die Chance "schnell dranzukommen", so der Mediziner. Andernorts seien Wartezeiten von sechs Monaten oder gar einem Jahr keine Seltenheit.

Mitarbeiter der Kliniken leiden unter Debatte

Die Diskussion um die Finanzen der Kliniken machte den Mitarbeitern zu schaffen, betonte Stiftungsdirektor Engelhard. Sie leisteten vor Ort jedoch gute Arbeit. Das lasse sich durch Umfragen belegen, wonach die Patienten nahezu vollständig mit ihrer Behandlung und dem Service zufrieden seien. Zur Zukunft der Illertalklink sagte Engelhard auf Nachfrage: "Wir stehen zum Standort Illertissen." Gleichwohl sei es Ziel, die Stiftung zukunftssicher aufzustellen. Die Standorte Illertissen und Weißenhorn sollen zu einem Haus werden, möglicherweise durch einen Neubau. Dazu sagte Bürgermeister Jürgen Eisen: "Bis das neue Haus gebaut ist, müssen die drei Standorte erhalten werden." Er appellierte an Engelhard, die Sprechzeiten der Illertisser Chirurgie auf fünf ganze Tage pro Woche (bisher sind es drei ganze und zwei halbe) zu erweitern. "Bitte arbeiten sie daran."

Über die Illertalklinik wurde zuletzt viel debattiert - einen Überblick finde Sie hier:

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