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Weißenhorn

27.06.2017

Züchterin streitet mit Tierheim um Hund

Das Tierheim Weißenhorn hat eine Hündin der Rasse „italienisches Windspiel“, wie hier auf dem Foto zu sehen, aufgenommen. Das Tier kommt aus der Ukraine.
Bild: Jens Büttner, dpa (Symbolbild)

Eine Frau aus Nordrhein-Westfalen hat einen Welpen in der Ukraine gekauft. Der Zoll stoppte den Transport. Das Tier kam nach Weißenhorn - wo es vorerst bleiben soll.

Es sollte der letzte Hund sein, den sich Sabina Holthoff anschaffen wollte. Ein Windhund der Rasse „italienisches Windspiel“. Fündig wurde die Züchterin aus Nordrhein-Westfalen in der Ukraine. Mit einer Frau vor Ort wickelte sie den Kauf ab und freute sich schon auf den jungen Hund. Doch mit der Entscheidung ihrer Vertragspartnerin, den Welpen zusammen mit sieben anderen mit einem Transporteur auf die Reise nach Deutschland zu schicken, begann der Ärger. Obwohl der Kauf schon im Dezember erfolgte, ist das Tier bis heute nicht bei Holthoff angekommen. Es lebt seit Monaten im Weißenhorner Tierheim.

Am 18. Februar hat der deutsche Zoll im Berchtesgadener Land den Transport gestoppt. Die Tiere hatten nicht die erforderliche Tollwutschutzimpfung – und mussten erst einmal 120 Tage in Quarantäne. So fordert es das Seuchenschutzgesetz. Über den Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbundes wurden die jungen Hunde nach Weißenhorn vermittelt. Züchterin Holthoff bestreitet nicht, dass der Transport illegal war und die Behörden in dem Fall richtig gehandelt haben. Was sie jedoch ärgert ist, dass das Tierheim ihr nun den Hund nicht herausgeben will – obwohl die Quarantänezeit am Montag vor einer Woche abgelaufen ist und ein Amtstierarzt bestätigt hat, dass das Tier gesund ist. „Ich habe Strafanzeige gestellt“, erzählt Holthoff. „Ich werde um meinen Hund kämpfen.“

Viele Mal hat die Züchterin nach eigenen Angaben mit dem Weißenhorner Tierheim Kontakt aufgenommen, nachdem sie erfahren hatte, dass die Windhündin dort gelandet ist. Decken und Futter habe sie per Post geschickt, zudem der Einrichtung eine großzügige Spende angeboten. Doch sehen durfte sie den Hund nicht, wie sie sagt. Zuerst sei auf die Quarantäne verwiesen worden. Nachdem die abgelaufen war, habe es plötzlich geheißen, dass Hunde nicht an Züchter herausgegeben werden. „Die Züchter sind aber nicht alle schlecht und kriminell“, sagt die Frau aus Nordrhein-Westfalen. Sie hat sogar Weißenhorns Bürgermeister Wolfgang Fendt eingeschaltet, um in dem Streit zu vermitteln. Ohne Erfolg.

Holthoff behauptet, den notwendigen Eigentumsnachweis für den Hund erbracht zu haben. Dem widerspricht Ute Prestele, Leiterin des Tierheims und Vorsitzende des Tierschutzvereins Weißenhorn, jedoch vehement. „In den Akten ist ein Mann als Eigentümer vermerkt“, sagt sie. Von dem liege allerdings eine Verzichterklärung vor. Somit sei die Hündin, Prestele nennt sie Diana, jetzt offiziell im Besitz des Tierheims und könnte vermittelt werden. Doch im Hinblick auf den Streit will die Leiterin das Tier vorerst nicht an Interessenten herausgeben. „Wir warten ab, bis die Sache geklärt ist“, sagt Prestele. Sie betont im Übrigen auch, dass ihre Einrichtung die Anweisungen des Neu-Ulmer Veterinärsamt befolgt habe. Die Behörde hat die Quarantäne angeordnet und überwacht.

Eigentlich waren die beschlagnahmten Hunde noch zu jung, um geimpft zu werden. Dementsprechend hätten sie auch gar nicht auf die Reise nach Deutschland gehen dürfen. Darauf weist Sybille Herzog vom Veterinärdienst im Landratsamt hin. „Ein Hund muss mindestens zwölf Wochen alt sein, damit er impffähig ist“, sagt sie.

Immer wieder werden illegale Welpentransporte an der deutschen Grenze gestoppt – weil Impfungen oder Unterlagen fehlen oder Papiere gar gefälscht sind. Der Landesverband Bayern des Tierschutzbundes listet auf seiner Internetseite mehr als 20 Fälle aus diesem Jahr auf. Ein Kauf von Hunden im EU-Ausland sei inzwischen üblich, weil sie dort billiger sind, sagt Ute Prestele. Wenn man Menschen wie die Züchterin aus Nordrhein-Westfalen nicht hätte, fügt sie hinzu, dann gäbe es das Problem mit den illegalen Welpentransporten nicht.

Weil sich sowohl die Leiterin des Tierheims als auch Sabina Holthoff jeweils im Recht sehen, wird nun wohl ein Gericht klären müssen, wie es mit der Windhündin weitergeht. Sie und die anderen Hunde aus dem Transporter seien jedenfalls wohlauf, sagt Prestele. Einer sei inzwischen von seiner rechtmäßigen Besitzerin abgeholt worden, einen anderen habe das Tierheim schon vermittelt.

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