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Leipheim/Bubesheim

13.06.2017

Antrag für Gaskraftwerk auf altem Fliegerhorst

So soll das Gaskraftwerk in Leipheim einmal aussehen – sofern es denn überhaupt gebaut wird.
Bild: Siemens

Die Bundesnetzagentur hat einen Bedarf an Netzstabilisierungsanlagen festgestellt. Was das für das Vorhaben in Leipheim/Bubesheim bedeutet – und für weitere Projekte in der Region.

Die Gaskraftwerk Leipheim GmbH & Co. KG hat bei der Regierung von Schwaben die Genehmigung für den Bau und den Betrieb des geplanten Gasturbinenkraftwerks auf dem Areal Pro im Bereich Leipheim und Bubesheim beantragt. Darauf ist jetzt mit öffentlichen Bekanntmachungen hingewiesen worden. Das bedeutet allerdings mitnichten, dass bereits feststeht, dass überhaupt an dem Standort gebaut wird.

Zwar hat die Bundesnetzagentur einen grundsätzlichen Bedarf für Netzstabilisierungsanlagen mit einer Leistung von 1,2 Gigawatt in Süddeutschland festgestellt – lange wurde übrigens von Reservekraftwerken gesprochen und die Übertragungsnetzbetreiber hatten eine höhere Vorhaltung für sinnvoll erachtet. Aber Standorte wurden jetzt noch nicht festgelegt. Generell gelten Orte in der Nähe von Netzknoten als geeignet. Ein Sprecher der Behörde erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass auch eine Stellungnahme der EU abgewartet werden müsse und viele Details zu klären seien, bevor über konkrete Standorte gesprochen werden könne.

Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm, die zusammen mit Siemens das Projekt in Leipheim/Bubesheim planen, betonen, dass es sich bei dem Antrag an die Regierung von Schwaben noch um keinen konkreten Bauantrag handele. Vielmehr, so sagt der Pressesprecher Bernd Jünke, soll jetzt nur geklärt werden, ob das Vorhaben grundsätzlich genehmigungsfähig ist. Man wolle dafür bereit sein, sollte festgestellt werden, dass eben das Areal Pro der Standort für eine Netzstabilisierungsanlage wird. Bauen und betreiben würden das Kraftwerk auch nicht die Stadtwerke, sondern der Übertragungsnetzbetreiber. Der werde wohl auch festlegen, wo konkret eine Anlage hinkommen wird.

Noch ist vieles zu klären

Auch die Regierung von Schwaben betont, dass ein gestellter Antrag an sich nicht bedeute, dass gebaut wird – und der für die Region zuständige Übertragungsnetzbetreiber Amprion erklärt, dass noch gar nichts festgelegt werden kann. Erst einmal müssten die eigenen Berechnungen an die Vorgaben der Bundesnetzagentur angepasst werden. „Von einer Standortentscheidung sind wir noch sehr weit entfernt“, sagt Sprecherin Nancy Kluth. Ein Zeithorizont für Entscheidungen lasse sich noch nicht eingrenzen, und bislang handele es sich bei allem auch nur um Planspiele. Generell sei wichtig, dass die Anlagen wirklich nur zur Reserve dienen werden und kein zusätzlicher Stromproduzent seien. Ob die Übertragungsnetzbetreiber tatsächlich für den Bau und Betrieb einer Netzstabilisierungsanlage verantwortlich sein werden, lasse sich auch noch nicht sagen.

In dem, was nun in den öffentlichen Bekanntmachungen veröffentlicht wurde, steht, dass unmittelbar nach der erteilten Genehmigung mit dem Bau begonnen werden soll. Das Kraftwerk auf dem ehemaligen Fliegerhorst beziehungsweise heutigen Areal Pro würde dann voraussichtlich im Jahr 2019 in Betrieb genommen. Das Vorhaben umfasst demnach zwei Blöcke mit je einer Gasturbinenanlage – die elektrische Nettoleistung liegt bei jeweils maximal 337 Megawatt, die Feuerungswärmeleistung bei maximal 869 Megawatt.

Zudem ist ein jeweils 60 Meter hoher, freistehender Schornstein vorgesehen. Die weiteren Anlagen umfassen unter anderem zwei 16 Meter hohe Heizöllagertanks mit einem Volumen von je knapp 10000 Kubikmetern, zwei Erdgasvorwärmer mit 20 Meter hohen Schornsteinen, eine direkte Stromableitung über Maschinentransformatoren oder eine Hochspannungs-Freiluftschaltanlage, eine Wasserversorgungs- und Aufbereitungsanlage inklusive Tanks für Betriebs- und Löschwasser mit je 9000 Kubikmetern und 16 Meter Höhe, Notstromanlagen und weitere Gebäude. Eingesetzt wird vor allem Erdgas zur Stromerzeugung, als Alternative ist Heizöl vorgesehen. Während die Versorgung mit Gas über einen noch separat zu genehmigenden Anschluss an das überörtliche Netz gesichert werden soll, ist geplant, das Öl mit Tankwagen auf das Gelände anliefern zu lassen. Das Projekt bedarf unter anderem auch noch einer Lärm- und Umweltverträglichkeitsprüfung.

Auch RWE will bald das Vorhaben veröffentlichen

Die Betriebszeiten des Kraftwerks hängen von den Anforderungen des Übertragungsnetzbetreibers ab, beantragt wird aber ein Ganzjahresbetrieb rund um die Uhr, um flexibel auf die Erfordernisse reagieren zu können. Bei einer Informationsveranstaltung 2016 ging der Stadtwerke-Chef von einem Betrieb an wenigen Stunden im Jahr aus, es handele sich um eine Art „Netzfeuerwehr“ für Engpässe. Der Genehmigungsantrag und die weiteren Unterlagen liegen vom 21. Juni bis zum 20. Juli während der Dienstzeiten unter anderem bei der Stadt Günzburg, der Stadt Leipheim und der Verwaltungsgemeinschaft Kötz aus, zusätzlich sind sie auf der Internetseite der Regierung von Schwaben abrufbar. Einwendungen können vom 21. Juni bis 3. August schriftlich bei diesen Behörden erhoben werden. Ein Erörterungstermin ist für den 10. Oktober ab 9 Uhr und, falls nötig, auch am Folgetag im Zehntstadel Leipheim geplant.

Das auf dem Areal Pro geplante Projekt ist bekanntlich nicht das einzige in der Region. RWE will ebenfalls ein Reservegaskraftwerk bauen, auf einer Fläche neben dem bisherigen Atomkraftwerk. Dazu sagt Pressesprecher Guido Steffen, dass auch für dieses Vorhaben bald eine öffentliche Bekanntmachung veröffentlicht werde. „Auch wir bereiten uns auf die Ausschreibung vor und wollen in Kürze mit dem Genehmigungsverfahren beginnen.“ Mehr könne er dazu derzeit nicht sagen. Bei dem Unternehmen PQ Energy, das im Bereich Gundelfingen ebenfalls ein Kraftwerk plant, war der zuständige Chef gestern nicht zu erreichen.

Das Unternehmen hatte hier den Bau eines Gaskraftwerks mit 1200 Megawatt vorgesehen, das maximal 1000 Stunden im Jahr in Betrieb sein soll. Vornehmlich im Fall einer dunklen Flaute, wenn wenig Sonnenstrom und Windstrom in Netz ist. Heinz Gerhards von der Stadt Gundelfingen erklärte, man sei in ständigem Kontakt mit den Verantwortlichen von PQ Energy. Auch er hat von dem für Leipheim/Bubesheim eingereichten Antrag erfahren. Dennoch sieht er keinen Grund dafür anzunehmen, dass die Felle für Gundelfingen und die Nachbarstadt Lauingen, die finanziell an dem Projekt beteiligt ist, schon davongeschwommen wären. „Ich denke nicht, dass die Entscheidung schon getroffen worden ist. Das geht jetzt eben in die heiße Phase.“ mit gau

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