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Thannhausen

20.02.2021

"Centraltheater": Als es in Thannhausen noch ein Kino gab

Im Schwanenwirt in der heutigen Bahnhofstraße befanden sich die „Lichtspiele Thannhausen“, das erste Kino in der Mindelstadt.
Bild: Sammlung Däubler

Plus Vor 70 Jahren flimmerten im "Centraltheater" in Thannhausen Filme über die Leinwand. Bei welchen Filmen Klappstühle aufgestellt werden mussten und warum Thannhausens Kino-Ära endete.

„Ich beabsichtige, bei eintretender Besserung der Baumaterialbeschaffung, ein neuzeitliches Filmtheater mit 300-350 Plätzen zu errichten.“ Mit diesem Ersuchen wendete sich Josef Däubler Ende März 1946 an die Marktgemeinde Thannhausen. Er bat in dem Schreiben um die Überlassung eines Bauplatzes, der möglichst zentral gelegen und für sein Vorhaben geeignet sei, da es „wohl nicht angeht, eine Kulturstätte, wie solche ein neu gebautes Filmtheater darstellt, irgendwo am Rande der Gemeinde zu erstellen“.

Seine Schwiegertochter Ursula Däubler, die bis heute in Thannhausen lebt, erinnert sich: „Nach dem Krieg gab es eigentlich nichts, das der Unterhaltung diente, die Leute sehnten sich nach etwas Ablenkung.“

Kino in Thannhausen hatte nach dem Krieg rund 200 Sitze

Däublers Idee war im Ort nicht neu und er hatte bereits Erfahrungen im Kino-Betrieb gesammelt. Seit Anfang der 1930er-Jahre gab es im Schwanenwirt in der unteren Marktstraße ein Filmtheater mit anfangs rund 100 Sitzplätzen. Die „Lichtspiele Thannhausen“ wurden von Ottilie Kargl aus Allach bei München betrieben und spielten an zwei Tagen pro Woche. Dort fand Josef Däubler, der wenige Jahre zuvor aus Augsburg nach Thannhausen gezogen war, eine Anstellung als Filmvorführer. Kurz vor Kriegsbeginn übernahm er das Kino und vergrößerte das Platzangebot in der Folge auf rund 200 Sitze.

Das „Centraltheater“ an der Ursberger Straße wurde 1950 von Josef Däubler erbaut. Heute wird das Gebäude vom „Haus der Gesundheit“ genutzt.
Bild: Sammlung Däubler

Als der dortige Betrieb den sicherheitstechnischen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde, entschied er sich für einen Neubau. Auch entspräche die Spielstätte im Schwanenwirt nicht mehr den gestiegenen Einwohnerzahlen Thannhausens und der umliegenden Gemeinden, begründete Däubler.

Der Architekt plante auch zwei Filmtheater in Krumbach

Im Jahr 1950 begannen schließlich die Bauarbeiten für das „Centraltheater“ an der Ursberger Straße 2, direkt am westlichen Ufer der Mindel. Architekt war der Krumbacher Ulrich Gewinner, der zu dieser Zeit auch das „Neue Filmtheater“ am Marktplatz Krumbach und wenige Jahre später das „Filmtheater Hürben“ in der Karl-Mantel-Straße plante.

1952 lief dann der erste Film im „Centraltheater.“ Beim Betrieb des Kinos wurde Josef Däubler tatkräftig von seiner Frau Maria und mit zunehmendem Alter auch von seinem Sohn Kurt unterstützt. Dieser absolvierte schließlich in Geiselgasteig eine Ausbildung zum Filmkaufmann.

Josef Däubler

Lange genießen konnte Josef Däubler sein „Centraltheater“ leider nicht. Bereits 1958 starb er im Alter von 59 Jahren. Damit stieg Sohn Kurt mit seiner Frau Ursula endgültig ins Familiengeschäft ein. Mutter Maria Däubler unterstützte den Betrieb des Kinos nach wie vor. Und mit Jürgen Däubler, dem Sohn von Kurt und Ursula Däubler, stand theoretisch auch schon die dritte Generation in den Startlöchern. Auch wenn er, Jahrgang 1957, den Kinobetrieb nur noch als kleiner Junge miterlebte, war es für ihn dennoch ein großer Abenteuerspielplatz. „Ich erinnere mich an die beiden riesigen Filmmaschinen im Vorführraum, zwei riesige Dinger“, sagt Jürgen Däubler, der ebenfalls heute noch in Thannhausen lebt.

Ein Film Bestand damals aus Material, das an die 30 Kilo wog

Die Filme kamen in dieser Zeit mit dem Zug am Bahnhof in Thannhausen an. Ab und an holte Jürgen Däubler die großen schwarzen Kisten mit seinem Fahrradanhänger ab. Keine leichte Aufgabe, denn ein Film bestand aus mehreren Filmrollen und wog im Gesamten damals an die 30 Kilogramm.

Dennoch brauchte es viel Fingerspitzengefühl im Umgang damit. „Damals bestand die Kunst des Vorführers darin, die einzelnen Filmrollen so zu überblenden, dass der Zuschauer möglichst wenig davon mitbekam“, erinnert sich Jürgen Däubler. „Es kam auch vor, dass ein Film gerissen ist. Dann musste er auf einem speziellen Tisch schnell wieder zusammengeklebt werden, bevor die Pfiffe des Publikums überhandnahmen“, fügt Ursula Däubler hinzu. Als absolutes Highlight empfand Jürgen Däubler damals die Winnetou-Verfilmungen, bei denen die Sitzplätze im Kino bei Weitem nicht ausreichten. „Meine Eltern mussten zusätzliche Klappstühle aufstellen, damit jeder einen Platz bekam“, erinnert er sich. Und daran, dass jeder seine feste Aufgabe hatte: Oma Maria verkaufte an der Kasse die Eintrittskarten, Vater Kurt war der Filmvorführer und Mama Ursula Platzanweiserin.

„Sissi“ sorgte 1956 in Thannhausen für ein volles Haus. Die „Illustrierte Filmbühne“ diente damals als Programmheft.
Bild: Sammlung Däubler

So hätte es weitergehen können, wenn das Kino keine Konkurrenz bekommen hätte. „Mit dem Aufkommen des Fernsehens für jeden Haushalt wurde es zunehmend schwierig, das Kino wirtschaftlich zu betreiben“, erinnert sich Ursula Däubler. Bereits Anfang der 1960er-Jahre gingen die Zuschauerzahlen stark zurück – mit gravierenden Folgen für das kleine Familienunternehmen: Kurt Däubler musste sich 1961 auf Arbeitssuche begeben.

Das Kino lief damit nur noch im Nebenerwerb. 1967 fiel der letzte Vorhang im Centraltheater. „Als nur noch durchschnittlich 15 Leute zu den Vorstellungen kamen, war Feierabend für uns“, sagt Ursula Däubler. Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation blieb nur der Verkauf des Gebäudes. Immerhin fanden sich für die beiden Filmmaschinen dankbare Abnehmer: Die St. Josefskongregation in Ursberg konnte diese erwerben und veranstaltete in der ehemaligen Theaterhalle im Haus St. Josef regelmäßige Filmvorführungen.

Auch ein Teil der Kinobestuhlung fand dort Verwendung. Das „Centraltheater“ wurde in der Folge mehrmals umgebaut, diente unter anderem als Lebensmittel- und Sportgeschäft und beherbergt heute das Haus der Gesundheit. Geblieben sind indes die Erinnerungen an eine besondere Epoche der Thannhauser Geschichte. Zum Beispiel, als einmal ein bodenständiger Mittelschwabe den Film „Klein-Millers-Toni“ sehen wollte. „Er meinte die ‘Glen Miller Story‘“, lacht Jürgen Däubler.

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