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03.12.2008

Die Karriere Johann Kasimir Röls

Münsterhausen Im Jahre 1708 kam Weihbischof Johann Kasimir Röls nach Münsterhausen, um die Frauenkirche zu weihen und am Tag darauf in der Pfarrkirche St. Peter und Paul den Hochaltar zu konsekrieren. Fürstbischof Alexander Sigismund von Pfalz-Neuburg, ein Wittelsbacher Prinz, der im Alter von 25 Jahren Diözesanbischof von Augsburg geworden war, schätzte den ebenso begabten wie tatkräftigen Oberpfälzer Röls.

In Schwandorf 1646 geboren, das damals zum Herrschaftsgebiet von Pfalz-Neuburg gehörte, kam er 1667 nach Dillingen an die Jesuitenuniversität, die Studenten aus halb Europa anzog. Bereits ein Jahr später promovierte er in Philosophie, wenige Jahre später in Philologie, außerdem erwarb er das Lizentiat im kanonischen Recht. Versehen mit dem doppelten Doktortitel empfing er im Alter von 26 Jahren die Priesterweihe und nach zwei Kaplansjahren in Schongau wurde er mit 28 Jahren Stadtpfarrer von Donauwörth. Es war keine leichte Aufgabe. Die Stadt trauerte immer noch ihrer einstigen Unabhängigkeit nach und nur sehr widerwillig war man wieder katholisch geworden. Stadtpfarrer Dr. Röls war diese Situation nicht fremd, denn auch in seiner Heimat hatte sich ein Konfessionswechsel ereignet. Mit Klugheit und Einfühlungsvermögen gewann Stadtpfarrer Röls die Herzen. Spannungen und Vorurteile verstand er abzubauen.

Sein jüngerer Bruder Johann Philipp kam nach Donauwörth und trat bald darauf ins Zisterzienserkloster Kaisheim ein, auch der jüngste Bruder Johann Leonhard kam nach Donauwörth und schloss sich den Benediktinern von Heilig Kreuz an, einem Kloster, das sich kurz vor der Auflösung befand. Beide Brüder wurden zu Äbten gewählt. Sowohl Abt Rogerius Röls von Kaisheim als auch Abt Amandus Röls von Donauwörth Heilig Kreuz führten ihre Klöster zu großer geistlicher und wirtschaftlicher Blüte. Die Brüder Röls, ein weiterer Bruder wurde Bürgermeister von Donauwörth, waren ebenso fromm wie klug und tatkräftig. Bereits wenige Jahre, nachdem Alexander Sigismund von Pfalz-Neuburg Fürstbischof von Augsburg geworden war, berief er den Donauwörther Stadtpfarrer ins Domkapitel, das damals weitgehend von Adeligen besetzt war. Er vertraute Domkapitular Röls schließlich den Vorsitz des Geistlichen Rates an und machte ihn zu seinem Generalvikar. Mit der Ernennung des 62-jährigen Geistlichen zum Weihbischof setzte der Fürstbischof ein weiteres Zeichen seines unbedingten Vertrauens in Johann Kasimir Röls. Im Jahre 1708 empfing der Weihbischof, der den Titel eines Bischofs von Amyclae auf dem Peloponnes trug, die Bischofsweihe.

In den folgenden Jahren hatte er eine große Last und Verantwortung zu tragen, denn der Fürstbischof war aufgrund einer Erkrankung nahezu unfähig sein Amt auszuüben. Sowohl die Habsburger als auch der Fürstbischof von Konstanz betrieben die Absetzung des Augsburger Fürstbischofs, da er sein Amt nicht ausüben könne. Alexander Sigismund war nicht bereit, den spanischen Erbfolgekrieg finanziell zu unterstützen. Damit zog er sich den Zorn der Habsburger und der Wittelsbacher auf sich. Sämtliche bischöfliche Funktionen nahm der Weihbischof wahr. Er mag manchmal seine beiden jüngeren Brüder, die gleichfalls die Mitra trugen, beneidet haben, denn sie führten in ihren Klöstern ein sehr viel beschaulicheres Leben als er, der ständig gezwungen war, durch die weitläufige Diözese zu reisen, um Kirchen zu weihen, Altäre zu konsekrieren und vor allem um zu firmen. Bei den Firmungen waren oft mehrere Hundert Firmlinge, denen er dieses Sakrament spendete. Außerdem musste er seinen Fürstbischof im Absetzungsverfahren verteidigen. 1714 unterlag er in dieser Streitsache. Der Fürstbischof von Konstanz wurde zum Koadjutor in Augsburg ernannt mit allen Rechten und Pflichten eines Diözesanbischofs. Dies kam einer Entmachtung nicht nur des Fürstbischofs, sondern auch seines Weihbischofs gleich. Dies hat den Prälaten tief getroffen. Wenige Monate später am 8. Februar 1715 starb Weihbischof Johann Kasimir Röls in Augsburg und liegt auch dort begraben.

Fürstbischof Alexander Sigismund von Pfalz-Neuburg hatte sich zu dem Zeitpunkt wieder gesundheitlich erholt und leitete nach 1718 die Diözese Augsburg bis 1737.

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