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23.10.2009

Die Lage kann sich weiter zuspitzen

Landkreis (kai) - Die Bestandsaufnahme fiel den Umständen entsprechend aus. Politisch wie wirtschaftlich. Die aktuelle Lage der Metall- und Elektrobranche in den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm stand im Mittelpunkt der Delegiertenversammlung der IG Metall in der Leipheimer "Post". Die Situation sei sehr kritisch, erklärten die Gewerkschaftssprecher Elmar Heim und Siegfried Bägendörfer. Und nächstes Jahr könnte sich die Lage noch weiter zuspitzen.

In keiner anderen Region Bayerns sei die Metall- und Elektroindustrie derart von der Krise und damit verbundener Kurzarbeit betroffen wie im Raum Neu-Ulm/ Günzburg. Und in keiner anderen Region habe es bereits jetzt einen größeren Abbau von Arbeitsplätzen gegeben.

Besonders bedrückend seien die Zukunftsaussichten junger Menschen. Selbst in wirtschaftlich guten Zeiten sei in der Region Neu-Ulm/Günzburg ein Drittel der Auszubildenden nach der Lehre nicht übernommen worden. "Jetzt ist es fast die Hälfte", sagte Bägendörfer. Damit liege die Region über dem Landes- und Bundesdurchschnitt.

Deshalb habe die IG Metall die Aktion "Operation Übernahme" gestartet. Die Gewerkschaft appelliere an die Unternehmen, junge Leute nicht nur auszubilden, sondern nach der Lehre auch für mindestens zwölf Monate zu übernehmen. Ansonsten stünden viele nicht nur auf der Straße, sondern auch vor dem finanziellen Nichts - denn staatliche Hilfe gibt es erst nach mindestens einjähriger Arbeit.

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"Die Krise darf nicht auf dem Rücken der Jungen ausgetragen werden", forderte der Gewerkschaftssprecher. Schon jetzt sei die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen mit 15 Prozent fast doppelt so hoch wie die allgemeine Erwerbslosenquote. Deshalb werde es die IG Metall nicht bei Appellen belassen, sondern Aktionen starten, um die Probleme öffentlich und damit Druck zu machen.

Gut 80 Delegierte waren zur Versammlung gekommen, überwiegend Betriebsräte. Etwa ein Dutzend von ihnen berichtete über die momentane Situation in ihren Unternehmen. Nur einer sprach von Vollbeschäftigung, die Übrigen von Kurzarbeit zwischen 30 und 80 Prozent der Belegschaft. Die Auftragslage sei "mau" bis "schlecht", hieß es überwiegend. Manche Geschäftsleitung habe bereits angedeutet, 2010 womöglich "Personalanpassungen" vornehmen zu müssen.

Wie Elmar Heim, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, sagte, ist die Gewerkschaft derzeit dabei, mit einigen Betrieben wegen der wirtschaftlichen Probleme über Ergänzungstarifverträge zu verhandeln. Außerdem ist die IG Metall mit zwei Insolvenzen befasst - die größte ist die des Fahrzeugherstellers Kögel in Burtenbach bzw. in Ulm.

Gewerkschaft spürt Krise auch

Die gesamtwirtschaftliche Lage geht auch an der IG Metall selbst nicht spurlos vorbei. Die Zahl der Mitglieder geht leicht zurück, aufgrund der umfangreichen Kurzarbeit fallen viele Mitgliedsbeiträge geringer aus. Die Werbung neuer Mitglieder sei deshalb eine vordringliche Aufgabe, betonte Heim. Nur mit starken Gewerkschaften werde es möglich sein, Aktionen zu starten, um Dinge zu erreichen oder zu verhindern, erklärte der Bevollmächtigte.

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