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Landkreis Günzburg

15.05.2018

Gespinstmotten im Kreis Günzburg - eklig, aber ungefährlich

Kein schöner Anblick: Am Oberrieder Weiher sind etliche Bäume von Gespinstmotten-Raupen befallen.
Bild: Peter Bauer

An etlichen Stellen im Landkreis Günzburg haben sich Gespinstmotten-Raupen ausgebreitet. Wie Kreisfachberaterin Tina Sailer die Lage einschätzt.

Etwas gruselig und eklig sieht das ja schon aus. Die Bäume eingesponnen, hinter dem grauen Schleier kriechen zahllose Raupen. Am Badestrand des Oberrieder Weihers sind derzeit viele Pflanzen davon betroffen, aber auch an anderen Stellen des Landkreises. Was steckt dahinter? Die Anrufe häufen sich bei ihr derzeit, sagt Tina Sailer, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, im Gespräch mit unserer Zeitung. Anhand der Beschreibungen der Menschen sei es aber oft schwierig, klar zu sagen, um welche Raupen es sich handelt und ob sie gefährlich sind oder nicht. Beim Oberrieder Weiher ist die Sache aber klar: „Das sind eindeutig Raupen von Gespinstmotten“, sagt Tina Sailer. Die sind aber glücklicherweise für den Menschen ungefährlich. Und nach dem Befall würden sich die Pflanzen in der Regel wieder gut regenerieren, so könne auf eine Bekämpfung verzichtet werden.

Fakt sei aber auch, dass die Gespinstmotten derzeit an etlichen Stellen im Landkreis auftauchen würden, beispielsweise im Raum Günzburg, bei Rettenbach oder auch im Bereich Jettingen-Scheppach-Burtenbach. Es sei ein „Auf und Ab“, erklärt Tina Sailer. Heuer seien es wieder mehr Gespinstmotten, wohl auch begünstigt durch die Witterung.

Raupen, die Bäume einspinnen und mehr oder weniger gefährlich sind: Davon gibt es eine ganze Menge. Gespinstmotten, Eichenprozessionsspinner, Goldafter und und und ... Laien tun sich oft schwer, die Raupen voneinander zu unterscheiden. Allein von den Gespinstmotten gebe es rund 2000 verschiedene Arten, erläutert Tina Sailer. Sie rät dringend dazu, „genau hinzusehen“ und vor allem Berührungen zu vermeiden. Eine Berührung mit den Raupenhaaren des Eichenprozessionsspinners oder des Goldafters kann, so Sailer, allergische Reaktionen auslösen. Doch die Gespinstmotten seien ungefährlich, betont Tina Sailer.

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Wie beispielsweise am Oberrieder Weiher zu beobachten ist, sind die Larven hellgrau oder cremefarbig. Befallen werden häufig Pfaffenhütchen, Schlehe, Pflaume oder damit verwandte Gehölze. In Gärten würden die Gespinstmotten eher selten auftreten. Auf eine Bekämpfung könne verzichtet werden. Häufig werde der Befall erst entdeckt, wenn er schon weit fortgeschritten sei. Wer im Frühjahr genau hinsieht, könne aber rechtzeitig erste Gespinstbildungen durch Junglarven (Raupen) feststellen. Dann könnten die Gespinste oft noch problemlos mit der Gartenschere entfernt werden. Eine Möglichkeit sei auch, befallene Äste mithilfe eines Gartenschlauchs kräftig abzuspritzen. Beim Thema Gespinstmotten empfiehlt Tina Sailer aber unterm Strich „Gelassenheit“.

Diskussionen gab es in Zusammenhang mit Raupenbefall zuletzt um die Kapelle St. Sebastian in Ried (Jettingen-Scheppach). Rieder Bürger kamen auf Christoph Böhm (Freie Wähler) zu, ob die Gemeinde nicht etwas gegen den Eichenprozessionsspinner unternehmen könne. Die Schädlinge hatten sich rings um die Kapelle breitgemacht. Wie Kreisfachberaterin Tina Sailer nun mitteilte, handele es sich bei den Raupen in Ried nicht um Eichenprozessionsspinner, sondern um Goldafter-Raupen, die den Eichenprozessionsspinnern ähnlich seien. Die Berührung mit den Raupenhaaren könne ebenfalls allergische Reaktionen hervorrufen. Quer durch den Landkreis gebe es immer wieder Stellen, die von Eichenprozessionsspinner- oder Goldafter-Raupen befallen seien. Tendenziell sei dies mehr geworden, sagt Sailer. In früheren Zeiten seien die Verbreitungsgebiete stark auf die warmen Gebiete am Rhein oder in Franken beschränkt gewesen, erklärte die Kreisfachberaterin. Doch wohl infolge der Klimaerwärmung würden sich Eichenprozessionsspinner und Goldafter tendenziell ausbreiten.

Momentan sticht allerdings, insbesondere an markanten Plätzen wie am Oberrieder Weiher, vor allem die Gespinstmotte ins Auge. Eklig – aber immerhin ungefährlich.

Gespinstmotten: Weitere Infos

Aussehen:

Eklig: So würden wohl viele die Gespinstmotten-Raupen bezeichnen. Allein in Europa gebe es rund 1000 Arten, die sich nur in Nuancen voneinander unterscheiden, sagt Kreisfachberaterin Tina Sailer. Die Raupen sind cremefarbig bis hellgrau mit schwarzen Flecken in Reihen.

Entwicklung:

Nach Auskunft von Tina Sailer schlüpfen die Falter im Juli und legen dann ihre Eier an Zweigen ab. Die Eier sind auch gegen harte Witterungsbedingungen gut geschützt. Die Junglarven überstehen den Winter unter einer schützenden Sekretschicht. Im Frühjahr entwickeln die Raupen (Larven) dann einen sehr großen Appetit, befallene Pflanzen werden regelrecht kahl gefressen. Kreisfachberaterin Sailer betont jedoch, dass von den Raupen für den Menschen keine Gefahr ausgeht.

Falter:

Die Gespinstmotten sind kleine, helle Falter von rund einem Zentimeter Länge. Die weißen Flügel sind schwarz gepunktet. Nach vollendeter Larvenentwicklung verpuppen sich die Tiere innerhalb eines Gespinstes. Schäden Vor allem in der freien Landschaft, bei Feldgehölzen oder an Weg- und Waldrändern komme es vor allem bei Schlehen und Pfaffenhütchen heuer zu erheblichen Schäden, erläutert Sailer. Aber sie hebt auch hervor: Selbst stark befallene Pflanzen würden sich gut vom Befall erholen und mitunter bald wieder austreiben. So könne auf eine Schädlingsbekämpfung verzichtet werden.

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