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Krumbacher Literaturherbst

25.09.2015

Ohne Napoleon sähe Bayern heute sicherlich ganz anders aus

Lebhaft und anschaulich war die Buchvorstellung Thomas Schulers, der Bayerns Geschichte zu Napoleons Zeit beschrieben hat.
Bild: Brigitte Scholz

Ein Blick auf Bayerns Geschichte und den französischen Feldherren

Im Rahmen des Literaturherbstes stellte Thomas Schuler, Historiker und Publizist, im Heimatmuseum sein Buch „Napoleon in Bayern“ vor. Vorgelesen hat er dabei nur kleine, heitere Anekdoten; aber vielmehr ließ er anhand von eindrucksvollen Bildern die bayerische Geschichte zwischen 1789 und 1815 lebendig werden. Dabei wurde deutlich, welch gewaltigen und nachhaltigen Einfluss Napoleon auf die Geschichte Europas und Bayerns hatte.

„An Napoleon scheiden sich die Geister“, sagt Thomas Schuler. „Goethe war ein Bewunderer des Feldherrn und Kaisers, er erhielt den Orden der Ehrenlegion.“ Über niemanden als Napoleon Bonaparte wurden mehr Bücher geschrieben. Er hat den „Code civil“, das französische Gesetzbuch zum Zivilrecht, eingeführt, das heute noch in wesentlichen Teilen gültig ist. Napoleon habe eigentlich immer Frieden gewollt, hat aber zweimal einen Angriffskrieg geführt: gegen Spanien und Russland. England – damals Großmacht mit riesiger Flotte, habe 1803 Frankreich den Krieg erklärt, sich die strategische Koalition mit Russland und Österreich erkauft. Napoleon habe sein starkes Heer, die Grande Armée – 120 000 Mann –von der Atlantikküste an den Rhein verlegt und sei weiter Richtung Ulm marschiert; in der Eröffnungsschlacht bei Wertingen hätten die Franzosen erstmals die Österreicher besiegt.

Schuler schildert weiter: „Wie eine Überschwemmung ziehen die französischen Truppen durch Bayern und wüten, marodieren, plündern in den Dörfern und Städten. Der Grund: Napoleon will rasch mit seinem Heer vorwärtskommen, daher verzichtet er auf einen Versorgungstross. In München werden die Franzosen als Sieger über die Österreicher gefeiert. Jetzt wollen sie die Russen schlagen und erzielen in der Schlacht bei Austerlitz einen großen Sieg über Österreich und Russland. Die Franzosen sind nicht nur wegen der klugen Strategien Napoleons erfolgreich, auch wegen ihrer Kanonen, deren fast fünf Kilo schweren Kugeln mit einer Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern in die Gegner geschossen wurden.“ Schuler zitiert Kronprinz Ludwig, dem späteren König Ludwig I.: „Wir sind auf einem Vulkan.“ Damit habe er die Situation Bayerns zur Zeit Napoleons gemeint. Als Dank für die Waffenhilfe habe Bayern von Napoleon große Gebiete bis fast zum Gardasee zugesprochen bekommen, auch Tirol. Der bayrische „Fleckerlteppich“ aus lauter kleinen Grafschaften und Herzogtümern habe dadurch ein Ende gehabt.

Ohne Napoleon sähe Bayern heute sicherlich ganz anders aus

Als größte militärische Katastrophe habe Napoleons Feldzug gegen Russland geendet. Schuler schildert: „Die Soldaten stehen vor Moskau, sehen die goldenen Kuppeln blinken. Dann legen die Russen ihre Stadt in Schutt und Asche, wie auch die anderen Orte, die die Truppen auf ihrem Rückzug durchqueren. Hunger und einsetzende grimmige Kälte dezimieren das Heer, nachsetzende russische Soldaten treiben Napoleon vor sich her. Die Grande Armée, in der auch die Verbündeten kämpfen, schmilzt dramatisch. Riesige Verluste gibt es am Fluss Beresina und in Wilna. Von den 30000 bayerischen Soldaten kehren 130 heim. Bayern wendet sich von Frankreich ab.“ Beim Wiener Kongress (1814-1815) seien nach der Niederlage Napoleons die Staaten neu geordnet worden.

„Was haben wir noch mit Napoleon zu tun?“ fragt Schuler. „Es ist die bayerische Erfolgsgeschichte, die im Zeitalter Napoleons ihre Wurzeln hat. So ist beispielsweise Bayern ein Eldorado der Waffenindustrie“, meint Thomas Schuler, der ein sehr aufmerksames, beeindrucktes Publikum hatte. (bolz)

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