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Gebietsreform 1978

01.05.2018

„Pfaff, erhöre uns!“

Kirchlich sind Breitenthal und Nattenhausen in der Pfarreingemeinschaft vereint. Auf kommunaler Ebene gehören sie seit 1978 zusammen. 
Bild: Alois Thoma

Warum es in Nattenhausen einen „Trauermarsch“ gab.

Stadtteil von Krumbach werden oder Eingemeindung nach Breitenthal – diese Alternativen boten sich den Nattenhausern. In einer Versammlung am 18. April 1973 kristallisierte sich schnell eine Tendenz heraus. Weil man als kleine Gemeinde gegenüber der „großen Stadt Krumbach“ befürchtete, höchstens das zehnte Rad am Wagen zu sein, stimmten die anwesenden Bürger mit großer Mehrheit für einen Anschluss an Breitenthal. Krumbachs Bürgermeister Georg Winkler und einige Stadträte, die nach Nattenhausen gekommen waren, mussten enttäuscht den Heimweg antreten. Der Natttenhauser Rat entschied sich am 23. Dezember 1975 einstimmig für die Eingemeindung nach Breitenthal. Der dortige Rat hatte sich zuvor für die Aufnahme Nattenhausens entschieden und am 12. September 1977 mit 9:0 Stimmen den Vertrag über den Zusammenschluss abgesegnet.

„Wenn d‘Broitathaler it parierat, dann dreh mr deane oifach s’Wasser ab“, hatte damals ein Bürger scherzhaft verlauten lassen. Grundlage der „Drohung“: Die in den Jahren 1975/76 von der Gemeinde Nattenhausen unter Bürgermeister Karl Thoma gebaute Wasserversorgung (Tiefbrunnen und Hochbehälter) lieferte auch Trinkwasser an die besagte Gemeinde westlich der Günz. Zu einem „Wasser halt“ kam es aber nicht. „Es hat nie ein Ortsteildenken gegeben. Man hat sich im Gemeinderat immer für das entschieden, was richtig war, egal welchen Ortsteil das betraf“, bestätigt Josef Mayer, der ab der zweiten Periode nach der Gebietsreform 18 Jahre lang Stellvertreter von Bürgermeister Urban Lecheler war.

In der ersten Legislaturperiode nach der Reform hieß das Ortsoberhaupt noch Johann Pfaff (Breitenthal), der sich bei der Kommunalwahl am 5. März 1978 gegenüber seinem Nattenhauser Gegenkandidaten und späteren Stellvertreter Karl Thoma durchgesetzt hatte.

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Nicht ganz tatenlos hinnehmen wollten einige Nattenhauser Musiker den Verlust der Eigenständigkeit. Die Musiker Hans Springer, Rudi Bartussek, Alois Thoma jun., Hans Lieb, Siegfried Seitz und Musikvereinsvorstand Alois Konrad sowie die Sargträger Anton Springer jun. und Wolfgang Schulz (Deisenhausen) zogen, gefolgt von einer großen Menge „Trauernder“, unter den Klängen eines Trauermarsches durch das Dorf.

Fast in jedem Haus gingen die Lichter an, die Fenster wurden geöffnet, ein „Vorbeter“ trug an Bürgermeister Pfaff gerichtete Fürbitten vor und die „Trauergemeinde“ darauf immer wieder mit „Pfaff, erhöre uns“ antwortete.

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