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Ebershausen

16.12.2019

Unbekannter entsorgt totes Kalb bei Ebershausen im Wald

So gut wie diesem Kalb ging es einem bei Ebershausen abgelegten Kalb nicht. Es wurde tot an einem Rastplatz an der B 300 abgelegt. Die Ursachen für den Tod des Tieres bleiben im Dunkeln, doch der Fall wirft ein Licht auf Probleme in der Milchviehhaltung. (Symbolbild)
Bild: Madeleine Schuster

Plus Beim Spazieren entdeckt eine Frau den Kadaver nahe der B300 im Gras. Der Fall wirft ein Licht auf problematische Entwicklungen in der Milchviehhaltung.

Es war eine grausige Entdeckung, die unsere Leserin beim Spazierengehen mit ihrem Hund machte. Etwas außerhalb von Ebershausen an einem kleinen Rastplatz an der B300 lag ein totes Kalb im Gras. Daneben ein alter Pflanztopf aus Plastik, fast schien es so als schlafe es auf dem herabgefallenen, braunen Laub. Dem äußeren Erscheinungsbild nach zu beurteilen handelt es sich bei dem toten Tier um ein sehr junges Kalb. Ob es tot geboren, von einer Weide ausgebüxt und gestorben oder gar ausgesetzt und sich selbst überlassen wurde, lässt sich nicht beurteilen.

Totes Kalb wurde von der Tierkörperbeseitigung abgeholt

Dass ein totes Kalb am Straßenrand ’entsorgt’ wird, sei eher ungewöhnlich, sagt Claus Schedel, Sprecher der Krumbacher Polizei. Ihm sei kein solcher Fall bekannt. Hin und wieder komme es allerdings vor, dass jemand illegal Schlachtabfälle im Wald ablege, aber tote Rinder seien der Polizei bislang noch nicht gemeldet worden. Laut Tierkörperbeseitigungsgesetz besteht die Verpflichtung, tote Tiere ab einer bestimmten Größe über sogenannte Tierkörperbeseitigungsanstalten (TBA) zu entsorgen beziehungsweise zu verwerten. Dies gilt im Grunde selbst für Hunde und Katzen. Ein Verstoß gegen die Abholpflicht wird als Ordnungswidrigkeit geahndet. Genau darin sieht Ebershausens Bürgermeister Herbert Kubicek das Problem. „Solange das bloß Ordnungswidrigkeiten sind, muss man damit leben“, sagt er mit Blick auf das tote Kalb im Graben. Für den Bürgermeister liegt die Sache auf der Hand. „Das hat wohl einfach einer entsorgt.“ Kein alltäglicher, aber auch kein außergewöhnlicher Vorgang: „Wir haben das tote Kalb von der Tierkörperbeseitigung entsorgen lassen.“

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Franz Schmid, Leiter des Veterinäramtes in Günzburg, kann sich kaum vorstellen, dass ein normaler landwirtschaftlicher Betrieb seine toten Kälber mal eben in den Wald wirft. „Für den macht das doch gar keinen Sinn. Die Abholung wird subventioniert“, erklärt er. Zwar sei der Vorgang nicht ganz kostenlos aber im Preis doch „recht moderat“, wie Schmid betont.

Keine Hinweise gefunden die gegen natürlichen Tod sprechen

Warum also entsorgt jemand ein totes Kalb auf diese Weise? Laut einer Schätzung der ZeitungWelt am Sonntag werden in Deutschland etwa 200000 männliche Kälber illegal getötet. Zu dieser Zahl gelangte die Zeitung aufgrund eigener Recherchen. Sie beruft sich dabei auf Zahlen des bayerischen Umweltministeriums sowie der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes. Männliche Kälber sind dem Bericht zufolge eine Art unerwünschtes Nebenprodukt der Milchwirtschaft, vergleichbar mit den männlichen Küken in Legehennen-Betrieben. Die Tötung von Bullenkälbern ist im Gegensatz zum Kükenschreddern jedoch illegal. Normalerweise finden sie auch in der Fleischproduktion Verwendung. Sind aber zu viele Tiere in der Box oder gar kranke Tiere dabei, seien Metzger oder Tierarzt schnell zu teuer, heißt es in dem Bericht.

„Das ist so eine Geschichte, die medial kursiert“, bestätigt Schmid. „Die Unterstellung“, dass vermehrt männliche Kälber getötet würden, sei in den Tierkörperbeseitigungsanlagen untersucht worden. Über einen Zeitraum von zwei Monaten hinweg seien jedoch keine Auffälligkeiten festgestellt worden, die gegen einen natürlichen Tod sprechen würden, sagt Schmid. Wie aussagekräftig solche Ergebnisse sind, will Schmid nicht beurteilen. „Die Kollegen an der TBA müssen sich auch auf etwas konzentrieren“, sagt er. So würden etwa die Organe untersucht, der Entwicklungsstand der Lunge, der Füllungszustand des Magens oder der Kopfbereich.

Generell hohe Kälbersterblichkeit in den Ställen

„Wir haben generell eine hohe Kälbersterblichkeit“, erläutert der Veterinäramtsleiter. In der Umgebung, in die die Kälber geboren werden, herrsche ein hoher Erregerdruck. Damit die jungen Rinder diesem standhalten, müssen sie innerhalb der ersten Lebensstunden mit Kolostrum aus der Biestmilch, versorgt werden. „Je mehr, je besser“, sagt Schmid. Damit bekommt das Jungtier „eine ganze Reihe Antikörper“ von der Mutter mit. „Wenn das nicht fachgerecht oder nicht ausreichend möglich ist“, etwa weil die Kuh nicht gemolken werden kann, oder der Eimer, mit dem das Kalb gesäugt wird, keimbelastet ist, „sind die Antikörper weg“.

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Allerdings gebe es noch ein anderes „fürchterliches Problem“, so Schmid, das der normalen Vermarktung von Kälbern im Wege steht. Seit Anfang des Jahres in Baden-Württemberg ein Fall der Blauzungenkrankheit festgestellt worden ist, befindet sich auch unsere Region in der sogenannten Restriktionszone, eine Art Quarantänebereich, der sich von Aschaffenburg bis Lindau über den gesamten Westen Bayerns erstreckt. Außerhalb der Restriktionszone dürfen nur Kälber gehandelt werden, die von Kühen stammen, die schon gegen das Blauzungen-Virus geimpft worden sind, ehe sie trächtig wurden. Unmittelbar nach dem Ausbruch der Tierseuche in Baden-Württemberg war allerdings der Impfstoff knapp.

Die Landwirte, die nicht rechtzeitig ihre trächtigen Kühe impfen konnten, haben daher ein Problem. „Der Handel nimmt diese Kälber nicht so gut auf, da ist das Marktgeschehen gestört“, sagt Schmid. Auf die Landwirte, die laut Schmid mit Preisen für unter zehn Euro pro Kalb rechnen müssen, entfalte diese Situation durchaus existenziellen Druck. Man muss das Kalb ja schließlich füttern und es braucht Platz. „Da wird schon eine wirtschaftliche Dramatik sichtbar“, so Schmid. Er könne sich aber nicht vorstellen, die Landwirte würden deshalb nach Auswegen suchen, wie sie oben beschrieben wurden.

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