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Ulm

25.11.2018

Uli Hoeneß im Theater Ulm: Leider nur so schalalalala

Hand aufs Herz für den großen Ulmer: (von links) Benedikt Paulun, Maurizio Micksch, Tini Prüfert, Jakob Egger, Nicola Schubert und Gunther Nickles in „Aufstieg und Fall des Uli H.“.
Bild: Martin Kaufhold

Der FC-Bayern-Präsident kommt auf die Bühne: Das Theater Ulm widmet dem großen Metzgersohn der Stadt ein Stück. Doch das kann ihm und den Zuschauern wurscht sein.

Uli Hoeneß’ Blick: konsterniert. Aber in ihm brodelt es. Mit verschränkten Armen hockt er da, den rot-weißen FC-Bayern-Schal um den Hals gewickelt, und wundert sich, was seine Mannschaft da gegen Düsseldorf für einen Scheißdreck zusammengespielt hat. Ähnlich ratlos wie auf seinem Tribünenplatz in der Allianz-Arena hätte er vielleicht auch reagiert, wenn er am Abend zuvor das Theater Ulm besucht hätte – wo er gewissermaßen selbst auf der Bühne stand: Dort wurde mit „Aufstieg und Fall des Uli H. – eine deutsche Wurstiade“ ein Stück über sein Leben aufgeführt. Und das war ähnlich dürftig wie der Auftritt von Lewandowski, Boateng und Kollegen.

Uli Hoeneß ist ein Metzgersohn vom Ulmer Eselsberg

Hoeneß steht zwar für den FC Bayern München, eigentlich ist er aber ein Metzgersohn vom Ulmer Eselsberg – und damit so etwas wie der einzige A-Promi mit Wurzeln in der Münsterstadt. Aus dieser Personalie wollte der neue Intendant Kay Metzger etwas machen, gleich in seiner ersten Spielzeit. Nach längerer Suche wurde die Münchner Theatermacherin Sarah Kohrs als Autorin verpflichtet. Sie übernahm eine heikle Aufgabe, denn weil Uli H. überaus lebendig und manchmal sehr wütend ist, musste sie fast ausschließlich mit vorhandenem Material arbeiten, mit echten Episoden und Zitaten. Die Regie wurde dem 31-jährigen Stephan Dorn anvertraut, der mit seinem Ensemble eine freie Interpretation aus dem Auftragswerk machte. Schwierige Voraussetzungen vor dem Anpfiff.

Die taktische Grundaufstellung: ein 4-2-1. Vier männliche (Jakob Egger, Maurizio Micksch, Gunther Nickles, Benedikt Paulun) und zwei weibliche Schauspieler (Tini Prüfert, Nicola Schubert), die im schwarz-weißen Heimdress agieren – schwarz-weiß wie das Ulmer Wappen, schwarz-weiß wie Häftlingskleidung. Dazu im Rückraum ein Pianist (Jens Blockwitz), der in Sportstudio-Manier die Spieler hereinklimpert. Abklatschen mit den Fans, doch dann wird nicht gekickt, sondern gesungen, sogar mehrstimmig: ein Medley beliebter Schmähgesänge, von „Ihr seid die Schande der Liga“ bis „Ich würde nie zum FC Bayern gehen“.

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Hoeneß hat es zu viel gebracht, zum Weltmeister, zum Gesicht des FC Bayern, er fiel in Ungnade, als er vom bekanntesten Fußballfunktionär zum prominentesten Steuerhinterzieher Deutschlands wurde. Aber jetzt ist er längst wieder da, wo er vor seiner Haft war – und höchst präsent: zuletzt durch seine Wutrede gegen die Presse und durch die Berichte über einen angeblich geplanten Ausstieg der Bayern aus der Bundesliga. Tragisch ist sein Schicksal also mitnichten, aber reich an Geschichten, die in Ulm natürlich auch angeschnitten werden: der verschossene Elfmeter in der „Nacht von Belgrad“ oder die Affäre um den „verschnupften“ Christoph Daum. Und natürlich die Sache mit dem Schweizer Konto.

In "Aufstieg und Fall des Uli H." gibt es inhaltlich nur Vollspann und Bauernspitz

Hoeneß ist eine schillernde Persönlichkeit. Aber die Widersprüche in seiner Vita herauszuarbeiten, ist für das Stück wohl zu viel der Schönspielerei. Da gibt es inhaltlich nur Bauernspitz und Vollspann – und trotzdem fehlt der Offensivdrang. Da träumt der junge Uli vom großen Geld, während der Metzgerpapa mit der Schiebleere die Qualität seiner Würste überprüft. Nachdem er schüchtern mit seiner Susi angebandelt hat, steigert er sich gleich in einen Merchandise-Größenwahn hinein: „Alles, was es gibt, gibt es ab sofort in Rot.“ Von der komplexen Person Hoeneß bleibt im Podium nur eine geschäftstüchtiger, selbstgerechter Pappkamerad übrig. Und zur zweiten Halbzeit werden dann auch noch riesige Würste auf die wie ein Fußball gestaltete Spielfläche gewuchtet.

„Aufstieg und Fall des Uli H.“ hat keine Handlung, es ist eine leidlich unterhaltsame Revue, bei der auf eine kurze Dialogszene gleich ein Song folgt – immer schön durch die Mitte: „Steh auf, wenn du am Boden bist“, „Money Money Money“, „My Way“. Das hat in manchen Momenten sogar etwas von Schultheater, so wenig werden da die Möglichkeiten des Theaters ausgeschöpft. Und immer dann, wenn sich das Ensemble dem Tor (beziehungsweise der Hauptperson) zu nähern beginnt, grätscht wieder ein Lied dazwischen. Uli Hoeneß, schalalalala. Das Premierenpublikum applaudiert am Schluss aber.

Der Porträtierte kam nicht zur Uraufführung, der Versuch einer Kontaktaufnahme durch die Schauspieler war zuvor gescheitert: wegen des engen Terminkalenders. Uli Hoeneß hat vermutlich andere Sorgen. Wer den FC Bayern hat, braucht in der Freizeit kein Theater mehr.

„Aufstieg und Fall des Uli H.“ ist noch bis Februar im Podium des Theaters Ulm zu sehen. Die nächsten Vorstellungen sind ausverkauft, Karten gibt es frühestens für den 12. Dezember.

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