Newsticker

Macron verkündet zweiten Lockdown für Frankreich
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Alles andere als ein Museumsdorf

Zukunft

18.02.2015

Alles andere als ein Museumsdorf

Die romantische Seite von Erpfting: der Pfarrhof und der Platz davor. Doch viele Erpftinger haben Angst davor, ein Museumsdorf zu werden.
2 Bilder
Die romantische Seite von Erpfting: der Pfarrhof und der Platz davor. Doch viele Erpftinger haben Angst davor, ein Museumsdorf zu werden.
Bild: Thorsten Jordan

Erpfting wünscht sich einen Fachplaner für dörfliche Entwicklung. Der Stadtrat soll Anfang März darüber entscheiden

Beim Gaudiwurm am Lumpigen in Landsberg haben einige Erpftinger auf witzige Art und Weise Kund getan, dass ihr Ort kein Museumsdorf werden soll. In der Sitzung des Stadtrats Anfang März wird dieser Wunsch auch auf politischer Ebene formuliert. Denn der Arbeitskreis Erpfting hat den Antrag gestellt, dass sich ein Fachplaner für dörfliche Entwicklung gemeinsam mit den Bürgern Gedanken über die Zukunft des Stadtteils macht. Die Überlegungen könnten in einem Dorfentwicklungsplan münden.

Vieles erinnerte an eine Szene aus dem Film „Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe“, in der die beiden Hauptdarsteller und ihr altes bäuerliches Anwesen die Hauptattraktion eines Vergnügungsparks sind. Stacheldraht umgab auch die kleine Gruppe Erpftinger, die beim Umzug in Landsberg teilnahm. Auf Pappschildern wurde auf die Defizite im Ort hingewiesen: kein Laden, kein Netz, kein funktionierender Dorfbrunnen war darauf zu lesen. Das Motto der Fußgruppe lautete „Museumsdorf Erpfting“.

Ortssprecher Markus Salzinger war beim Gaudiwurm am Lumpigen nicht dabei. Er kennt die Wünsche seiner Mitbürger aber von den regelmäßigen Treffen des Arbeitskreises, dessen Sprecher er ist. Dort habe man auch besprochen, einen Antrag zum Thema Dorfentwicklung zu stellen. In Erpfting vergleiche man sich mit den Dörfern in der Umgebung. Daher wünsche man sich auch einen Fachplaner für dörfliche Entwicklung. „Ein Stadtplaner denkt anders“, sagt Salzinger. Er kann sich auch vorstellen, dass der Nachbarort Ellighofen – ebenfalls ein Stadtteil – miteinbezogen wird. Im März wolle er sich mit dem dortigen Ortssprecher Tobias Schmid treffen und darüber sprechen, welche Synergien sich ergeben könnten, wenn für beide Stadtteile ein Dorfentwicklungsplan erstellt wird.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Was sich in Erpfting ändern soll, das wurde im Arbeitskreis häufig besprochen. Salzinger nennt den Wunsch einiger Bürger nach Bauplätzen im Einheimischenmodell als Beispiel. Die Nachfrage sei da, ebenso wie nach bezahlbaren Mietwohnungen. Nicht nur in Landsberg, sondern auch in Erpfting mache sich der Siedlungsdruck aus München bemerkbar. Gleichzeitig dürfe das Kleingewerbe nicht vergessen werden. Ein neues Gewerbegebiet, wie es zum Beispiel in Igling entstehen soll, passe nicht in den Ort. Vielmehr sollten aufgelassene Hofstellen genutzt werden.

Tradition und Moderne sollen unter einen Hut gebracht werden. Nicht nur beim Gewerbe, sondern auch auf dem Dach einiger Anwesen entlang der Hauptstraße. Bislang verhindere dies der Ensembleschutz, der die Errichtung von Fotovoltaikanlagen verbiete. Und schon ist Salzinger beim Begriff „Museumsdorf“. Das wolle man eben nicht sein. Auch kein Schlafdorf für Pendler. Lebendig soll es in Erpfting zugehen, aber nicht nur im Vereinsleben. Ein Dorfzentrum, möglicherweise in der Alten Schule, könnte dabei ebenso helfen, wie eine funktionierende Nahversorgung.

Bauliche Veränderungen haben Salzinger und seine Mitstreiter ebenso im Kopf. Der Ortssprecher nennt den Platz vor der Pfarrkirche und die Kreuzung vor dem Gasthaus Hiristo. Dort gebe es zwar einen Hinweis auf die Römerstraße Via Claudia, die durch den Ort führte, und eine Anschlagtafel, aber keinen Platz zum Verweilen. Entschärfen will der Arbeitskreis auch die Zufahrt ins Dorf von Süden her. Ein Kreisverkehr könnte dort dafür sorgen, dass langsamer gefahren wird.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren