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Leeder

06.12.2019

Bauarbeiter entdecken unbekannten Toten mit Schild und Schwert

Fachleute haben die Skelette auf der Baustelle in Leeder begutachtet.
Bild: Andreas Hoehne

Plus Bauarbeiter stoßen bei Leeder auf mehrere Gräber. Die Polizei wird umgehend eingeschaltet und stattet dem Bürgermeister einen Besuch ab.

Bei Bauarbeiten in Leeder sind mehrere Skelette entdeckt worden. Bei einem Toten wurden ein Schild und ein Schwert gefunden. Fachleute des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege haben sich die Funde bereits angesehen. Auch die Polizei war mit dem Fall beschäftigt und besuchte deswegen Bürgermeister Erwin Karg. Doch wer wurde dort begraben?

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Wie schon vor einem Jahr in Denklingen und vor zwei Jahren auf dem Gelände der früheren Pflugfabrik in Landsberg sind nun auch in der südlichen Kreuzstraße in Leeder mehrere Gräber aus dem 7. bis 8. Jahrhundert freigelegt worden. Sie seien, so die Fachleute des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, ein Ausschnitt eines sogenannten Reihengräberfeldes, eines Friedhoftyps, der aus Südbayern in großer Zahl bekannt sei. Nachdem die Gräber entdeckt wurden, bekam der Bürgermeister Besuch von der Polizei.

Bei einem Reihengräberfeld handelt es sich um zum Teil recht ausgedehnte Friedhöfe, in denen während der Merowingerzeit die ortsansässige bäuerliche Bevölkerung bestattet worden sei. Entdeckt worden waren die menschlichen Gebeine bereits in der ersten Novemberhälfte, was Bürgermeister Erwin Karg sogar den Besuch einer Polizeistreife bescherte, die bei ihm Meldung machte. Auf dem ehemaligen Lagergelände einer Baufirma wollten Mitarbeiter den südlichen Teil herrichten, dort sollen später zwei Einfamilienhäuser gebaut werden, auf dem vorderen Gelände befinden sich bereits vier Sechsfamilienhäuser mit einer Tiefgarage.

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Der Baggerführer muss vorsichtig arbeiten

Bei der ersten Erkundung des Geländes entdeckte die Mitarbeiterin des Landesamtes in relativ geringer Tiefe zwei in Ost-West-Richtung angeordnete Körpergräber, die zum Teil schon freigelegt waren. Mit den weiteren Arbeiten wurde die Grabungsfirma Dig it Company beauftragt, die sich aus freiberuflich tätigen erfahrenen Archäologen zusammensetzt. Unter der Leitung von Dr. Barbara Muhle wurden schließlich in über drei Metern Tiefe zwei noch ältere Gräber entdeckt, in denen nur noch einige Skelettteile erkennbar waren. Bei der schichtweisen Freilegung leistete Siegfried Morhart, ein Baggerführer der Baufirma, wichtige Dienste, indem er den Boden vorsichtig schichtweise abtrug. Die Lage der Fundstätte direkt neben der Mauer zum Nachbargrundstück und neben der Straße erschwerte die Grabungen.

Die Skelette werden in der Staatssammlung aufbewahrt

An einem der Skelette entdeckte man auch Grabbeigaben aus Metall, einen Schildbuckel und ein Schwert. Alle Gräber seien irgendwann schon einmal beraubt worden, meinte die Grabungsleiterin. Darüber hinaus seien hier keine weiteren zu erwarten, denn das erkenne man an den Verfärbungen in der Kiesoberfläche. Diese entstehen durch den bei einer Beisetzung nachrutschenden Humus. Die Skelette wurden nach der Freilegung mittlerweile durch einen Anthropologen untersucht und abtransportiert. Sie werden in der Staatssammlung für spätere Untersuchungen aufbewahrt, sagt Barbara Muhle. Denn der Grundeigentümer habe in der Regel kein Interesse an der Rückgabe.

Die Merowinger waren ein Königsgeschlecht der Franken, das vom 5. bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts regierte und dessen Herrschaftsgebiet unter anderem das heutige Schwaben umfasste. Da man sich seinerzeit im Grenzland zu den Bayern befand, könnte sich der Leederer Dorfchronist und Fuchstaler Altbürgermeister Franz Xaver Haibl auch vorstellen, dass die älteren Grabfunde im Zusammenhang mit einem fränkischen Militärlager ständen, das es im frühen Leeder wohl gegeben und über das der Allgäuer Historiker und Heimatpfleger Alfred Weitnauer berichtet hatte. Denn es sei seiner Meinung nach nicht sehr wahrscheinlich, dass man einem Bauern Schild und Schwert mit ins Grab gegeben habe.

Viele Jahre stand an der Fundstelle ein Kreuz

Norbert Kees, der Inhaber der Baufirma, dessen Elternhaus mit dem Hausnamen „Beim Seiler“ auf dem vorderen Teil des Grundstücks entlang der Bahnhofstraße steht, kann sich auch an ein Kreuz erinnern, das früher auf Höhe der jetzigen Grabungen stand. Dies bestätigt auch Haibl. Man sei bei Flurumgängen daran vorbei gekommen, weist er hin und es sei etwa drei Meter hoch und aus Holz gewesen. Inzwischen ist es allerdings nicht mehr auffindbar. Ein Zusammenhang mit den historischen Gräbern sei aber kaum denkbar, so der Altbürgermeister. Die Kosten für die Grabungen werden übrigens zwischen dem Grundeigentümer und dem Landesamt aufgeteilt, da es sich um eine laufende Baumaßnahme und nicht um ein eingetragenes Bodendenkmal gehandelt habe. Die Behörde übernehme die Aufwendungen für die Gräber, die zum Zeitpunkt des ersten Fundes bereits zu erkennen waren, sagte Pressesprecherin Dorothea Gehringer unserer Zeitung.

Mehr über die Funde in Denklingen lesen Sie hier: Ausgrabungen: Skelette und Waffen unter der Straße

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