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Wohnen

29.01.2021

Bauen mit weniger Abstand?

Eine Gesetzesänderung soll es ermöglichen, dichter zu bauen. Doch Verwaltung und Stadträte sehen die Wohnqualität in Landsberg in Gefahr. Wie sie auf die Änderung reagieren

Es musste schnell gehen. Der Landtag hat Anfang Dezember eine Novelle der Bayerischen Bauordnung beschlossen, die bereits ab 1. Februar gilt. Die Änderung soll mehr Nachverdichtung durch kürzere Abstandsflächen für Neubauten ermöglichen. Doch das neue Gesetz kommt in vielen Kommunen nicht gut an. Auch in Landsberg nicht. Und so wird die Stadt, wie zum Beispiel Dießen und Kaufering auch, eine eigene Satzung erlassen.

Vereinfacht gesagt soll die neue Regelung die Abstandsflächen um die Hälfte reduzieren. Zudem ist mit der Änderung ein Heranrücken der Gebäude an die Grundstücksgrenze an allen vier Seiten möglich. Beispiel: Bisher galt für die Abstandsfläche auf der Traufseite, dass sie der Wandhöhe entsprechen muss beziehungsweise der halben Wandhöhe bei Wandlängen unter 16 Metern. Künftig berechnet sich die Abstandsfläche nach der Wandhöhe plus einem Drittel der Dachhöhe. Änderungen ähnlicher Art gibt es auch bei der Berechnung der Abstandsflächen auf den Giebelseiten. Für Flachdachbauten ändert sich somit eigentlich nichts.

Die Stadt wird jedoch eine eigene Satzung erlassen. Das haben die Stadträte in der jüngsten Sitzung des Pandemieausschusses einstimmig beschlossen. Der hohe Siedlungsdruck im Stadtgebiet und in den Stadtteilen würde dazu führen, dass die Mindestmaße der gesetzlich festgelegten Abstandsflächen weitestgehend ausgenutzt werden, sind die Vertreter der Stadtverwaltung überzeugt. Damit werde sich die Wohnqualität im Stadtgebiet nachteilig verändern. Eine deutliche Nachverdichtung wird nach Auffassung der Stadt auch nachteilige Auswirkungen auf den Wohnfrieden haben. Insbesondere bei Bauvorhaben im unbeplanten Innenbereich würden Nachbarschaftsstreitigkeiten bereits jetzt zunehmen.

Grundlage der Satzung ist eine vom Bayerischen Gemeindetag und vom Bayerischen Städtetag in Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr ausgearbeitete Mustersatzung. Jonas Pioch (Landsberger Mitte) fragte, welche Erfolgschancen diese Satzung habe, falls ein Bauwerber dagegen klagt. „Wir wissen alle nicht, wie sicher die Satzung ist“, sagte Stadtjuristin Petra Mayr-Endhart dazu.

Dennoch waren alle Mitglieder des Ausschusses dafür, die Satzung zu erlassen. Auch Christian Hettmer (CSU), der zwar einige kritische Gedanken äußerte, letztlich aber keine bessere Lösung habe, wie er sagte. Der Gesetzgeber habe es mit der Novelle ermöglicht, dichter zu bauen. Und flächensparendes Bauen sei ja auch in Landsberg ein Ziel. Nachverdichtung ist eigentlich auch eine Forderung der Grünen, wie Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann sagte. Allerdings wolle man auch die Wohn- und Lebensqualität in Landsberg erhalten.

Gerade für die städtebaulichen Strukturen sei die Satzung ein Garant, meinte Jonas Pioch. Markus Salzinger (UBV) sagte, die Stadtteile würden ihren dörflichen Charakter verlieren, wenn dichter gebaut werden dürfte. Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) brachte gegenüber dem LT einen anderen Gedanken ins Spiel. Könnte ein Grundstück dichter bebaut werden, würden die Baupreise weiter steigen. Und dann könnten sich nur noch wenige den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen.

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