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Landkreis Landsberg

28.11.2018

Der Grippe-Impfstoff wird im Landkreis Landsberg knapp

Der Vierfach-Grippeimpfstoff geht bei vielen Ärzten aus. Unser Bild zeigt die Praxis Dr. Lerch, Arzthelferin Monika Baab am Kühlschrank mit der Impfstoffpackung in der Hand. Dieser Impfstoff wurde bereits reserviert.
Bild: Thorsten Jordan

Wer schon gegen Grippe geimpft ist, hat Glück. Denn auch in der Region gibt es Engpässe und Wartezeiten für die Patienten. Wie Ärzte und Apotheker das Problem lösen wollen.

Geht nun bald auch in der Stadt Landsberg der Impfstoff gegen Grippe aus? Das Bundesgesundheitsministerium hat offiziell einen Versorgungsengpass bei Grippe-Impfstoffen bekannt gegeben. Nun wurde auch die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml ( CSU) aktiv und berief eine Sondersitzung ein, da in vielen Regionen schon Engpässe gemeldet worden seien. Erst am 21. November hatte die Ministerin mit Ministerpräsident Markus Söder zur Grippeschutzimpfung aufgerufen – eine Woche später gibt es einen Engpass. Doch jetzt scheint es schon eine Woche später einen Engpass zu geben. Auch in Landsberg meldeten sich Patienten, die von ihrem Arzt nicht mehr geimpft werden können. Wie sieht es bei Landsberger Arztpraxen und Apotheken aus?

„Wir haben keine Grippe-Impfstoffe mehr in der Praxis auf Lager“, sagt Dr. Wolfgang Lerch aus Landsberg. Die Nachfrage danach sei bei ihm auch höher gewesen als in den vergangenen Jahren. Er könne keine Impfungen mehr durchführen und müsse seine Patienten auf eine Warteliste eintragen, wenn sie gegen Grippe geimpft werden wollen. Wann und ob er Nachschub bekommt, könne er nicht sagen. „Ich bin da nicht im Bilde, und wir Ärzte werden auch nicht auf dem Laufenden gehalten.“ Es gebe jedoch die Möglichkeit, dass übrige Impfstoffe aus Arztpraxen gleichmäßig auf die anderen aufgeteilt werden.

Wurde der Bedarf in der Pharmaindustrie falsch eingeschätzt?

Dass es dieses Jahr zu solchen Engpässen kommt, könnte laut Lerch an den Verhandlungen zwischen den Pharmafirmen und den Krankenkassen liegen. Die Krankenkassen würden sich den günstigsten Anbieter heraussuchen und mit diesem dann einen Vertrag abschließen. „Wahrscheinlich haben sie die Nachfrage für Grippe-Impfstoffe dieses Jahr falsch eingeschätzt“, sagt Lerch.

In der Arztpraxis von Werner Zwickel in Landsberg sei dagegen noch ausreichend Impfstoff vorhanden. „Wir haben genug bestellt und sind sehr gut versorgt“, sagt Arzthelferin Christiane Huppmann. Man habe keine Bedenken, dass es zu einem Engpass kommen könnte. Die Landsberger Hausärztin Regina Kläger hat auch keinen Impfstoff mehr, aber einen Tipp für Patienten. „Es gibt nach Informationen der Kassenärztlichen Vereinigung an uns Tauschbörsen mit anderen Ärzten. „Sie geben den Impfstoff, den sie nicht brauchen, an Praxen weiter, die ihn benötigen.“ Das ist die eine Möglichkeit. Patienten können sich mit Rezept den Impfstoff selbst in der Apotheke besorgen. Wenn sie dort keinen Impfstoff bekommen, könne man es auch über Auslandsapotheken versuchen.

Es gibt sogar schon Tauschbörsen

Kläger: „Die meisten meiner Patienten sind schon geimpft, aber es gibt immer noch Nachfragen.“ Doch nicht nur Arztpraxen in Landsberg sind gerade von den Lieferschwierigkeiten bei Grippe-Impfstoffen betroffen, sondern auch die Apotheken.

So zum Beispiel die Katharinen-Apotheke. „Ja, auch wir sind von den Versorgungsschwierigkeiten betroffen“, sagt Stefanie Dilser, Angestellte der Apotheke. Diese Probleme hätten sie jetzt schon seit ein paar Jahren. „Seitdem die Krankenkassen beschlossen haben, nur ein bis zwei Präparate zum Verkauf zu stellen.“ Dilser rechnet auch nicht damit, diese Impfsaison – Ende Februar, Anfang März – noch eine Lieferung zu bekommen, da auch die meisten Firmen keine Präparate mehr auf Lager hätten. „Die Apotheker-Kammer prüft zurzeit deswegen, ob vielleicht noch Impfstoffe aus dem Norden Deutschlands geliefert werden können. Denn in ganz Bayern schaut es gerade sehr schlecht aus.“ Eine weitere Überlegung des Apothekerverbandes sei, Impfstoffe aus dem EU-Ausland importieren zu lassen. Dies sei normalerweise nicht erlaubt und auf Gesetzesebene sehr kompliziert, aber die aktuelle Lage lasse kaum eine andere Möglichkeit zu. „Dies wurde uns am 23. November mitgeteilt, aber seitdem haben wir Apotheker nichts Neues gehört“, sagt Dilser.

Die Ärzte dürfen gar nicht mehr Grippe-Impfstoff bestellen

Und auch bei den Apothekern gibt es eine Tauschbörse: Der bayerische Apothekerverband würde auch noch eine dritte Möglichkeit anbieten: eine Tauschbörse. Darin könnten sich Apotheken registrieren, wenn sie Grippe-Impfstoff abgegeben können. „Bislang stehen null Teilnehmer auf dieser Liste.“ Auch Roland Dilser, Angestellter der Marien-Apotheke am Landsberger Hauptplatz, beklagt den Impfstoffmangel. „Die Lage ist ganz schlecht.“ Die Ursache dafür sei seiner Meinung nach die Gesetzgebung der Bundesregierung. Diese würde jedes Jahr aufs Neue bestimmen, welche Impfstoffe von welchen Pharmafirmen abgegeben werden dürfen. „Diese Entscheidung ist dieses Jahr erst im Spätsommer gefallen, was viel zu spät ist.“ Außerdem seien die Ärzte von den Krankenkassen angehalten, nur ein Drittel bis zur einer Hälfte der eigentlich angedachten Impfungspräparate zu bestellen. „Wenn sie gleich mehr bestellen dürften, wäre den Ärzten schon sehr geholfen.“

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