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Windach

21.11.2018

Der Mann der Zahlen aus Windach

Manfred Stagl war 40 Jahre ein Banker mit Leib und Seele, immer beim gleichen Geldinstitut. Ende des Monats wird der knapp 60-Jährige in die „passive Ruhezeit“ verabschiedet.
Bild: Thorsten Jordan

Vom Lehrling bis zum Vorstandsmitglied: Manfred Stagl erlebte den Wandel der Volksbank Landsberg und blieb ihr knapp 40 Jahre lang treu. Jetzt verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Vom Lehrling zum Vorstand. Bei ein und demselben Unternehmen. Eine derartige Karriere ist in der heutigen, schnelllebigen Zeit selten geworden. Manfred Stagl aus Windach ist der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg knapp 40 Jahre lang treu geblieben. Ende November wird er in die „passive Alterteilszeit“ verabschiedet – faktisch in den Ruhestand, der offiziell jedoch erst drei Jahre später eintritt.

Am 10. Dezember 1958 wurde die Volksbank Landsberg in der Gaststätte Schafbräu „als eine der wenigen von Bürgern gegründeten Genossenschaften“ ins Leben gerufen. Nur zwei Tage später kam Manfred Stagl im alten Landsberger Krankenhaus zur Welt. Die Tatsache, dass er beide Ereignisse in seiner Erzählung verbindet, zeigt bereits, wie eng und treu Manfred Stagl „seiner“ Bank verbunden ist.

Sein früherer Chef wollte den Männeranteil steigern und stellte ihn ein

Das Kind sudetendeutscher Aussiedler wächst auf einem Einödhof knapp zwei Kilometer außerhalb von Windach auf. Nach dem Abitur in St. Ottilien entscheidet sich Stagl zunächst für eine Bankenlehre, um –wie er sagt – „Praxiserfahrung zu sammeln“. Abiturienten waren damals als Lehrlinge nicht so beliebt, die zögen ja sowieso hinterher weiter, so hieß es in einigen Absagen, die Stagl sich bei Landsberger Banken geholt hatte. Bei der Volksbank habe er einfach „angeklopft“ und sei „reinmaschiert“ und der damalige Vorstand Erwin Stolz (auch langjähriger Vorsitzender des Alpenvereins Landsberg) habe den „Männeranteil“ unter den Azubis erhöhen wollen und ihn gleich eingestellt.

Digitalisierung war seinerzeit noch ein Fremdwort und so durchlief Stagl von der Wechsel- zur Sparabteilung viele Bereiche, die es heute schon lange in dieser Form nicht mehr gibt. „Ich habe jeden Monat zigtausende Lastschriften per Hand sortiert und eingearbeitet. Heute unvorstellbar.“

Sein Arbeitgeber fusionierte mit anderen Banken

Während seines anschließenden Studiums zum Diplom-Betriebswirt in Regensburg hat Manfred Stagl in den Semesterferien in seiner Landsberger Bank gejobbt. Sein erneutes Einstellungsgespräch 1987 habe dann auch keine zehn Minuten gedauert, da war Stagl als Revisor in der internen Kreditrevision der Genossenschaftsbank in Herrsching eingestellt. 1993 wurde er Prokurist für das Kreditgeschäft und 1999 schließlich in den Vorstand berufen. Nach der Fusionen dreier regionaler Banken entstand 1999 die „Volksbank-Raiffeisenbank Starnberg-Herrsching-Landsberg eG“, im Jahr 2015 kamen die Raiffeisenbanken Lech-Ammersee eG und südöstlicher Starnberger See eG dazu.

So gilt die Bank heute laut Stagl als eines der kapitalstärksten genossenschaftlichen Kreditinstitute in Bayern. Auch nach seiner Pensionierung wird sich Manfred Stagl nicht über Langeweile beschweren können. Lange Jahre war er (ehrenamtlicher) Vorsitzender des Windacher Sportvereins, sechs Jahre Jugendleiter bei der Abteilung Fußball sowie Kassenwart verschiedener örtlicher Gruppierungen. Neben seinen montäglichen Windacher Bouletreffen mit einer kleinen Männergruppe („fällt nur bei tiefem Schnee aus“), seinem „Freizeitsingkreis“, der Windacher Fahrradtruppe sowie seinen drei Enkeln liegt ihm vor allem die Ahnen- und Geschichtsforschung aus der Dorfgemeinschaft Windach-Hechenwang am Herzen.

In seiner Freizeit stöbert Manfred Stagl gerne in der Geschichte

Manfred Stagl sammelt nämlich „Sterbebilder“. „Die meisten Leute kennen heutzutage ihre Vorfahren gar nicht mehr“, sagt er. Viele Geschichten und Unterlagen seien über die Kriege verloren gegangen und so versucht Manfred Stagl – mithilfe der „Erinnerungsbilder“ – Geschichten zu rekonstruieren. Seine eigene kann er mittlerweile 13 Generationen bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen.

Als Vorsitzender des Windacher Veteranen- und Kameradenvereins forscht er gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Archivar Gerhard Heininger genauso über die historischen Gebäude, Institutionen und Vereine der Region. Doch jetzt ist ihm erst einmal nach Ruhe und „salzhaltiger Meeresluft“. Um den ganzen Trubel zu entgehen, wird er seinen nahenden 60. Geburtstag auf einer „südlichen Inselgruppe“ verbringen. Es sei ihm gegönnt.

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