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Elektrifizierung

30.12.2014

Die Bahn sucht den Dialog

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Entlang der Bahnlinie München-Lindau wird im Zuge der Elektrifizierung der Schallschutz neu bewertet. In Kaufering steht bereits eine Lärmschutzwand.
Bild: Thorsten Jordan

Bei einer Veranstaltung in Kaufering interessierten sich die Anlieger vor allem für den Lärmschutz

 Eigentlich sollte die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Geltendorf und Lindau bis 2015 abgeschlossen sein. Inzwischen ist sie auf das Jahr 2020 verschoben. Die Deutsche Bahn geht davon aus, dass der Termin eingehalten werden kann. Mit einer neuen Form der Bürgerbeteiligung bereits vor dem Planfeststellungsverfahren versucht die Bahn, das Risiko von Klagen gegen das Projekt zu minimieren. Ein solches Dialogforum hat jetzt in Kaufering stattgefunden. Das Interesse der Anlieger war nicht groß.

Bei der Veranstaltung im Sitzungssaal der Marktgemeinde im Gebäude der Feuerwehr war auch Projektleiter Matthias Neumaier vor Ort. „Wir wollen aktiv zuhören und mitnehmen, was die Menschen vor Ort über unsere Planung denken“, sagte er unserer Zeitung. Die Anregungen der Anlieger könnten nach Möglichkeit berücksichtigt werden, weil die Planung derzeit noch nicht abgeschlossen sei. „Wenn damit die Akzeptanz des Projektes steigt, erhoffen wir uns eine kürzere Verfahrensdauer.“ Nicht verwechselt werden dürfe diese frühzeitige Form der Öffentlichkeitsbeteiligung mit den Einwendungen des formalen Planfeststellungsverfahrens. Dies folge in einem nächsten Schritt.

Die Anlieger, die das Dialogforum in Kaufering besuchten, interessierten sich in erster Linie für den Lärmschutz entlang der Strecke. Nach den vorab durchgeführten schalltechnischen Untersuchungen ist laut Matthias Neumaier entlang der Strecke eine Kombination von aktiven und passiven Schutzmaßnahmen vorgesehen. Aktiv seien Maßnahmen direkt an den Gleisen, etwa Schutzwände oder -wälle, passiv dagegen schalltechnische Verbesserungen an Gebäuden wie der Einbau von Schallschutzfenstern und schallgedämmten Lüftern. Bislang, so Neumaier, sehen die Planungen auf der 157 Kilometer langen Ausbaustrecke 22 Kilometer Lärmschutzwände vor.

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Nach einer Prognose des Bundesverkehrsministeriums für das Jahr 2025 wird sich die Zahl der Züge zwischen Kaufering und Geltendorf mit der Elektrifizierung von 98 auf 166 erhöhen. Vor allem die Steigerung im Personennahverkehr (von 74 auf 134 Züge) ist dafür verantwortlich. Beim Güterverkehr geht die Prognose von einem leichten Anstieg auf 16 pro Tag aus, wobei die Bahn diese Zahl als „unrealistisch“ bezeichnet. Es würden nach dem Ausbau acht bis zehn Güterzüge in beide Richtungen verkehren. Eine Zahl, die auch das Schweizer Verkehrsamt nennt, weil die dortigen Anschlussstrecken mehr Güterzüge gar nicht aufnehmen könnten.

Wie Matthias Neumaier in Kaufering sagte, wird die Elektrifizierung 2019 baulich fertiggestellt sein. In den Jahren 2018 und 2019 seien Streckensperrungen unvermeidlich. Die Inbetriebnahme der Strecke sei für 2020 vorgesehen. Neumaier ist zuversichtlich, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Die Bahn habe Baurecht und investiere viel Zeit, das weitere Verfahren ohne Verzögerungen fortzuführen.

Wie sich die Erhöhung der Zugzahlen nach der Elektrifizierung auf den Bahnverkehr zwischen Geltendorf und München auswirkt, dazu will Projektleiter Neumaier nichts sagen. Das sei nicht seine Baustelle. Kritiker bezeichnen den Abschnitt zwischen Geltendorf und Pasing schon jetzt als Nadelöhr, in dem Fernverkehrszüge auf Schnellbahnen warten oder diese überholen müssten. Sie fordern daher, den zweigleisigen Abschnitt so schnell wie möglich auszubauen. Das Bayerische Innenministerium sieht einen dreigleisigen Ausbau als ausreichend an. Ursprünglich war aber vier Gleise vorgesehen.

Für den Ausbau der S4 zwischen Geltendorf und Pasing setzt sich seit einiger Zeit unter anderem eine Bürgerinitiative ein, die jetzt Unterstützung von der Stadt Fürstenfeldbruck erhalten hat. Die Kreisstadt will die Staatsregierung dazu drängen, den Ausbau voranzubringen. Derzeit sei nicht einmal klar, bis wann und wie der dreigleisige Ausbau bis Eichenau realisiert werde, sagte Georg Stockinger von den Freien Wählern, der den entsprechenden Antrag im Stadtrat gestellt hatte. Die Bahn habe jüngst angekündigt, die Planungen für ein drittes Gleis bis 2018 abzuschließen. Einen Termin für den Baubeginn habe sie aber nicht genannt.

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