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Landsberg

14.06.2018

Die Ex-Freundin zum Sex gezwungen

Ein 37 Jahre alter Landsberger muss wegen Vergewaltigung für mehrere Jahre in Haft.
Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa (Symbolbild)

Er filmt seine Liebhaberinnen heimlich beim Liebesspiel und vergewaltigt seine ehemalige Freundin. Dafür wandert ein Landsberger mehrere Jahre in Haft.

Beim Sex hatte Diego L., 37, (Name geändert) eine seltsame, von seinen Partnerinnen nicht gerade als prickelnd empfundene Marotte: Er hielt in der einen Hand eine glimmende Zigarette, in der anderen eine Flasche Bier. Was die vielen Frauen, mit denen Diego ins Bett ging, nicht wussten und schon gar nicht ahnten: Der Peruaner, ein angeblich aus seiner Heimat geflohener Offizier, war beim Liebesspiel nicht nur mit Tabak und Gerstensaft „bewaffnet“, sondern auch mit einer kleinen Spy-Cam, einer Autoschlüssel-Kamera, mit der er die Sex-Szenen ohne Wissen seiner Partnerinnen festhielt.

Seit Herbst in Untersuchungshaft

Im Oktober 2017 entdeckte eine 32-jährige Frau, mit der Diego eines seiner zahlreichen Verhältnisse unterhielt, in einem Wohnwagen eine Festplatte. Darauf befanden sich 101 Sex-Videos und 122 entsprechende Fotos, die allesamt verdeckt aufgenommen worden waren. Der Peruaner saß zu dieser Zeit bereits in Untersuchungshaft unter dem Vorwurf, eine seiner vielen Partnerinnen vergewaltigt zu haben. Die 3. Strafkammer beim Landgericht Augsburg verurteilte ihn jetzt nach mehrtägigem Prozess zu viereinhalb Jahren Gefängnis.

Nicht nur das Opfer der Gewalttat, eine 27-jährige Frau aus dem Raum Landsberg, machte im Gerichtssaal erstmals Bekanntschaft mit weiteren sieben Ex-Freundinnen des Angeklagten. Auch die Verflossenen, die nacheinander als Zeuginnen aufmarschierten, lernten sich draußen auf dem Flur erstmals kennen. Was alle Frauen sichtlich wurmte, war die Tatsache, dass Diego sich stets als „Single“ ausgegeben hatte und dann mit mehreren Frauen gleichzeitig ins Bett gegangen war. Mal übernachtete er bei der einen, mal bei der anderen, besuchte die Dritte tagsüber, um sich mit ihr zu vergnügen. Von „Vielweiberei“ sprach Anwältin Marion Zech, die das Opfer der Vergewaltigung vertrat.

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Den Frauen tischt er abenteuerliche Geschichten auf

Allen Zeuginnen hatte der Südamerikaner diverse Geschichten aufgetischt: Er habe für den peruanischen Präsidenten gearbeitet, sei Jet-Pilot gewesen, habe als Mitglied einer Spezialeinheit Terroristen im Dschungel des Amazonas erschossen, habe „Kumpel beim Geheimdienst“ und so weiter.

„Ich habe damals alles geglaubt, unschöne Geschichten aus seiner Soldatenzeit“, gesteht eine der Ehemaligen. Sie lässt kein gutes Haar am Angeklagten. „Er war hinterlistig, raffiniert und gemein.“ Eine 36-Jährige bezeichnet Diego rückblickend als „temperamentvoll“. „Er hat sich genommen, was er wollte und kein Nein akzeptiert.“ Als „angenehmen Zeitvertreib“ schildert eine 29-Jährige freimütig die Stunden mit dem Angeklagten im Bett. Jeden Morgen sei er angeblich zur Arbeit gefahren. „Wahrscheinlich waren die anderen Frauen seine Arbeit“, mutmaßte die Zeugin ironisch. „Er fühlte sich überlegen, es ging immer nur um seine Bedürfnisse“, sagte eine andere Frau, 32. Irgendwann, so schilderte sie, habe sie Verdacht geschöpft, dass Diego „zweigleisig fuhr“, sprich noch eine zweite Liebhaberin hatte. „Zweigleisig?“, fragte da der Vorsitzende Richter Roland Christiani nach. „Das war ja ein ganzer Bahnhof.“

Am nächsten Morgen ging das Opfer zur Polizei

Die Beziehung zu dem späteren Vergewaltigungsopfer dauerte vier Jahre. Im September 2017 machte die Frau Schluss, obwohl sie ihn noch liebte. Eines Abends bemerkte sie das Glimmen einer Zigarette zwischen der herabgelassen Jalousie der Balkontüre. Draußen stand der Angeklagte, wollte noch einmal mit ihr reden. Sie bestand aber auf einer Trennung. Beide hatten noch einmal Sex. Nachts um 3 Uhr wachte sie auf. „Er hatte den Schalter plötzlich umgelegt“, schilderte sie dem Gericht. Er habe sich auf sie gesetzt, sie habe keine Luft mehr bekommen.

„Wenn Du jetzt nicht mitmachst, blase ich dir das Hirn raus. Und wenn du die Polizei rufst, ist in drei Sekunden alles vorbei. Meine Kumpel vom Geheimdienst werden dich überall auf der Welt finden“, habe er gedroht. Sie habe Todesängste ausgestanden, und um zu überleben dann seine sexuellen Wünsche weinend erfüllt. Am Morgen sei sie dann zur Polizei gelaufen, während er noch geschlafen habe.

Das Gericht sieht den Tatbestand der Vergewaltigung als erfüllt an

Staatsanwältin Tanja Horvath forderte fünf Jahre Haft. Marion Zech, Anwältin der Frau, wies auf die „äußerst gravierenden Folgen“ der Tat für ihre Mandantin hin, die der Angeklagte überdies nach Strich und Faden betrogen und finanziell ausgenutzt habe. Verteidiger Thomas Reitschuster versuchte die Glaubwürdigkeit der „Kronzeugin“ zu erschüttern und forderte einen Freispruch.

Die 3. Strafkammer war überzeugt, dass die Frau die Wahrheit sagt. Die Richter setzten das Strafmaß auf vier Jahre und sechs Monate fest. Richter Christiani machte dem Angeklagten klar, dass der Tatbestand der Vergewaltigung nicht nur dann erfüllt sei, „wenn man der Frau die Kanone an die Schläfe setzt“. Der Angeklagte habe die Frau mit seinen Sprüchen in Todesangst versetzt. „Die Tat war die Demonstration von Macht und Überlegenheit über eine Frau, die er zum Objekt degradiert hat.“ Der Angeklagte sagte, er wolle in Revision gehen.

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