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Pilotprojekt in Bayern

30.05.2011

Gefangene entwerfen Businessplan

Die unternehmerische Qualifizierung von Strafgefangenen haben sich Maren Frowein (stehend links) und Dr. Bernward Jopen (rechts) zur Aufgabe gemacht. Ihr Projekt Leonhard, eine gemeinnützige GmbH, qualifiziert aber nicht nur, sondern legt großen Wert auf die Vermittlung von Werten und Schlüsselkompetenzen.
Bild: Foto: Thorsten Jordan

Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt Landsberg haben einen Businessplanwettbewerb beendet. das Projekt stellt eine deutschlandweite Premiere dar.

Sie heißen White Smile GmbH, Day & Night oder Tapeasy und bei all diesen Bezeichnungen handelt es sich um Geschäftsideen. Die existieren bisher nur auf dem Papier und das Besondere daran: Die Jungunternehmer sind allesamt Gefangene der Justizvollzugsanstalt Landsberg. Mit einem Festakt wurde nun der Businessplanwettbewerb abgeschlossen, ein Sieger unter den sieben Teilnehmern gekürt – und das Ganze unter interessierter Anteilnahme auch der Öffentlichkeit, von Ministerium und Fachleuten.

Das ist nicht selbstverständlich, denn „Unternehmertum für Gefangene“ ist ein Pilotprojekt, das erste seiner Art in Deutschland. „Beide Seiten mussten sich erst kennenlernen“, umschreibt Maren Frowein die unterschiedlichen Auffassungen von Gefängnisleitung und Businesscoaches. JVA-Chefin Monika Groß nimmt kein Blatt vor den Mund: „Zwei Welten treffen da aufeinander.“ Im Laufe der Zeit, und die dauerte bislang immerhin 20 Wochen, habe man sich aber angenähert, viel voneinander gelernt.

Hilfreich dabei war sicher das gute Netzwerk von Dr. Bernward Jopen, der sich zum Ziel gesetzt hat, unternehmerische Tätigkeiten in gesellschaftlicher Verantwortung und ethischer Verpflichtung mit Unterstützung zahlreicher Mentoren zu unterstützen. Dazu hat er mit seiner Tochter Maren Frowein Leonhard gegründet, eine gemeinnützige GmbH zur unternehmerischen Qualifizierung von Gefangenen.

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Vorbild ist das Prison Entrepreneurship Program (PEP) in Texas. Maren Frowein und Bernward Jopen waren in den USA und haben miterlebt, mit welch großem Engagement staatliche Stellen dieses Resozialisierungsprogramm angehen. Über 600 Gefangene wurden in den vergangenen sechs Jahren in Texas auf dem Weg zurück in die Gesellschaft vorbereitet und begleitet. „Diese Begleitung ist ganz wichtig“, so Maren Frowein, deshalb werde in drei Abschnitten mit ausgewählten Gefangenen gearbeitet. Phase 1 ging jetzt zu Ende: die Ausbildung im Gefängnis. Dabei wurden von Dr. Jopen nicht nur wirtschaftliche Grundbegriffe vermittelt sowie die Erstellung eines Businessplanes, sondern auch Sozialkompetenz und Werte: „Die Leute mussten lernen, dass Vernunft und Vertrauen für den Erfolg in der Geschäftswelt unabdingbar sind.“

Lediglich zehn Prozent der Teilnehmer gründen eine Firma

Phase 2 ist die weitere Unterstützung und Begleitung der angehenden Jungunternehmer nach ihrer Entlassung. Jopen ist realistisch: „Erfahrungsgemäß gründen lediglich zehn Prozent eine Firma.“ Dennoch bleiben 90 Prozent übrig, „Menschen, die in anderen Kategorien denken.“ Dieser Abschnitt beinhaltet aber auch die meisten Risiken, denn der Schritt aus dem Gefängnistor bis in die unternehmerische Selbstständigkeit sei ein Quantensprung. Pascal E., einer der Teilnehmer: „Hoffnung ist keine da, ich bin da eher realistisch.“ Für ihn gehe es nach der Entlassung zunächst darum, wieder Fuß zu fassen, sich Wohnung und Job zu suchen und erst dann seinen Traum weiterzuverfolgen.

Dabei hat der 27-Jährige gute Voraussetzungen, seine Unternehmensidee, Vital-Training in Zusammenhang mit gezielter Ernährungsberatung für Privatkunden, erfolgreich umzusetzen. „Ich bin gelernter Koch und hab im Knast meine Ausbildung zum Fitnesstrainer begonnen.“ Seine Freundin ist Physiotherapeutin, an seinem Wohnort in München gäbe es ausreichend geeignetes Klientel. Davon war auch die Jury überzeugt und machte Pascal E. zum Sieger des Businesswettbewerbs.

Der Leiter des Kriminologischen Dienstes in Bayern, Dr. Johann Endres, jedenfalls hält das Leonhard-Projekt für einen interessanten Versuch mit einem spannenden Ansatz. Allerdings glaubt er nicht an die texanische Rückfall-Traumquote von lediglich zehn Prozent (normalerweise 50 bis 70 Prozent). Leonhard hält er aber schon jetzt für besser als andere Programme, ein Erfolg wäre für ihn „umwerfend“.

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