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Landsberg

03.12.2018

Gibt es bald eine Philharmonie in Landsberg?

Natürlich will Landsberg keine Elphilharmonie bauen. Aber der Veranstaltungssaal, den sich einige wünschen, wäre für Landsberg mit Sicherheit sehr hoch.
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Natürlich will Landsberg keine Elphilharmonie bauen. Aber der Veranstaltungssaal, den sich einige wünschen, wäre für Landsberg mit Sicherheit sehr hoch.
Bild: Verena Wolff/dpa (Archiv)

Der geplante Veranstaltungssaal in Landsberg wird zum Streitthema. Darüber wird am Donnerstag diskutiert. Auch der Projektplaner ist mit dabei. Was die Landsberger Kulturszene will.

Es sind nicht mehr nur ein paar Künstler, die den Plänen der Stadtverwaltung, im Baugebiet Wohnen am Papierbach nur einen kleinen Veranstaltungssaal entstehen zu lassen, kritisch gegenüber stehen. Immer mehr Veranstalter, darunter Snowdance, Filmforum und auch der Konzertveranstalter Edmund Epple setzen sich für eine große Lösung ein. Zu dem Thema gibt es am Donnerstag, 6. Dezember, ab 18.30 Uhr eine Veranstaltung in der neuen Aula der Mittelschule. Thema: Warum steht für Landsberg in Kürze eine Jahrhundertchance auf dem Spiel?

Lesen Sie dazu auch: Stadtsaal: Wird eine Riesenchance vergeigt?

„Bereits seit Juli 2015 sei der Bedarf für einen multifunktionalen Veranstaltungsraum in zentraler Lage für die vielfältigen Nutzungen der kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Akteure für bis zu 600 Besucher ermittelt und durch ein externes Gutachten im Jahr 2015 bestätigt worden“, heißt es in einem Schreiben von Wolfgang Hauck, der sich für einen großen Konzertsaal einsetzt und den Infoabend zusammen mit dem Geigenbauer Martin Schleske veranstaltet. Hauck: „Ich kenne rund 30 Veranstalter, die einen hohen Saal wollen.“

Für 80 Prozent der Interessenten ist der geplante Saal ungeeignet

Dieser Raumbedarf sei in die Bauplanung des Projekts „Urbanes Leben am Papierbach“ mit einem Veranstaltungsraum für rund 450 Teilnehmer aufgenommen worden und war auch Planungsgrundlage des Architektenwettbewerbs für das Baufeld B1. Allerdings beinhalte der aktuelle Planungsstand für dieses Gebäude von ehret+klein nur eine Raumhöhe von 4,40 Metern für den Veranstaltungsraum. Das schließe, so Hauck – und darin wird er von vielen Kulturschaffenden in Landsberg unterstützt – rund 80 Prozent der dringend erforderlichen Bedarfsdeckung für Theater, Musik, Events, Messen, Ausstellungen oder Tagungen aus. „Trotz verschiedener Bemühungen, diese Chance bedarfsgerecht und konstruktiv umzusetzen, gab es Verzögerungen und unzureichende Informationen für den Stadtrat und die Öffentlichkeit“, sagen Hauck und Schleske.

Projektleiter Michael Ehret wird bei der Veranstaltung am Donnerstag mit dabei sein. „Da auch Vertreter der Stadt zugesagt haben, komme ich gerne und werde gerne erläutern, dass eine große Lösung natürlich baulich möglich ist.“ Entscheiden müsse dies aber die Stadt Landsberg, so Ehret, denn eine solche Änderung kostet mehr. „Es ist ein höherer technischer Aufwand und durch den rund sechs Meter höheren Raum gehen zwei Wohnetagen verloren. Das müssen wir kompensieren und dazu muss die Stadt eine Entscheidung treffen.“ Es sei höchste Zeit, zu entscheiden, welchen Weg man gehen wolle, so der Projektentwickler. Er sei für alles offen, aber die Stadt müsse ihr Okay geben.

Wer alles an der Besprechung teilnimmt

Neben Michael Ehret haben von der Stadt Landsberg Claudia Flörke und die Bürgermeister Doris Baumgartl und Axel Flörke ihre Teilnahme für das Gespräch am Donnerstag zugesagt. Oberbürgermeister Mathias Neuner und Stadtbaumeisterin Birgit Weber haben aus terminlichen Gründen abgesagt. Weiter kommen laut Veranstalter Hauck die Vertreter aus Fraktionen von CSU, UBV, Grüne und Landsberger Mitte und viele Kulturschaffende.

Oberbürgermeister Mathias Neuner steht dem Projekt grundsätzlich wohlwollend gegenüber, das habe er Hauck und Schleske auch gesagt. „Es muss aber auch wirtschaftlich funktionieren“. Bisher wurde ihm von den Befürwortern des Projekts kein Betreiber genannt. „Den brauchen wir aber, wenn wir es finanzieren wollen. Es geht dabei nicht nur um die Finanzierung des Saals, sondern auch, wie man es weiter bespielen will.“ Neuner stellt hier die Frage, wie oft in Landsberg Veranstaltungen stattfinden, für die man einen solchen Konzertsaal braucht. „Ich brauche – bevor wir dem zustimmen können – einen Bedarf, der auch nachgewiesen ist.“

Wir haben uns in der Landsberger Kulturszene umgehört. Hier einige Stimmen:

  • Kurt Tykwer (Filmforum): Was mich so sehr ärgert, ist, warum das jetzt alles noch mal besprochen werden muss und warum bisher nichts passiert ist. Alle Kulturschaffenden haben doch in den Gesprächen mit der Stadt ihren Bedarf angemeldet und gesagt, wie wichtig ein akustisch hochwertiger Raum mit großer Höhe ist. Natürlich brauchen wir den, wir improvisieren doch alle im Moment nur. Solch eine Entscheidung muss doch auch in die Zukunft gehen und uns bessere Chancen bieten.
  • Tom Bohn (Snowdance): Snowdance will in jedem Fall eine große Lösung, es ist für uns immens wichtig. Wir wachsen als Festival in jedem Jahr und brauchen neben dem Stadttheater noch andere Möglichkeiten. Das wäre sehr wünschenswert, da wir auch internationale Produktionen mit im Programm haben. Ich werde deshalb die Initiative unterstützen.
  • Edmund Epple (Musikveranstalter): Ich möchte mich hiermit mit ein paar persönlichen Worten zu einer in Landsberg heiß gelaufenen Diskussion zu Wort melden. Jeder, der sich ein wenig mit den Gegebenheiten vor Ort beschäftigt, weiß, dass ein Saal fehlt, der in etwa in der Größe zwischen Stadttheater und Sportzentrum liegen müsste, um Veranstaltungen mit 400 bis 600 Besuchern zu ermöglichen. Es kann sich dabei nur um multifunktionale Nutzungen handeln, die Konzerte aller Art miteinschließen. Sicher auch klassische Konzerte. Aber das noch größere Defizit liegt in Landsberg bei Orten für Rock, Pop.
  • Franz Lichtenstern (Kammermusik im Bibliothekssaal und Rathauskonzerte): Ein solcher Saal ist natürlich gut, auch wenn mir im Moment die Begründungen in Sachen Auslastung noch zu dünn sind. Denn die Konzerte von der Hochschule für Musik werden auch in München nicht so gut besucht. Für die Konzerte von Edmund Epple würde sich so ein Saal wunderbar eignen, für unsere Konzerte eher nicht. Es würde den Charakter total verändern und das Rathaus und der Bibliothekssaal reichen bei uns völlig aus und gehören auch da hin. Es ist eine große Arbeit, so große Säle zu bespielen und wenn das niemand subventioniert, dann werden die Eintrittspreise sehr hoch sein.
  • Dietmar Michl (Landsberger Konzertbüro): Wir sind jetzt mit dem neuen Saal in der Mittelschule voll zufrieden. Er ist gut gebucht und die Akustik ist bei einer Raumhöhe von 6,5 Metern in Ordnung. Außerdem kann man den Raum teilen. Noch toller wäre dort eine Galerie gewesen, aber wird sind zufrieden. In die Sporthalle gehen wir nicht so gerne, denn dort sieht es auch mit 700 Besuchern leer aus. Ein Saal, wie er jetzt diskutiert wird, ist sehr exklusiv. Und er müsste mit auswärtigen Veranstaltern bespielt werden. Doch in der Nähe von München gehen die meisten Veranstalter in die Philharmonie nach München und nicht nach Landsberg.

Lesen Sie den Kommentar zum Thema: Konzertsaal: Wirklich eine Utopie?


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