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Denklingen

18.06.2020

Hirschvogel: Der leere Parkplatz als Bild für die Krise

Die Firma Hirschvogel aus Denklingen hat bis zum Jahresende Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur angemeldet. Die Auswirkungen werden durch die freien Parkplätze auf dem Firmengelände sichtbar.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Firma Hirschvogel hat bis zum Jahresende Kurzarbeit angemeldet. Was das Denklinger Unternehmen zu den Themen Stellenabbau und Perspektiven sagt.

Die Folgen der Corona-Krise spüren viele Betriebe im Landkreis. Massiv betroffen davon ist auch der Automobilzulieferer Hirschvogel, Denklingens größter Gewerbesteuerzahler. Bürgermeister Andreas Braunegger sagte kürzlich im LT, dass die Gemeinde heuer mit „minimalen Einnahmen“ bei der Gewerbesteuer rechne. Unsere Zeitung hat bei dem Unternehmen nachgefragt, wie die Situation aktuell ist.

Laut Pressesprecherin Michaela Heinle rechnet Hirschvogel mit einem deutlichen Umsatzrückgang gegenüber dem Jahr 2019. Da waren es laut Automobilzulieferer 1,23 Milliarden Euro. „In welcher Größenordnung dieser schlussendlich ausfallen wird, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen.“ Wegen der coronabedingten Beschränkungen seien die Absatzzahlen beim Autoverkauf massiv eingebrochen. Hirschvogel rechnet damit, dass die Auswirkungen noch länger zu spüren sein werden, und hat deswegen „vorsorglich bis Ende 2020“ Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur beantragt. Die wurde bei Hirschvogel Komponenten in Schongau bereits Ende März eingeführt und bei der Hirschvogel Umformtechnik und der Hirschvogel Holding in Denklingen im April.

„Alle Unternehmensbereiche sind von Kurzarbeit betroffen. Die Kurzarbeitsquote liegt bei durchschnittlich 50 Prozent“, so Heinle. Weil Kunden Aufträge kurzfristig vergeben oder stornierten, gebe es bei der Auslastung Schwankungen. Der Konzern hat in Denklingen 2000 Vollzeitstellen und in Schongau 900. Mitarbeiter sind es mehr, weil ein Teil der Beschäftigten in Teilzeit arbeitet. Weltweit sind es etwa 5800 Stellen. Das Denklinger Unternehmen ist in der Automobilbranche aber keine Ausnahme. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bezifferte bei einer Pressekonferenz am vergangenen Dienstag die Zahl der Mitarbeiter, die in der Automobilbranche im Freistaat in Kurzarbeit sind, auf 350.000.

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Die Corona-Krise verschärft die Probleme der Branche

Die Corona-Krise verschärft die Probleme der Branche noch weiter. Diese befindet sich wegen sinkender Absatzzahlen bei Autos mit Verbrennungsmotor und dem Thema E-Mobilität ohnehin im Umbruch. Hirschvogel hatte im vergangenen Jahr weltweit 260 Vollzeitstellen abgebaut – betroffen waren 100 Leiharbeiter. Auch Mitarbeitern, die Altersteilzeit nutzen oder Stunden reduzieren wollten, legte die Firma keine Steine in den Weg. Zudem wurde der Bau des Verwaltungsgebäudes gestoppt. Hirschvogels Vertriebschef Thomas Brücher wies bei der Bilanzpressekonferenz im Februar zudem auf eine weitere große Herausforderung hin: „Wichtiger als die Antriebsform oder die Fahrdynamik sind in Zukunft das bequeme und sichere Fahren mit all den Möglichkeiten, die die digitale Technik bietet.“

Stellenstreichungen wird es trotz der aktuellen Krise laut Pressesprecherin Heinle nicht geben. „Das Arbeitsmarktinstrument der Kurzarbeit hilft uns in dieser schwierigen Situation, sodass es nicht zu einem Stellenabbau kommen wird. Die Nachbesetzung von durch Fluktuation oder Altersteilzeit-Angebote frei werdenden Stellen werden wir aber weiter sehr kritisch angehen.“

Was sich bei Hirschvogel zusätzlich niederschlägt, ist, dass das Unternehmen auch Standorte im Ausland hat. Während in den Werken in Deutschland über die komplette Zeit hinweg mit reduziertem Umfang die Produktion aufrecht erhalten werden konnte, mussten außereuropäische Standorte auf Anordnung der jeweiligen Regierung schließen. Hirschvogel hat Werke in Indien, China, den USA und Mexiko. Hinzu kommen Unterschiede im zeitlichen Ablauf. Das Werk in China war vor allem im Januar und Februar von der Pandemie betroffen. In den Monaten April und Mai, in denen sich der Abschwung in Deutschland intensiv bemerkbar machte, sei in China wieder hochgefahren worden. Dort wird laut Heinle aktuell normal produziert.

Hirschvogel wagt keine Prognose

Was die kommenden Monate angeht, ist das Unternehmen „verhalten optimistisch“, auch wegen der von der Bundesregierung und der Europäischen Union beschlossenen Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur. Konkrete Prognosen wagt Hirschvogel aktuell aber nicht. „Dafür war der Einbruch zu massiv, und die Aussichten sind noch zu unsicher.“ Bei den Investitionen fließt heuer weniger Geld als in den Jahren zuvor, das Thema habe aber weiter einen hohen Stellenwert, so Heinle. Dies sei eine „Investition in die Wettbewerbsfähigkeit“, um sicherzustellen, dass das Unternehmen „gestärkt aus dieser Krise“ hervorgehen werde. Die Geschäftsführung geht zudem davon aus, dass die Pandemie den Transformationsprozess der Branche noch weiter beschleunigen wird. Hirschvogel setzt inzwischen verstärkt auch auf das Thema E-Mobilität. Rund eine Million Rotorwellen für Motoren von E-Autos seien vergangenes Jahr produziert worden, berichtete Vertriebschef Thomas Brücher bei der Bilanzpressekonferenz.

Denklingen hat derweil wegen des erwarteten Ausfalls bei der Gewerbesteuer zwei größere Projekte gestoppt: den Ausbau der Straße Am Weiher für 700.000 Euro und den Neubau des Wertstoffhofs. Für den Erwerb des Grunds für den Wertstoffhof zahlt die Gemeinde 255.000 Euro. Dessen Errichtung kostet laut Planungen 312.000 Euro.

Lesen Sie dazu auch: Automobilzulieferer Hirschvogel steckt voll in der Krise

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