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Jahrestag der ersten Hinrichtungen: Aus der Geschichte lernen

Kommentar Von Dominic Wimmer
19.11.2020

Plus Vor 75 Jahren wurden die ersten als Kriegsverbrecher verurteilten Männer in Landsberg hingerichtet. Warum es wichtig ist, auch an die Täter zu erinnern, schreibt LT-Redakteur Dominic Wimmer in seinem Kommentar.

Landsberg. Der Name der Stadt ist bundesweit bekannt, aber auch im Ausland kennen viele Menschen den Ort, wo Adolf Hitler im Gefängnis saß und Teile seines Buches „Mein Kampf“ schrieb. Die spätere „Stadt der Jugend“ war für die Nazis von Bedeutung und die Festung entwickelte sich zur Pilgerstätte, weil der „Führer“ dort inhaftiert gewesen ist. Aber Landsberg (und Kaufering) wurde(n) auch zum Schauplatz der Nazi-Gräuel – in den Außenlagern des KZ Dachau, wo Tausende Häftlinge starben oder getötet wurden. Doch auch im Nachkriegsdeutschland wurde Landsberg eine Rolle in den Geschichtsbüchern zuteil. In der Stadt am Lech saßen Nazis, ehemalige Soldaten, SS-Leute, KZ-Personal und andere ein, fanden dort ihren Tod und in den meisten Fällen auf dem Spöttinger Friedhof ihre letzte Ruhestätte.

Opfer und Täter wurden am selben Ort begraben

Immer wieder wurden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und in den Jahrzehnten Vorwürfe von Siegerjustiz und Zweifel an der Rechtmäßigkeit der (Todes-)Urteile laut, nicht zuletzt aufgrund von Aussagen der Verurteilten gegenüber Seelsorgern und anderen Personen. Sie beteuerten immer wieder ihre Unschuld. Auch mehrere Publikationen zu diesem Thema wurden veröffentlicht. Kritiker werfen diesen Autoren Revisionismus vor und sagen, dass alle Urteile gerecht waren.

Was bleibt 75 Jahre nach den ersten Hinrichtungen von als Kriegsverbrechern verurteilten Männern im Gefängnis Landsberg? Auf jeden Fall das ungute Gefühl an grausame Zeiten rund um die NS-Zeit. Allein das Vorbeifahren/-gehen an der heutigen JVA oder ein Besuch des aufgelassenen Spöttinger Friedhofs, wo nicht nur Kriegsverbrecher, sondern auch Kriminelle und NS-Opfer ihre letzte Ruhe gefunden haben, hinterlassen bedrückte Stimmung. Die meisten von uns haben die Zeit des Dritten Reichs nicht mehr miterlebt und kennen auch das unmittelbare Nachkriegsdeutschland nicht.

Die Geschichte Landsbergs sollte jeder kennen

Die Hingerichteten von Landsberg und natürlich auch ihre Opfer sollten uns auf jeden Fall eine Mahnung sein, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Umso wichtiger ist es, die bewegte und zum Teil auch traurige Epoche dieser so wunderschönen Stadt am Lech zu kennen und ihre dunklen Flecken immer wieder in Erinnerung zu rufen.

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