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Landsberg

25.10.2020

Kritik an Landrat Thomas Eichinger wegen Fuchstalbahn

Vor gut 35 Jahren wurde der Personenverkehr auf der Fuchstalbahn eingestellt. Hinter der Reaktivierung der Strecke stehen weiter Fragezeichen.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Plus Eine Initiative kritisiert Landrat Thomas Eichinger wegen seiner Äußerungen zur Fuchstalbahn. Wie Politiker im Landkreis Weilheim-Schongau zu dem Vorhaben stehen.

Während einer Sitzung des Umwelt- und Mobilitätsausschusses des Landsberger Kreistags im vergangenen Monat wurde deutlich: Hinter der Reaktivierung der Fuchstalbahn steht weiter ein Fragezeichen. Landrat Thomas Eichinger ( CSU) befürchtet vor allem große finanzielle Belastungen und kritisiert die Reaktivierungskriterien der Bayerischen Staatsregierung, welche der Landkreis nicht stemmen könne. Bei der Umweltinitiative Pfaffenwinkel sorgen die Äußerungen des Landrats für Unmut.

Wie berichtet, sorgt vor allem die Frage, wie die rund 30 Kilometer lange Strecke zwischen Landsberg und Schongau reaktiviert werden soll, für Diskussionen. 1984 wurde der Personenverkehr auf der Linie eingestellt. Landrat Eichinger ist eigener Aussage nach dafür, diese wieder in Betrieb zu nehmen. Aus Sicht des Landkreises sei allerdings nicht darstellbar, dass dieser die gesamte Technik finanzieren soll. „Wir wären zudem der erste Landkreis, der eine Schienenverbindung unterhält“, sagte er kürzlich in der Ausschusssitzung. Ein weiterer Knackpunkt sei, dass ein Eisenbahnunternehmen gefunden werden müsse, das die Strecke und deren Stationen dauerhaft betreibt.

Umweltinitiative Pfaffenwinkel widerspricht Landrat

Dem widerspricht die Umweltinitiative Pfaffenwinkel. Der Schongauer Harald Baumann, Sprecher des Arbeitskreises Fuchstalbahn, wirft dem Landrat in einem offenen Brief vor, den Eindruck zu erwecken, als sei „die Fuchstalbahn zum Scheitern verurteilt.“ Es sei nicht richtig, dass der Landkreis mit der Reaktivierung der Fuchstalbahn eine Schienenverbindung unterhalten und die gesamte Technik finanzieren müsse. „Richtig ist, dass der derzeitige Betreiber und Eigentümer der Strecke die DB-Netz AG ist und diese auch behalten wird“, heißt es in dem Schreiben. Demnach würde DB-Netz für die Streckenertüchtigung aufkommen. „Der Personenzugverkehr selbst wird von einem Unternehmen gewährleistet, das den Zuschlag im Rahmen einer Ausschreibung durch den Freistaat erhält.“

Der Landsberger Landrat Thomas Eichinger.
Bild: Klöck

Wie Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamts, auf Anfrage des LT mitteilte, will sich Landrat Thomas Eichinger zu den Kritikpunkten der Umweltinitiative nicht äußern. Der Politiker werde zu dem Thema wieder Stellung beziehen, sobald es neue Informationen gebe.

Kreis Weilheim-Schongau befürwortet Reaktivierung

Wegen möglicher Fördermittel richtete sich die Schongauerin Evelyn Baumann – Ehefrau von Harald Baumann – jetzt mit einer Petition an den Landtag. Durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz seien viele Förderungen durch den Bund im Rahnen des Klimapakets beschlossen worden. Allerdings sind laut Evelyn Baumann nun Gesetzesänderungen auf Landesebene nötig, welche sie durch ihr Schreiben erreichen möchte. Der Bund stelle demnach 90 Prozent Fördermittel zur Verfügung, wenn eine stillgelegte Bahnstrecke reaktiviert wird.

Wie steht der Landkreis Weilheim-Schongau zur Reaktivierung? Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) verweist auf eine Kreistagssitzung, die vor genau einem Jahr stattfand. Damals wurde beschlossen, dass der Kreis Weilheim-Schongau die Reaktivierung des Personennahverkehrs auf der Fuchstalbahn befürwortet. Die Sorgen des Landsberger Landrats Eichinger teile sie jedoch, sagt Jochner-Weiß. Sie verweist zudem darauf, dass die Gemeinde Hohenfurch eher gegen die Reaktivierung sei, während die Stadt Schongau hinter dem Vorhaben stehe.

Schongaus Bürgermeister will runden Tisch

Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) sagt auf Anfrage des LT: „Für eine erfolgreiche Verkehrswende und für die Stadtentwicklung wäre eine Reaktivierung für den Personenverkehr für Schongau und die anderen Kommunen im Ammer-Lech-Land sehr wichtig“. Da regelmäßig Güterverkehr auf der Strecke unterwegs sei, bestehe bereits eine intakte Bahntrasse. Laut Sluyterman könnte daher mit recht einfachen Mitteln wieder Personenverkehr stattfinden.

Im Juli war Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Mitte) zu Besuch in der Gemeinde Fuchstal und zeigte sich zuversichtlich, dass eine Wiederinbetriebnahme der Fuchstalbahn möglich sei. Im Landsberger Kreisausschuss für Umwelt und Mobilität ist man weniger optimistisch.
Bild: Thorsten Jordan

Die Reaktivierungskriterien des Freistaats Bayern seien allerdings „wenig hilfreich“ für den Beginn des Prozesses. Der politische Druck müsse dahin führen, dass diese Kriterien abgeschwächt werden. „Die Bedenken des Landkreises beziehungsweise des Landrats Eichinger, die offenbar vor allem wegen der Kostenfrage bestehen, hoffe ich im Rahmen eines runden Tisches ausräumen zu können“, sagt Falk Sluyterman. Zu diesem wolle er am 26. November laden.

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