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Landsberg

03.02.2020

Landsberger Stadtbus: Fahrgäste üben nach Unfall Kritik

Ein Unfall, bei dem in einem Stadtbus drei Frauen verletzt wurden, sorgt in Landsberg für Diskussionen.
Bild: Thorsten Jordan/Archiv

Plus Bei einer Vollbremsung eines Linienbusses werden in Landsberg drei Frauen verletzt. Danach berichten LT-Leser von weiteren brenzligen Situationen. Was die Polizei sagt und wie das verantwortliche Unternehmen reagiert.

Nach einem Unfall eines Landsberger Stadtbusses vergangene Woche haben sich viele LT-Leser beschwert. Auf unserer Facebookseite schilderten sie Fälle, in denen Fahrer zu schnell unterwegs gewesen seien und Verkehrsregeln missachteten. Unsere Redaktion hat nachgefragt – bei Polizei, Busfirma und Stadt.

Wie berichtet, hatte ein 63 Jahre alter Busfahrer am Donnerstagmittag in der Weilheimer Straße im Landsberger Osten eine rote Fußgängerampel übersehen. Bei der Notbremsung wurden drei Frauen durch den Bus geschleudert. So harsch die Kritik am Stadtbus und seinen Fahrern danach ausfällt, so wenig hat das Thema die Polizei bislang beschäftigt. Ausnahme ist natürlich der Vorfall am Donnerstag im Landsberger Osten. „Wenn Leute stehend transportiert werden, gibt es natürlich Gefährdungssituationen, wenn ein Busfahrer auf ein Ereignis reagieren muss. Dann haut sich mal jemand den Kopf an und kann sich nicht mehr rechtzeitig festhalten. Aber das ist ja ein generelles Problem im Busverkehr“, sagt Michael Strohmeier. Dem kommissarischen Leiter der Polizei Landsberg zufolge gab es in der Vergangenheit kaum Vorfälle mit dem Landsberger Stadtbus.

Ein solcher Unfall passiert ganz selten

Der Unfall von vergangener Woche sei zum Glück ein Ereignis, das ganz ganz selten vorkomme. „Bislang gab es kaum einen Fall durch Eigenverschulden des Fahrers. Dieser war jetzt aber schwerwiegend – das hatten wir in dieser Art und Weise bislang nicht, dass Passagiere aus den Sitzen geschleudert werden.“ Der 63-jährige Busfahrer habe aufgrund der Notbremsung noch rechtzeitig vor der Roten Ampel anhalten können. „Der Fahrer hat es komplett übersehen“, so Strohmeier. Eine Fußgängerin, die an der Ampel wartete und bereits Grün hatte, blieb sicherheitshalber stehen.

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Zwei der drei Passagierinnen, die aufgrund der Notbremsung im Bus nach vorne gegen Haltestangen geschleudert worden waren, konnten nach ambulanter Versorgung das Krankenhaus am gleichen Tag wieder verlassen. Die 41-Jährige, die einen Knochenbruch erlitt, wurde stationär aufgenommen. Jetzt erwartet den Busfahrer laut Polizei ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr.

Die Branche hat ein Personaproblem

Der örtliche Betriebsleiter der Firma Waibel Bus, Horst Argesheimer, wollte sich am Montag nicht zu dem Unfall äußern. Waibel Bus ist ein Tochterunternehmen der Firma Deubus im hessischen Kirchhain. Deren Geschäftsführer Wilfrid Venerius erklärte, er könne sich zu dem Thema nur allgemein äußern, da er über den Unfall noch keinen Bericht vorliegen habe. Unfälle mit Personenschäden betrachte man genau, betont er. Man spreche mit den geschädigten Fahrgästen und befrage den Fahrer, wie sich für ihn eine solche Situation dargestellt habe. „Wenn jemand unsicher ist, werden wir ihn auch entsprechend nachschulen“, betont Venerius. Falle jemand wiederholt mit Unfällen auf, könne die Konsequenz auch ein mehrtägiges Fahrsicherheitstraining sein. Generell sei man bemüht, Fahrer im Betrieb zu halten: „Wir sind schon sehr auf die Busfahrer angewiesen“, räumt Venerius ein und verweist auf den allgemeinen Mangel an Personal in der Branche.

Die Stadt leitet Beschwerden weiter ans Unternehmen

Bereits kurz nach der Übernahme des Stadtbusverkehrs durch die Waibel Bus GmbH hatte es im Mai 2018 einen Unfall gegeben, bei dem ein elfjähriger Bub kurzzeitig in eine Tür eingeklemmt wurde. Damals bot die Stadt Landsberg an, sich bei Problemen an die Stadträtin Barbara Juchem oder ans Bürgerbüro wenden zu können. Juchem erklärte, dass es anfangs Beschwerden wegen fehlender seitlicher Klappsitze gegeben habe. Diese seien jedoch nachgerüstet worden, seither habe sie mit dem Stadtbus eigentlich nichts mehr zu tun gehabt.

Jetzt schlug das Thema Stadtbus bei Juchem aber wieder auf. Nach dem Unfall erhielt sie mehrere E-Mails. Doch wie kann für mehr Sicherheit gesorgt werden? Für Juchem keine einfache Frage. Spontan denkt sie daran, dass auch Linienbusse mit Sicherheitsgurten ausgestattet werden sollten. Das Bürgerbüro leitet Beschwerden an das zuständige Busunternehmen weiter, erklärte Stadtsprecher Andreas Létang die Praxis in der Verwaltung. Über Umfang und Inhalte dieser Beschwerden konnte er keine Auskunft geben.

Rücksichtsloses Fahren und Vollbremsungen

Auf der Facebookseite des LT hat der Unfall vom Donnerstag viele Reaktionen ausgelöst. Wiederholt wurde von rücksichtslosem Fahren und Vollbremsungen bei Waibel Bus berichtet. Eine Userin schrieb, sie sei bereits zweimal „durch den Bus geflogen und endete im Krankenhaus“. Auf ein Schreiben von ihr an die Stadt sei keine Reaktion erfolgt, beim Busunternehmen selbst sei sie „unfreundlich abgefertigt“ worden. Mehrfach heißt es auch, dass der Stadtbus besser gewesen sei, als er noch von der Landsberger Firma Eisele abgewickelt wurde. Das war bis 2018 der Fall. Die anschließende Neuausschreibung gewann die Firma Waibel Bus, die für zehn Jahre den Zuschlag erhielt.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Stadtbus: Eine einfache Lösung gibt es nicht

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