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Igling

30.01.2021

Nimmt im Kreis Landsberg ein Jäger Katzen ins Visier?

Hat ein Jäger gezielt auf Katzen angelegt und die toten Tiere bei Igling abgelegt? Der Vorfall sorgt weiter für Gesprächsstoff.
Foto: Weigel (Symbol)

Plus Der rätselhafte Fall der bei Igling gefundenen toten Katzen sorgt weiter für Gesprächsstoff. Eine Tierschützerin warnt vor einer Vorverurteilung. Was der Kreisvorsitzende des Jagdverbands zu dem Vorfall sagt.

Über 5000 Euro Belohnung haben Tierschutzorganisationen ausgesetzt, um bei der Suche nach dem Katzenmörder von Igling mitzuhelfen. Gebracht hat es nichts: Wie berichtet, hat die Polizei die Ermittlungen eingestellt. Aber diese brachten ein beunruhigendes Detail ans Licht: Die Katzen, die bei der B17 vor gut einem Jahr gefunden wurden, waren erschossen worden. War etwa ein Jäger am Werk? Was der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins Landsberg dazu sagt.

Es war ein grausiger Fund, den ein Lkw-Fahrer im Februar 2020 gemacht hatte: Die Kadaver von sieben Katzen waren von einer Brücke auf dem Mittelstreifen der B17 geworfen worden. Schon im Vorjahr waren dort vier tote Katzen gefunden worden. Nach dem zweiten Fund war Anzeige erstattet worden und die Tierkadaver wurden genauer untersucht.

Die gefundene Munition wird von Jägern benutzt

Dabei stellte sich heraus, dass sie nicht, wie anfangs vermutet, erschlagen, sondern erschossen worden waren. Und zwar mit Teilmantelgeschossen, die auch von Jägern benutzt werden. So ermittelte die Polizei unter anderem im Jagdrevier Unterigling. Georg Duschl, der Kreisvorsitzende Landsberg des Jagdschutz- und Jägervereins Landsberg, wusste von den Ermittlungen nichts. „Allerdings fielen wegen Corona auch alle Versammlungen aus“, sagt er. Was die Munition betreffe, so Duschl, würde diese nicht nur von Jägern benutzt: „Auch Förster verwenden Teilmantelgeschosse, und jeder, der einen Waffenbesitzschein hat, kann diese Munition auch kaufen.“

Vermutlich von dieser Brücke wurden die Kadaver auf den Mittelstreifen der B17 geworfen.
Foto: Thorsten Jordan

Gegen einen Jäger spreche die Tatsache, dass die Katzen auf den Mittelstreifen der B17 geworfen wurden. „Wenn ein Jäger eine Katze schießt, dann vergräbt er sie oder bringt sie zur Tierkörperverwertung.“ Die Tat selbst verurteilt Georg Duschl zutiefst. „Natürlich gibt es auch unter Jägern solche und solche, aber man muss doch immer daran denken, dass dieses Tier jemandem gehört.“ Und Katzen, so der Jäger, hätten dieselbe Daseinsberechtigung wie alle anderen Tiere.

"Man erschießt kein Tier, nur weil man sich ärgert."

Auf eine Katze zu schießen, sei die absolute Ausnahme, auch wenn es das Jagdgesetz erlaube. „Und man erschießt kein Tier, nur weil man sich darüber ärgert.“ Aber eine Katze sei eben als Jäger nicht nur für Vögel, sondern auch beispielsweise Feldhamster gefährlich und „diese Tiere müssen ebenfalls geschützt werden“. Duschl selbst habe ein Mal eine Katze getötet, „das ist aber schon 35 Jahre her“. Und damals jagte und tötete die Katze auf einer Waldlichtung Kiebitze, die als Bodenbrüter keine Chance gehabt hätten. Er würde sich von den Tierbesitzern wünschen, dass diese auch ihre Verantwortung wahrnehmen würden.

Dass die an der B17 gefundenen Katzen erschossen wurden, „muss ich erst mal verarbeiten“, sagt Andrea Mittermeir. Sie ist die Vorsitzende des Vereins Katzentatzen, der sich im Raum Landsberg und Fürstenfeldbruck um Katzen kümmert. Dass man aus den Schussverletzungen nun folgern könne, dass es sich um einen Jäger gehandelt haben müsse, davor warnt sie.

Tierschutzvereine setzen hohe Belohnung aus

„Natürlich erinnert man sich sofort an die Nachrichten, als eine Jägerin eine Katze erschossen hat, die sie in ihrer Falle gefunden hat“, sagt Andrea Mittermeir. Dieser Vorfall habe ein schlechtes Licht auf die Jäger geworfen, aber man dürfe da nicht alle über einen Kamm scheren. Insgesamt ist sie zwar nicht überrascht, aber dennoch enttäuscht, dass die Ermittlungen nichts erbracht haben. Ihr Verein hatte damals erst 500 Euro zur Belohnung des Täters ausgelobt, andere Organisationen hatten sich angeschlossen, sodass die Belohnung am Ende 5500 Euro betragen hatte. Nur gebracht habe es nichts.

Iglings Bürgermeister Günter Först (mit seinem Kater Simba) hat zuletzt von keinen weiteren verschwundenen Katzen erfahren.
Foto: Christian Rudnik (Archiv)

Auch eher auf einen „Katzenhasser“ tippt Detlef Großkopf, Vorsitzender des Tierschutzvereins Landsberg. Und auf Katzen lasse es sich leichter schießen als auf Hunde: „Wenn man einen großen Hund nur verletzt und nicht tötet, wird es gefährlich“, so Großkopf – da sei es leichter, seine Aggressionen an Katzen auszuleben, da sich diese nicht wehren würden. Aber vielleicht, so Großkopf, helfe ja noch „Kommissar Zufall“, um den Täter doch noch zu fassen. Zumindest, so der Chef des Landsberger Tierheims, seien in jüngster Zeit nicht vermehrt Katzen als vermisst gemeldet worden.

Die Zahl der vermissten Katzen hat nicht zugenommen

Das bestätigt Andrea Mittermeir von „Katzentatzen“, und auch Iglings Bürgermeister Günter Först sind keine weiteren Fälle zu Ohren gekommen – die meisten der getöteten Katzen waren ja in Igling zu Hause gewesen. „Dass der Täter nicht gefunden wurde, wundert mich nicht. Es wäre ein Zufall gewesen, hätte man ihn gefasst. Es wäre aber schön gewesen“, sagt Först. Dass die Tiere erschossen wurden, empfindet er als „irritierend“, aber im Endeffekt sei es egal, ob sie erschossen oder erschlagen wurden: „Es gibt eben leider Leute, die Spaß daran haben, Tiere zu quälen. So etwas ist einfach schade für alle, die Katzen lieben.“ Sein Kater Simba ist übrigens immer noch regelmäßig unterwegs – und auch immer wieder nach Hause gekommen.

Wie die Polizei Landsberg auf Anfrage mitteilt, habe es seit Beginn der Ermittlungen keine weiteren Anzeigen in Bezug auf getötete Katzen gegeben.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der feige Katzenmörder von Igling

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