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Landsberg

04.03.2020

Prozess: 8400 Euro Strafe nach tödlichem Unfall am Zebrastreifen

An dem Zebrastreifen an der Carl-Friedrich-Benz-Straße in Landsberg hat sich am 5. Oktober 2019 ein tödlicher Verkehrsunfall ereignet. Dieser beschäftigte jetzt das Amtsgericht.
Bild: Julian Leitenstorfer/Archiv

Plus Ein Autofahrer erfasst an einem Zebrastreifen in Landsberg einen Fußgänger. Das Gericht sieht ein fahrlässiges Verhalten des Mannes.

Wäre der tödliche Verkehrsunfall an dem Zebrastreifen in der Carl-Friedrich-Benz-Straße in Landsberg am 5. Oktober 2019 zu verhindern gewesen? Mit dieser Frage hat sich jetzt Amtsgericht in Landsberg beschäftigt. Ein 48-jähriger Mann stieß damals mit seinem Wagen mit einem 75-jährigen Fußgänger zusammen, der die Fahrbahn überqueren wollte. Dabei wurde der Fußgänger so schwer verletzt, dass er kurz darauf verstarb. Jetzt wurde der Autofahrer zu einer Geldstrafe verurteilt.

Gegen den Autofahrer wurde ein Strafbefehl erlassen. Wegen fahrlässiger Tötung wurde ihm eine Geldstrafe von 8400 Euro (120 Tagessätze á 70 Euro) auferlegt, außerdem wurde ein zweimonatiger Entzug der Fahrerlaubnis angeordnet. Dagegen erhob der Autofahrer Einspruch. Darüber wurde jetzt vor Richter Michael Eberle verhandelt.

Ein Zeuge sah das Unglück kommen

Hätte der tödliche Unfall vermieden werden können? Darum drehte sich im Wesentlichen die Hauptverhandlung. Im schriftlichen Gutachten des Sachverständigen stellte sich laut Richter Eberle die Sache zunächst nicht so eindeutig dar. Insbesondere nach der Aussage eines Zeugen verfestigte sich bei Eberle jedoch der Eindruck, dass der Unfall hätte vermieden werden können.

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Der Zeuge, der mit seinem Auto aus Richtung der Lechwiesenstraße an den Zebrastreifen heranfuhr, sagte, er habe schon etwa 100 Meter vor dem Zebrastreifen wahrgenommen, dass der ältere Mann ohne auf die Straße zu schauen die Fahrbahn queren wollte. Zugleich sei ein Auto aus Richtung Augsburger Straße gekommen ohne die Geschwindigkeit zu verringern. „Da habe ich mir gedacht, einer von Euch muss jetzt spätestens reagieren, doch leider hat am Ende keiner von beiden reagiert“, sagte der Zeuge. Der Fußgänger habe dann noch versucht, die Fahrbahn zu verlassen und der Autofahrer sei auf die Bremse gestiegen. Doch es war zu spät, um einen Unfall zu vermeiden: Der Mann wurde von dem Auto erfasst und zog sich schwere Verletzungen zu, denen er zwei Stunden später erlag.

Im Gerichtssaal wird gerechnet

Hätte der Angeklagte den Fußgänger früher – aus einer Entfernung von 50 Metern – wahrnehmen können, wollte der Richter wissen. Ja, antwortete der Sachverständige. Hätte er vor dem Zebrastreifen sein Fahrzeug zum Halten bringen können? „Es kommt darauf an, wie stark er bremst“, erklärte der Experte. Dann wurde gerechnet: Bei einer Geschwindigkeit von 50 Stunden und einer Reaktionszeit von einer Sekunde könne das Auto bei einer Vollbremsung nach 28 Metern zum Stehen gebracht werden. Hätte der Autofahrer den Fußgänger in einer Entfernung von 50 Metern rechtzeitig wahrgenommen, wäre der Wagen 22 Meter vor dem Fußgänger gestoppt worden, so der Sachverständige.

Für ein anderes Szenario könne es nur drei Gründe geben, meinte Eberle. Entweder fahre jemand zu schnell (dafür gab es jedoch keine Anzeichen) oder er sei abgelenkt und unaufmerksam an den Zebrastreifen herangefahren. Man könne zwar gern ein weiteres Gutachten beauftragen, meinte Eberle mit Blick auf Überlegungen von Rechtsanwältin Silke Ackermann. Das sei aber nicht nur mit ein paar tausend Euro weiteren Kosten verbunden. Daraus könnten sich auch noch andere Hinweise ergeben: Eberle deutete auf die Möglichkeit einer fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs hin.

Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung zog die Anwältin den Einspruch ihres Mandanten gegen den Strafbefehl zurück.

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