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Greifenberg

07.09.2020

So waren die ersten 100 Tage der Greifenberger Bürgermeisterin

Seit 1. Mai ist Patricia Müller Bürgermeisterin in Greifenberg. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, Brautpaare zu trauen. Unser Bild zeigt die Rathauschefin am Portal zum Hochzeitspavillon am Schloss Greifenberg.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Patricia Müller sitzt seit Mai im Greifenberger Rathaus im Chefsessel. Drei Brände und ein Wasserschaden haben sie gefordert.

So hatte sich Greifenbergs neue Bürgermeisterin Patricia Müller die ersten 100 Tage ihrer Amtszeit sicher nicht vorgestellt: Corona-Krise – ja klar, das war bekannt und traf alle Gemeindechefs im Land. Aber dass mit Feuer und Wasser gleich zwei der vier großen Elemente dazwischenfunken würden, das war dann doch nicht abzusehen. Drei Brände innerhalb einer Woche in Greifenberg, dazu ein ziemlich großer Wasserschaden am Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Schondorf boten Patricia Müller gleich mehrere Bewährungsmöglichkeiten.

Eigentlich wollte sie „Signale setzen. Spürbar sollten sie sein, ein Zeichen für Erneuerung, aber kein wilder Aktionismus“. Die Pandemie plus Lockdown und damit verbundene negative Auswirkungen auf den Finanzhaushalt der Gemeinde bremsen neue Ideen aus. Der Gemeinderat wird sich zunächst mit den dringlichsten Maßnahmen beschäftigen. Gleichwohl ist im Rathaus eine gut gelaunte, entspannte Gemeindechefin in ihrem Büro anzutreffen. Auf dem Schreibtisch zieht eine schöne Birne die Blicke auf sich, darunter ein Zettelchen mit guten Wünschen. „Das war mein Bauhof“, erklärt sie und schmunzelt.

Sie führt auch Einzelgespräche

Im gleichen Atemzug sagt sie, dass sie ein wunderbares Verhältnis hat zu allen Mitarbeitern im Ort und in der Verwaltung in Schondorf. Worauf das zurückzuführen ist? „Kommunikation und Netzwerken, das ist meins.“ Das stehe für sie an oberster Stelle, denn durch Gespräche können Missstimmungen verhindert werden und gemeinsam seien Schwierigkeiten oft einfacher zu überwinden. „Mit ist wichtig, dass alle an Entscheidungen Beteiligte umfassend informiert sind. Dafür führe ich bei Bedarf auch Einzelgespräche.“

So waren die ersten 100 Tage der Greifenberger Bürgermeisterin

Patricia Müller wurde vor sechs Jahren in den Gemeinderat gewählt. „Weil ich mich für mein direktes Umfeld engagieren möchte“, ist die Erklärung der 56-jährigen verheirateten Mutter von drei erwachsenen Kindern. Seit 1994 lebt die Münchnerin in Greifenberg – „zunächst drei Jahre lang in Neugreifenberg, dann 16 Jahre lang im Pfarrhof“. Mit dem Bau eines Eigenheims wurde die Familie endgültig in Greifenberg sesshaft. Engagiert habe sie sich schon immer.

Ihr Engagement begann mit der Krabbelgruppe

Das begann in der Krabbelgruppe, setzte sich im Elternbeirat der Schule und im Tennisclub fort. Für Greifenberg initiierte Patricia Müller die Gemeindezeitung „Bärig“. Als Bürgermeisterin ist sie dafür weiterhin mitverantwortlich, jetzt im Team mit Gemeinderat Urban Lübbeke und weiteren Unterstützern. Sie organisiert den Adventsmarkt im Schlosspark und startete ein Forum für Ideen, wie die Dorfmitte mithilfe von staatlichen Fördermitteln zu einem Treffpunkt für die Greifenberger werden kann.

„Diese Städtebauförderung möchte ich in den kommenden Jahren vorantreiben“, erklärt sie. Eine der ersten Aufgaben hierfür sei, zu ergründen, wie bestehende, im Eigentum der Gemeinde befindliche Gebäude derzeit genutzt werden und wie diese Nutzung in Zukunft aussehen könnte. Weitere Aufgaben sind die Sanierung des ersten Baus am Kindergarten Windradl und der Ausbau der Mittagsbetreuung in der Alten Schule. „Aktuell haben wir die Kinderbetreuung nach Coronaregeln organisiert.“ Dafür können laut Bürgermeisterin auch Räume im Rupert-Mayer-Haus genutzt werden. Die Erweiterung des Gewerbegebiets Mitterfeld II müsse vorangetrieben und das Einheimischenmodell an der Hechenwanger Straße fortgeführt werden.

Letzteres sei zu erschließen und die Vergabekritierien seien vom Gemeinderat festzulegen. Als besonders dringlich sieht Patricia Müller die Regelung beziehungsweise Verringerung des Durchfahrtsverkehrs im Ortsteil Beuern. Dort sei die Hauptstraße durchgehend stark frequentiert, der Verkehr eine Belastung für die Anwohner. „Überhaupt wird uns das Thema Mobilität in den kommenden Jahren häufiger beschäftigen“, glaubt die Bürgermeisterin.

Eine interessante Anfrage aus Türkenfeld

Aktuell habe sie eine interessante Anfrage aus der Gemeinde Türkenfeld vorliegen. Der dortige Bürgermeister Emanuel Staffler denke über eine Buslinie nach Eching zum dortigen Einkaufszentrum nach und bot Greifenberg einen „Schlenker“ über Greifenberg vor dem Rückweg nach Türkenfeld an. Das werde in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen ebenso thematisiert werden wie der Bestattungswald. Für einen solchen in einem Waldstück bei Painhofen hatte bereits eine Anfrage im Gemeinderat vorgelegen und das Gremium sich damit beschäftigt.

Große Begeisterung schwingt in den Worten der Greifenberger Bürgermeisterin mit, wenn sie über die verschiedenen Gremien und überhaupt die Menschen spricht, mit denen sie zu tun hat. „Der gesamte Gemeinderat ist sehr engagiert, es herrscht Aufbruchstimmung. In den Ausschüssen arbeiten alle konstruktiv.“ Bauhof und Mitarbeiter der VG Schondorf hätten laut Müller nicht auf die Uhr geschaut, als es darum ging, die wassergeschädigten Büros auszuräumen. Lob geht auch an die Feuerwehr. Unter der Leitung von Kommandant Florian Pitzl seien die Greifenberger Brände schnell unter Kontrolle gebracht worden. „Die Familie Ostermaier als Eigentümer des Wohn- und Geschäftshauses hat sich sehr generös gezeigt. Die Mieter und Pächter wurden nicht nur bei der Suche nach Ausweichquartieren, sondern auch finanziell kräftig unterstützt.“

Momentan reicht die Zeit nicht aus

Letztendlich ist Patricia Müller rundum zufrieden. Das Bürgermeisteramt sei eine schöne Aufgabe, verbunden mit einem gehörigen Maß an Verantwortung. „Das Spektrum ist sehr breit, notwendig ist ein weiter Blick. Wichtig ist, offen zu sein für unterschiedliche Meinungen.“ Gerade deshalb freue sie sich über jeden Kontakt. Allerdings – so wie sie das Amt ausüben will – dafür reiche die Zeit längst nicht aus, die ihr als ehrenamtliche Gemeindechefin zugestanden wird. Aber egal, auch die neue Bürgermeisterin „schaut nicht auf die Uhr“.

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