Newsticker

Börsengang des Tübinger Biotechunternehmens CureVac erwartet
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Was die Corona-Krise den Landkreis kostet

Landsberg

09.07.2020

Was die Corona-Krise den Landkreis kostet

Die Drive-in-Teststation im Landsberger Sportzentrum war eine der Maßnahmen, die der Landkreis zur Eindämmung der Corona-Pandemie ergriffen hat. 
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Plus Für Schutzausrüstung, Teststrecke und Pandemiezentrum rechnete der Landkreis Landsberg mit mehreren Millionen Euro Ausgaben. Der Kämmerer präsentiert überraschende Zahlen.

Als die Corona-Pandemie im März ausbrach, musste der Landkreis auf die Schnelle reagieren und unter anderem Schutzkleidung beschaffen, eine Teststrecke am Sportzentrum in Landsberg einrichten und die Personalkapazitäten aufstocken. Im Finanzausschuss des Kreistags wurde jetzt eine Zwischenbilanz gezogen, wie die getroffenen Maßnahmen funktioniert haben und welche finanzielle Belastung damit verbunden ist.

Kreiskämmerer Thomas Mark-thaler berichtete, dass der Landkreis bei einer Hochrechnung Mitte April von Kosten von 4,2 Millionen Euro ausgegangen sei. „Das war noch eine vorsichtige Schätzung“, ergänzte er. Angeschafft wurden unter anderem zusätzliche Beatmungsgeräte. Nachgebessert wurde auch bei der Ausstattung der Intensivstation am Klinikum, informierte er. Landrat Thomas Eichinger ( CSU) erläuterte dazu, dass die Zahl der Intensivplätze für Patienten in dem Zuge von fünf auf 25 erhöht worden sei. „In der Spitze wurden zehn Patienten gleichzeitig beatmet.“ Auch Leichensäcke orderte der Landkreis.

Unterstützung erhielt er in der Krise auch vom Freistaat, wenn auch nicht die erhoffte, sagte Maria Matheis, Chefin der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt und wegen Corona zur Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz ernannt. „Wir brauchten Schutzkleidung und Schutzmasken und haben sehr viel Desinfektionsmittel erhalten. Davon haben wir immer noch einen Überschuss.“ Die Schutzkleidung wurde unter anderem an Mediziner, Schulen, Physiotherapeuten und Friseure verteilt.

Was die Corona-Krise den Landkreis kostet

Landkreis könnte bei steigenden Fallzahlen schnell reagieren

Mit mehr als 130.000 Euro finanzierte der Landkreis bislang auch den Betrieb der Drive-in-Teststation am Landsberger Sportzentrum, deren Betrieb im April ein externer Dienstleister übernommen hatte. Die Station wurde später auf den Fliegerhorst in Penzing verlegt und ist seit Anfang diesen Monats im Standby-Modus wie alle anderen Angebote – wie Infektambulanz, Infektmobil und Unterkünfte für Asylbewerber und Menschen mit Behinderung – berichtete Maria Matheis. Sollte es die Situation erfordern, könnten diese Instrumente wieder zum Einsatz kommen.

Susanne Futterknecht (Grüne) wollte wissen, wann dies der Fall sein könnte. Tobias Reinhold, Abteilungsleiter für soziale Angelegenheiten, Veterinär- und Gesundheitswesen, sagte, dass es vom Freistaat dazu keine Anweisungen gebe. Ein Anhaltspunkt könnte aber die Vorgabe von 35 Infizierten pro 100.000 Einwohner im Landkreis innerhalb einer Woche sein. Ab dieser Obergrenze werde dann in unterschiedlichen Stufen ein Plan entwickelt, wie die Ansteckungen wieder minimiert werden könnten. Landrat Eichinger hält das für sinnvoll. „Aufgrund der gelockerten Regeln haben die Menschen wieder viel mehr Kontakt zueinander. Wenn es einen bestätigten Fall gibt, müssen wir gleich 30 bis 40 Personen testen. Bei solch einer Dimension übernehmen wir die Aufgabe selber.“

Geld wurde auch investiert, um in einem Augsburger Labor einen Teil der genommenen Proben untersuchen zu lassen. Laut Reinhold haben die Ergebnisse selbst in der Hochphase der Pandemie innerhalb von 48 Stunden vorgelegen. Aktuell nutze der Landkreis die Kapazitäten des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Da lägen nach zwei bis drei Tagen Ergebnisse vor. „Es ist denkbar, dass wir bei steigenden Fallzahlen wieder die Dienste des Labors nutzen.“ Zusätzliche Mittel musste der Landkreis laut Matheis ausgeben, um einen Versorgungsarzt einzustellen und diesem einen Stab an Mitarbeitern zur Seite zu stellen. Diese Stelle wurde in dem Moment geschaffen, als in Bayern der Katastrophenfall ausgerufen wurde, welcher Mitte Juni wieder aufgehoben worden ist.

Hoffen auf umfangreiche finanzielle Unterstützung

Welche Summe am Ende des Jahres fällig wird, hängt vom weiteren Infektionsgeschehen ab und der Frage, welche Zusagen der Politiker in Bund und Land, sich an den Kosten zu beteiligen, letztlich auch umgesetzt werden. Laut Markthaler ist angedacht, dass die Kosten für den Versorgungsarzt und die Beatmungsgeräte eins zu eins ersetzt werden. Zudem habe der Bund angekündigt, die Kosten für Unterkunft und Heizung bei Hartz-IV-Empfängern wegen der Corona-Krise dauerhaft zu 75 Prozent zu übernehmen, was für den Landkreis eine Entlastung von 1,86 Millionen Euro pro Jahr bedeuten würde. Bislang trägt der Bund 50 Prozent. Im Raum stehe zudem ein Sonderfonds für Schutzausrüstung.

Bleiben die Infektionszahlen stabil, rechnet der Landkreis für dieses Jahr mit Kosten von 2,4 Millionen für die Aufgaben der Führungsgruppe Katastrophenschutz sowie die Investitionen beim Klinikum und dem Defizit, mit dem bei den Bädern gerechnet wird. Kommen alle vom Bund und Land angekündigten Fördermaßnahmen, könnte am Ende aber ein Plus von 500.000 Euro stehen. Steigen die Infektionszahlen – der Landkreis geht bei dem Szenario von einem Anstieg ab Oktober aus –, entstehen nach derzeitiger Kalkulation Kosten von 3,7 Millionen Euro und nach Abzug der angekündigten Förderungen bleiben etwa 450.000 Euro, die der Landkreis aufbringen müsste. Die Summe werde letztlich „wohl in der Mitte der beiden Varianten liegen“, so Thomas Markthalter.

Landrat mahnt zur Achtsamkeit

Landrat Eichinger bilanzierte: „Wir waren auf solch ein Ereignis nicht vorbereitet und sind jetzt um 100 Prozent besser aufgestellt“. Mit Blick auf das Finanzielle äußerte er, der Landkreis komme wohl „mit einem blauen Auge davon.“ Er mahnte aber auch, achtsam zu bleiben, um höhere Fallzahlen zu vermeiden.

Lesen Sie dazu auch: 35-Jähriger überlebt Covid-19 nur knapp: "Meine Chance wurde auf 50:50 geschätzt"

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren