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Landskreis

08.06.2019

Wenn der Notarzt digital zugeschaltet werden kann

Suchte das Gespräch: Bayerns Ministerin für Digitales, Judith Gerlach.
Bild: Dieter Schöndorfer

CSU: Die Bayerische Digital-Ministerin Judith Gerlach will im Gesundheitssektor vermitteln und unterstützen. WLAN im Krankenhaus

Krankenhäuser sollen mit Bayern-WLAN ausgestattet werden, dafür gibt es ein Förderprogramm. Jede Gemeinde braucht eine digitale Verwaltung, daran arbeitet das Ministerium – und dennoch gab es beim Diskussionsabend der Senioren Union Landsberg und der Jungen Union Ammersee-Westufer auch warnende Stimmen. Die Digitalisierung als Fluch und als Segen. Dies gilt nicht nur, aber auch in zunehmendem Maße für den Gesundheitsbereich.

Richtige Partner zusammenbringen

„Was hat der Patient von der Digitalisierung im Gesundheitswesen?“ war das Motto des Abends in Finning, zu dem auch Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach gekommen war. „Die digitale Daseinsvorsorge findet vor Ort statt“, versicherte sie, weshalb ihre Mitarbeiter verstärkt mit den Landkreisen zusammenarbeiten. Diese bräuchten die digitale Verwaltung („Man klickt sich quasi durch die virtuelle Warteschlange“), wodurch deren Mitarbeiter deutlich entlastet würden. Überhaupt sieht sie eine ihrer Rollen darin, die „richtigen Partner digital zusammenzubringen.“

So finde im fränkischen Kronach gerade ein Pilotprojekt statt, wo eine Plattform aufgebaut würde, auf der Haushalte, Pflege- und Rettungsdienste wie auch Ärzte miteinander vernetzt seien. Dadurch bestehe die Möglichkeit, früher und schneller entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten.

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Sinnvolle Überwachungstools

Von „sinnvollen Überwachungstools“ spricht in einem solchen Fall der Landsberger Notarzt Dr. Wolfgang Weissensee. Daten, die den Rettungskräften Infos über eingenommene Medikamente, vorliegende Allergien oder Unverträglichkeiten geben, seien alles „Benefits“, die letztlich dem Patienten zugutekommen. Dennoch hebt er den warnenden Zeigefinger: „Die Empathie, die Zuwendung zu dem Menschen, der Hilfe benötigt, nimmt in dem Maße ab, wie die Dokumentationspflicht zunimmt.“ Vor 20 Jahren sei ein operierter Blinddarm auf vier bis fünf Seiten dokumentiert worden, heute seien es bis zu 50. Das diene nicht dem Patienten, sondern dem System: „Es werden sinnlos viele Daten erhoben.“

Zu viel Bürokratie

Das unterstrich auch der Bereichsleiter Einsatzdienste beim BRK Landsberg, Christian Haberkorn. Der Spagat werde immer schwieriger, wenngleich er die schnelle Datenübermittlung aus dem Rettungswagen per Computer an die Krankenhäuser sehr schätze. Aber: „Pro Wagen haben wir inzwischen drei Handy-Verträge.“ Auch die Kamera über der Trage im Rettungswagen oder die Bodycam der Sanitäter, die den Notarzt vor Ort teilweise ersetzen, sehen beide mit gemischten Gefühlen. Besser als gar kein Arzt sei der Telearzt, der in der Einsatzzentrale teilweise mehrere Fälle gleichzeitig am Bildschirm betreue.

Christoph Schneider, dessen Firma medizinische Geräte mit digitaler Anbindung herstellt, glaubt den beiden, wenn sie sagen: „Das Menschliche wird immer das Wichtigste sein.“

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