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Penzing

15.03.2020

Coronavirus: Penzings Stockschützen erleben eine „absurde WM“

Matthias Peischer trat bei der Weltmeisterschaft in Regen in zwei Wettbewerben an und gewann jeweils eine Medaille. Doch die Hindernisse, auf die die Aktiven trafen, ließen den Sport in den Hintergrund rücken.
Bild: Beate Purucker (Archiv)

Plus Die Penzinger Stockschützen Matthias Peischer und Florian Lechle kehren mit Medaillen von den Titelkämpfen zurück. Doch der Sport rückt angesichts der Einschränkungen in den Hintergrund.

Es war die vielleicht letzte Großveranstaltung in Deutschland für die nächsten Wochen: die Weltmeisterschaft der Stockschützen in Regen. Doch was die beiden Penzinger Matthias Peischer und Florian Lechle erlebten, hatte mit internationalen Titelkämpfen nicht mehr viel zu tun. Die Enttäuschung bei Matthias Peischer ist nicht nur deshalb so groß, weil man nicht den erhofften Erfolg verbuchen konnte. „Es war einfach absurd“, fasst er die WM zusammen.

Eigentlich hatten diese Titelkämpfe – jedenfalls aus sportlicher Sicht – perfekt begonnen. Denn zunächst hatte die Europameisterschaft der Junioren stattgefunden, und da holte der 14-jährige Stefan Gießer zwei Mal Gold und einmal Silber – er wurde zum erfolgreichsten Penzinger Stockschützen überhaupt. Und sein Bundestrainer: Matthias Peischer.

Erkältung war das geringste Problem

Allerdings hatte Peischer da schon mit Fieber und einer Erkältung zu kämpfen – einer normalen. Doch das sollte im Anschluss das geringste Problem sein. Im Laufe der Woche wurden die Anordnungen, mit denen die Verbreitung des Coronavirus eingedämmt werden sollte, immer drastischer. Erst wurde nur eine Beschränkung der Zuschauerzahl beschlossen – schließlich mussten die Sportler unter Ausschluss der Öffentlichkeit antreten. „Das ist unheimlich bitter. Eine WM ist der Höhepunkt, das ist der Wettkampf, bei dem man vor vielen Zuschauern antritt“, sagt Peischer. Vor zwei Jahren, als die Deutschen im Mannschaftswettbewerb Gold holten, hatten 3000 Zuschauer die Durchgänge verfolgt.

Coronavirus: Penzings Stockschützen erleben eine „absurde WM“

Doch diesmal war schon nach der Vorrunde für die Mannschafts-Zielschießen die Halle leer. Trotzdem erzielten Peischer und seine Teamkollegen eine Bombenleistung mit 359 Punkten und mussten sich nur Österreich (372) geschlagen geben. „Das war die beste Leistung einer deutschen Mannschaft seit 2010“, sagt Peischer.

Drei Spieler sind angeschlagen

Dann stand für die Deutschen noch die Titelverteidigung im Mannschaftswettbewerb an. Zwar hatte Matthias Peischer inzwischen seine Erkältung einigermaßen auskuriert, aber „es schwächt einen doch und es fehlt die Dynamik“. Hinzu kam, dass sich sein Penzinger Mannschaftskollege Florian Lechle bei einem Arbeitsunfall eine Handverletzung zugezogen hatte (Peischer: „Es war lange unklar, ob er überhaupt würde starten können“) und ein weiterer Teamkollege musste im Mannschaftswettbewerb mit einer Handverletzung an den Start gehen. „Wir haben dann auch wirklich schlecht gespielt“, ist Peischer selbstkritisch.

Florian Lechle holte zusammen mit seinem Penzinger Teamkollegen Matthias Peischer die Bronzemedaille.
Bild: Beate Purucker (Archiv)

Dennoch zog die deutsche Mannschaft in die Finalrunde ein. Dann allerdings überschlugen sich die Ereignisse. „Man lebt da ja wie in einer Blase, pendelt nur zwischen Hotel und Eishalle und bereitet sich auf seine Wettkämpfe vor.“ Dann wurde das Großereignis aber vom Coronavirus eingeholt. Die Veranstaltung drohte vor den Finalwettkämpfen am Samstag zu platzen.

Veranstaltung droht zu platzen

Alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt, um doch noch einen Weltmeister küren zu können. Und das bedeutete: Die Sportler mussten bereits um 6 Uhr morgens mit den Wettkämpfen beginnen. „Die Österreicher mussten nach Hause, um nicht anschließend 14 Tage in Quarantäne zu gehen. Außerdem musste die Halle um 12 Uhr geräumt werden“, sagt Peischer. Irgendwie kamen die Ausrichter doch noch zu einer Sondergenehmigung und Österreichs Team blieb. Doch das bedeutete, „dass wir um halb fünf in der Früh schon aufstehen mussten“, sagt Peischer.

Und es lief nicht bei der deutschen Mannschaft. Erst musste man sich dem späteren Weltmeister Österreich geschlagen geben, dann scheiterte man in den Page-Play-offs an Italien, verpasste damit den Einzug ins Finale, hatte aber immerhin die Bronzemedaille in der Tasche. „Wir hatten es mit der Leistung auch nicht verdient, ins Finale einzuziehen“, sagt Peischer – allerdings sei es ganz bitter gewesen, dieses von der Tribüne aus verfolgen zu müssen. „Österreich und Italien haben ebenfalls schlecht gespielt. Selbst in der Form, in der wir waren, hätten wir da gewonnen.“

Zwei Teams sitzen erst mal in Deutschland fest

Doch was blieb, war die Enttäuschung – trotz Silber und Bronze. „Aber mir tun auch die Veranstalter leid, sie haben wirklich alles versucht. Die Veranstaltung war ausverkauft, wenn jetzt das Geld für die Karten zurückgefordert wird, kann es sein, dass sie auf einem Riesenberg Schulden sitzen bleiben. Und die haben ja auch alles ehrenamtlich organisiert.“ Die Vorfreude auf diese „WM dahoam“ sei riesig gewesen – davon sei nichts mehr übrig.

Und trotzdem haben die meisten Teilnehmer noch Glück, dass sie sich im Anschluss auf den Heimweg machen durften: „Von dem Team aus Namibia und Argentinien weiß ich sicher, dass sie noch 30 Tage in Deutschland bleiben müssen, ehe sie wieder nach Hause dürfen.“ Zu Hause – also in Penzing – hätte Matthias Peischer, Florian Lechle und vor allem Stefan Gießer eigentlich ein großer Empfang erwartet, doch auch der fällt aus. „Das tut mir vor allem für Stefan unheimlich leid. Er hatte extra gewartet mit dem Empfang, damit ich auch dabei bin“, sagt Peischer – jetzt soll dieser zwar nachgeholt werden, sobald es wieder möglich ist, aber „das ist natürlich nicht dasselbe“, sagt Peischer.

Bundesliga im Sommer ist schon abgesagt

Für ihn persönlich bleibt nun viel Zeit, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Er arbeitet an einer Schule – und hat damit erst mal eine Zwangspause verordnet bekommen. „Vielleicht wäre es besser, von der Arbeit abgelenkt zu werden, aber ich soll jetzt sowieso erst mal zwei Wochen zu Hause bleiben.“

Zumindest eine Entscheidung nimmt ihm die Ausnahmesituation, verursacht durch das Coronavirus, ab: Da auch die Sommersaison vom Verband bereits komplett abgesagt wurde, kann er nun die Pause einlegen, die er eigentlich schon lange wollte. „Sonst endet die Wintersaison im März, und im April wäre die Sommer-Bundesliga wieder gestartet.“ Jetzt bleibt ihm Zeit, etwas durchzuschnaufen. „Und wir werden an Freundschaftsturnieren teilnehmen, die Kameradschaft pflegen, ohne den Wettkampfstress.“

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