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Dettenschwang

27.02.2019

Nach dem Volksbegehren: Landwirte verpachten Blühflächen

Norbert und Robert Behl (rechts) aus Dettenschwang bieten im Internet Patenschaften für Blühflächen an.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Nach dem erfolgreichen Volksbegehren bieten Landwirte Patenschaften für Flächen auf ihren Äckern an. Einer davon ist Robert Behl aus Dettenschwang.

Wachsen statt Mais, Weizen, Gerste und Raps künftig Malve, Kamille, Klatschmohn und Kornblume auf vielen Äckern im Landkreis? Wenige Tage nach dem erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“ haben die ersten Landwirte bereits Patenschaften für Blühflächen im Internet angeboten. Unter ihnen ist auch die Familie Behl aus Dettenschwang.

Anzeigen bei Ebay

Wer einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten will, dem bieten Bauern an, für 50 Euro Pate für eine 100 Quadratmeter große Blühfläche zu werden. Aus vielen Teilen Bayerns tauchen zum Beispiel auf Ebay solche Offerten auf. Auch Robert Behl aus Dettenschwang hat eine entsprechende Anzeige online gestellt. Für 1500 Quadratmeter hätten sich bereits Paten gemeldet, berichtet der Landwirt, der rund 65 Hektar Fläche bewirtschaftet und Milchkühe hält. Da seien Menschen dabei, die einen Teil ihres Einkommens für soziale Zwecke verwenden wollen, aber auch Kinder und Jugendliche, die einen Teil ihres Taschengelds für die Insekten einsetzen wollen. Die Paten kämen teilweise bis aus München. Bis zu dreieinhalb Hektar groß (das würde für 350 Patenschaften à 100 Quadratmeter reichen) könnte die Blühfläche werden, sagt Robert Behl. So groß ist der Acker, auf dem im vergangenen Jahr noch Winterweizen gewachsen war.

„Wir müssen raus aus der Jammerecke“, sagt der Landwirt, und fügt an: „Die Bauern machen, was die Gesellschaft erwartet. Nach dem Krieg ging es vor allem darum, Lebensmittel zu produzieren, heute sind Umweltschutz und der Tierschutzgedanke wichtiger.“ Mit einer Verweigerungshaltung gegenüber der Gesellschaft, sagt Behl, komme man nicht weiter.

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Gesät wird nach dem Frost

Bis es auf dem Acker blüht, wird es noch etwas dauern: Gesät werden kann erst, wenn keine Frostgefahr mehr besteht, also ab Mai. Wie sich das Feld dann entwickeln wird, muss sich zeigen. Eine Blühfläche ist für Landwirte, die sonst Getreide, Mais oder Gras ansäen, doch Neuland. Behl hofft aber, dass die Blühfläche gut gedeiht und auch mehrere Jahre bestehen bleiben kann. „Je länger sie steht, desto interessanter wird sie für die Tiere.“

Die beste Unterstützung für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt wäre freilich, sagt Behl, wenn die Verbraucher regional und biologisch hergestellte Lebensmittel kaufen würden. Momentan liege der Anteil der ökologisch erzeugten Lebensmittel jedoch nicht einmal bei zehn Prozent. Da bringe es auch nichts, 30 Prozent Ökofläche vorzugeben. Für Milcherzeuger sei es derzeit beispielsweise kaum möglich, auf ökologischen Landbau umzustellen, weil der Biomilch-Markt gesättigt sei, betont Behl, der selbst konventionell wirtschaftet.

Und was sagen die Naturschützer zu den Blühflächen-Offerten? Hans Streicher vom Kreisverband des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) spricht von einem „positiven Ansatz“. Um die Bedingungen für Insekten zu verbessern, bräuchte es mehr Gehölze und Raine, die nicht bewirtschaftet werden, eine insgesamt strukturreichere Landschaft. Unterschätzt werden dürfe auch nicht, dass es einiges an Erfahrung und Geschick erfordere, eine dauerhafte Blühfläche zu schaffen.

Nur Kalkül?

LBV-Kreisvorsitzender Michael Comes-Lipps äußert sich eher zurückhaltend. Bringe eine Blühfläche den Insekten wirklich etwas, wenn auf dem Acker daneben gespritzt werde, fragt er sich. Und womöglich böten manche Landwirte dies mit einem bestimmten Kalkül an: „Um zu zeigen, dass diejenigen, die beim Volksbegehren unterschrieben haben, nicht unbedingt bereit sind, für solche Sachen auch Geld auszugeben.“ Und: „Die Sache sieht auch ein bisschen so aus, als ob sich ein paar Landwirte ein zusätzliches Einkommen sichern wollen.“

50 Euro pro 100 Quadratmeter Blühfläche macht auf den Hektar gerechnet 5000 Euro. Das ist deutlich mehr als der Erlös, den ein Acker bringt, auf dem Getreide angebaut wird. Allein mit der üblichen Feldarbeit sei es aber nicht getan, führt Robert Behl ins Feld: Den Blühflächen-Paten bieten die Behls auch Service-Leistungen an: „Sie erhalten auf Wunsch am Feldrand ein Schild, auf dem Sie als Blühflächenpate ausgewiesen werden. Gerne werden wir Sie über Whatsapp oder per E-Mail über die Entwicklung der Fläche informieren“, heißt es in ihrer Anzeige wörtlich.

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